Was es sonst so zu berichten gibt … vom Wal, von der Terrasse, von diesem Blog …

11 Apr.

Der Blog geht wieder online. Warum? Weil es Zeit dafür ist. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich ihn abgeschaltet habe. Aber er hat mich gestresst. Weil ich nicht mehr frei schreiben konnte. Das war vielleicht vor einem halben Jahr. Ich bin dankbar, dass ich rückblickend doch immer wieder feststellen kann, dass es eine Entwicklung gibt. Eine Besserung. Ich schlafe teilweise wieder fünf oder sechs Stunden. Ich bin zwar immer noch müde, aber es ist bei weitem nicht mehr so schlimm wie noch vor zwei Jahren. Ich arrangiere mich immer besser mit der bekloppten Situation.

Der Grund, weshalb der Blog wieder online ist, ist der neue Zeitabschnitt. Ich habe vor über die neue Challenge, die neue Herausforderung zu berichten. Denn die ist in jedem Falle spannend. Also bleibt dran 🙂 – Außerdem hat der Blog ein neues Theme bekommen. Ein Theme, bei dem jeder Beitrag auch seine eigene Seite hat. So kann ich ausführlichere Beiträge schreiben und die Übersicht ist auch echt eine Übersicht.

Seit November oder Dezember singe ich im Chor. Chorprobe ist jeweils Freitag. Es ist gut. Es ist ein kleines Bausteinchen zur Verbesserung des Lebens. Singen ist überhaupt gut. Und gemeinsam singen ist noch besser. Und Eva macht das gut. Meine Singkollegen sind angenehme Menschen. Von einigen Singkolleginnen kenne ich schon die Namen.

Der Opel hat mittlerweile fast 4500 Kilometer auf der Uhr. Hey – ich habe jeden Tag eine Freude daran. Manchmal fahre ich auch damit rum. Es ist so schön, wenn ein Plan aufgeht. Während ich viele andere Pläne beerdigen muss, tut es einfach gut, wenn ein Plan aufgeht.

Die Südterrasse ist heute fertig restauriert. Ich weiß nicht, ob ich darüber berichtet habe. Die Jungs haben Bretter gebraucht für einen Volleyballtrainingsplatz. Das ist jetzt schon zwei Jahre her. Und da haben sie die alten Bretter der rotten Südterrasse genommen. Der Volleyballtrainingsplatz wurde aber im letzten Jahren nicht mehr bespielt. Also habe ich das Brombeergestrüpp und den anderen Terrassenbewuchs beseitigt, die Unterkonstruktion restauriert und die alten Bretter wieder montiert. Wir haben jetzt auch eine funktionierende Südterrasse. Als nächstes muss die Solaranlage ummontiert werden.

Auf dem Plan stehen noch weitere Punkte. Die Riemen vom Ruderboot müssen geschliffen und lackiert werden. Die neue Dollenbefestigung am Ruderboot aus schönem Eichenholz muss lackiert werden. Der Gestrüppbereich im Garten soll gerodet werden und in die Rasenfläche integriert werden. Und die Steuererklärung sollte mal gemacht werden.

Ach ja – und eines – das will ich euch noch erzählen.

