Archiv für den Monat: März 2021

Ausgedoggt

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Die Global Dreamchen – Lakeexplorer Yacht Club de Tressow – vielleicht muss doch noch ein kürzerer Name gefunden werden … – wurde heute ausgedockt. Das klingt spektakulär und im Grunde ist es das auch. Aufgrund der Coronakrise wurde das Manöver nicht angekündigt. Es hätte vermutlich zu viele Zuschauer angelockt. Wie bei einer echten Ausdockung wurde das Werfttor ganz geöffnet und das Schiff auf seinem Wägelchen passte gerade so eben durch. Zum Schiffsnamen: der obere Namen ist vielleicht doch etwas lang und für Außenstehende nur schwer zu merken. Malizia wäre auch ein schöner Name. Aber der ist leider schon belegt. Und – wir wollen ja keine Namen kopieren – heute dachte ich an Ever Given – ein sehr schöner Name. Nur – was würden die Leute denken, wenn das Schiff auf dem AIS auf dem Tressower See zu sehen wäre? Der Tressower See ist schließlich nicht der Suez Kanal. Um Verwechslungen vorzubeugen, könnte man ja Ever Given II nehmen. Vielleicht hat ja eine Leserin oder ein Leser noch eine bessere Idee.

Viel Zeit ist allerdings (hoffentlich …) nicht mehr. Nachdem heute schönes Wetter war und das Ausdockmanöver durchgeführt werden konnte, kam die Global Dreamchen …. an den Ausrüstungskai. Es wurde den lieben langen Tag lang geschliffen und geschliffen und geschliffen. Ein Tipp: wenn euch beim Schleifen mit dem Bandschleifer bei laufender Maschine der Stecker aus dem Verlängerungskabel rutscht, stoppt der Motor des Bandschleifers. Schaltet dann den Schalter der Maschine auf AUS. Sonst kann es euch so gehen wie mir heute. Der Bandschleifer stand auf dem Schleifpapier auf dem Boden des kopfüber liegenden Bootes. Dann stecke ich den Stecker rein. Der Bandschleifer gibt Vollgas und saust über den Bug raus …. auf den Boden. Wenn es jemand gefilmt hätte, mit meinem dummen Gesicht hätte es das perfekte Fail Video gegeben. Also: Schalter auf Aus! Und Bandschleifer nicht auf das Schleifpapier stellen. Zum Glück ist der Maschine nichts schlimmes passiert.

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Schleifequipment.

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Am späten Nachmittag musste der Rumpf wieder unter Dach. Morgen ist Regen angesagt. Die kleine Ferienwohnung soll als Lackiererei dienen. Nur – wie kommt der Elefant durchs Nadelöhr? Nun, er passt so gerade eben durchs Fenster. Nun habe ich noch ein paar Stellen geflickt. Feierabend für heute.

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Blick in die Lackiererei.

Bei der Beize habe ich nicht auf den Rat des Fachmannes gehört. Der hat empfohlen, in die erste Lackschicht Beize zu mischen. Da wollte ich schlauer sein und habe gerechnet, dass dann ja nur ganz wenig Beize zum Einsatz kommt. Die 500 ml sollten für etwa 7 qm reichen – also bei sparsamem Einsatz für den ganzen Rumpf. Wenn man die Beize in die erste Lackschickt mischt, soll man maximal 10% zugeben. Da ich ca. 750 ml Lack für die erste Schicht rechne, wären dies nur 75 ml. Also war ich mutig – upppps – nach dem ersten Pinselstrich war mir dreierlei klar: der Rumpf wird recht dunkel, es gibt kein Zurück mehr und … ich hätte vielleicht doch auf den Fachmann hören sollen.

Ansonsten – es ist meine erste Arbeit mit DD Lack. Ist richtig toll das Zeug! Zum Glück bemale ich hier kein Messeausstellungsstück sondern ein Gebrauchsboot. So ganz 100%ig wird meine Arbeit dann doch nicht. Die Ferienwohnung wurde als Lackiererei gewählt, um den Wohnraum nicht mit Lackgeruch zu füllen. Echt eine coole Lackiererei. Jetzt kommt jeden Tag eine Lackschicht drauf – so zumindest der Plan. Die Lackmenge einer halben Dose passt genau auf eine Rumpfhälfte, zunächst innen, ab übermorgen dann außen. Schwertkasten von innen lackieren ist echt ein bisschen doof – aber wichtig.

Brief an das Schulamt – ein Entwurf.