Ihr habt das alle mitbekommen, dass in der Wismarer Bucht ein Buckelwahl gestrandet ist. In der Kirchsee, also einer Bucht in der Bucht vor Kirchdorf. Das ist ziemlich nah bei uns. Wir segeln zwar fast nicht in die Kirchsee, weil es dort sehr flach ist. Aber in der Nähe, da segeln wir durchaus. Ja, es ist eine Tragik. Ein besonderer Politiker steht jetzt täglich vor der Presse und schlachtet das Ereignis für seine Zwecke aus. Und in Deutschland gibt es nun 80 Millionen Wahlexpertinnen. Die Kommentare der meist weiblichen Kommentatorinnen im Livestream der Walübertragung lassen tief blicken. Abgrundtief. „Holt. Denn Wal raus. Fertant.“ – „Anzeigen machen“ – „Woher wisst ihr, daß der Wal nicht festgekettet ist??“ – „Ich heule jeden Tag….“ – „Genau das meine ich auch. Hope Muss raus da.“. Maren Urner hat das Phänomen ganz gut erklärt. Das Hirn ist einfach viel mehr in der Lage sich auf ein einzelnes Wesen zu konzentrieren. Dass in der gleichen Zeit mehrere Schweinswale in der Ostsee sterben, dass im Mittelmeer täglich Menschen sterben, das ist für das Hirn einfach schlechter zu begreifen, so die Hirnforscherin. Dann fahren Menschen über hunderte Kilometer mit dem Auto, nur um einen sterbenden Wal zu begaffen. Sie beklagen sich über hohe Spritpreise. Man möchte ihnen zurufen: vielleicht gibt es einen Menschen in Deinem Umkreis, dem Zuwendung gut tun würde. Aber sie hören es nicht. Der ganze Rummel verführt mich nachts zu einem Gedanken:

Gibt es möglicherweise auch Menschen, die sich in einer Lebenssituation verirren? Die sich versehentlich aus einem Lebensfeld heraus „schwimmen“, das ihr eigentlich gesundes, natürliches Lebensfeld wäre? Die zunächst gar nicht merken, dass sie sich verirren, „verschwimmen“, auf dem falschen Kurs sind? Dass diese Menschen dann zunächst einmal ganz erstaunt, vielleicht sogar berauscht, beflügelt sind von der neuen Lebensumgebung? Dass diese Menschen gar nicht merken, dass die neue Umgebung schädlich für sie ist? Dass sie eigentlich stracks umkehren sollten? Vielleicht sind sie einem Schwarm, einer Idee hinterher? Und dann finden sie den Rückweg nicht? Sie werden in der neuen Umgebung erst leicht krank, sie merken, dass ihr Wohlbefinden schwindet? Aber sie finden dennoch Unterstützung für ihren falschen Kurs. Andere Tiere schwimmen auch dort, also fühlen sie sich bestärkt. Irgendwann merken sie, dass es ihnen doch nicht so wirklich gut geht. Aber da haben sie sich schon so weit in den fremden Lebensraum verirrt, dass sie den Rückweg alleine und ohne Hilfe nicht mehr finden. Sie verheddern sich in einem Fischernetz. Schließlich stranden sie entkräftigt und entmutigt auf einer Sandbank.

Ich erzähle die Geschichte einem 15jährigen. Und er fragt mich, ob ich das als Vergleich zu einem echt lebenden Menschen sehe. Ich sage Ja. Und er sagt: dann verstehe ich diese Geschichte. Es gibt noch so viele Parallelen in dieser Geschichte. Dass dem Wal geholfen wird von seiner Sandbank herunter zu kommen. Dass er Begleitung braucht, Fürsorge, zurück in seinen Lebensraum. Die Geschichte könnte gut enden. Sowohl für den Wal, als auch für den Menschen.

Der Wal hat sich vermutlich nicht zufällig in die Ostsee verirrt. Und der Wal hat sich auch nicht zufällig in einem riesigen Fischernetz verheddert. Irgendwo im Internet gibt es Bilder von dem Fischernetz … vielleicht schaut ihr die besser nicht an. Die Weltmeere sind nicht mehr die Meere, in der Wale sich wirklich wohl fühlen. Die Meere sind voll von irritierenden Geräuschen durch Schiffe. Wale haben sehr empfindliche Organe um Geräusche wahr zu nehmen. Unter Wasserlärm verbreitet sich schneller und intensiver als Schall in der Luft. Die irritierende Umgebung war mit ziemlicher Sicherheit ein Faktor, der den Wal beeinflusst hat. Es ist unwahrscheinlich, dass die Natur die Wale so ausgestattet hat, dass sie sich einfach so in lebensfeindliche Gewässer begeben. Auch die Menschen leben in einer Umgebung, die klare umrissene Lebensräume missen lassen. Die Verführungen und Störfaktoren für die menschliche Psyche lauern überall, sowohl in der realen Welt auch in der Händi-Welt.

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