Spanier dürfen nicht nach Malle, Deutsche aus Deutschland aber schon, aber Deutsche, die hier bleiben, erwartet evtl eine #Ausgangssperre. Mit dieser Taktik werden wir Corona endgültig verwirren und besiegen!

Quelle: https://twitter.com/AbdelkarimsLP/status/1373911279799304193?s=20

Das musste jetzt doch mal sein. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass das Virus sich zu einem Kopfvirus mutiert, der schlimmere Folgen hat als das Virus selbst.

Wir sind dennoch für ein langes Wochenende in den Süden gefahren. Anstrengend war’s. Aber auch schön. Besonders schön war auch die Einladung in die gw21.de. Wir durften das neue Bad anschauen und uns davon überzeugen, dass die BewohnerInnen dort das beste aus der kuriosen Situation machen.

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In Holzen, müsst ihr wissen, leben eine Menge Störche. Die laufen dann ganz unbekümmert in Gärten und Vorgärten herum, sammeln sich ihr Nistzeug und fliegen wieder davon.

Aus der Serie Briefe an das Schulamt gibt es eine Fortsetzung …

Sehr geehrte Frau O,
Lieber Herr G, (cc)
Sehr geehrte Frau Ministerin Bettina Martin, (cc)

Wir hatten kürzlich ein sehr nettes Telefongespräch. Vielen Dank nochmal für die Zeit, die Sie sich für mich und mein Anliegen genommen haben.

Gestern nun waren die Kinder nach drei Wochen Pause wieder in der Schule. Die Erklärungen, dass sie an Selbsttests teilnehmen dürfen, hatten sie natürlich unterschrieben im Schulranzen. Allein: es gab gar keine Selbsttests. Aufgrund unseres Telefongespräches habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie wir Ihre Tätigkeit als Überwacherin sinnvoller gestalten können. Und da ist mir auch gleich eine Idee gekommen: überwachen Sie doch einfach mal das Wohl der Schülerinnen und Schüler. Die haben es verdient. Sie sind schließlich die schwächsten in der ganzen Kette Ministerium – Regierungsbezirk – Schulamt – Schule – Lehrer … Ich habe heute zunächst zwei Anliegen.

Wir fangen mal bei den Schulranzen an. Wir wohnen etwa 1,5 Kilometer von der Bushaltestelle entfernt. In den Empfehlungen für Eltern wird immer wieder betont, dass die Eltern ihre Kinder nicht irgendwohin fahren sollen. Ich halte diese Empfehlungen für sehr sinnvoll. Wir haben die Kinder schon in der Kindergartenzeit zur Selbständigkeit erzogen. Das hat sich auch bewährt. Sie sind also durchaus in der Lage den Weg selbständig zurückzulegen. Nun werden sie allerdings neuerdings mit einem übervollen Schulranzen auf den Weg geschickt. „Es muss alles mit“ – so lautet die Devise. Der Schulranzen wiegt damit, inklusive Vesperbrot und Trinkflasche etwa 7 Kilo. Ich hab mal eben schnell gegoogelt – kennen Sie das? Man kann damit recht schnell Informationen einholen. „Höchstens zehn Prozent des Körpergewichts“, so lautet die Faustregel für das Gewicht eines Schulranzens. Das war bis in die 80er Jahre eine Regel und gilt für normale Schulwege. Die Regel wurde quasi ersatzlos gestrichen. Ein Dank geht raus an die Schulbuchlobby: Bravo, gut gemacht! Erfahrene Orthopäden warnen nach wie vor vor zu schweren Schulranzen. Nun, ich rechne es Ihnen mal kurz vor: unsere Kinder müssten 70 kg wiegen, damit das Maximalgewicht des Schulranzens nicht überschritten wird. Ich habe die Kinder jetzt nicht gewogen. Adipös sind sie nicht. Sie sind zehn Jahre alt und etwa 149 cm groß. Ihr Körpergewicht dürfte unter 40 kg liegen. Ihre Aufgabe lautet nun: Schulranzengewicht auf ein erträgliches Maß reduzieren. Auf Wunsch kann ich Ihnen gerne Lehrerinnen nennen, mit denen Sie sich austauschen können. Selbstverständlich stehe ich Ihnen auch gerne für Rücksprachen zur Verfügung. Die Gesundheit unserer Kinder ist gefährdet, es eilt also. Wirklich. Sollte Ihr Vorgesetzter anderer Meinung sein, dürfen Sie ihn auch gerne an mich verweisen.

Am Wochenende ist Uhrverdrehung (die Uhren werden in der Nacht von Samstag auf Sonntag um eine Stunde vorgestellt). Herr Juncker hat zwar in seinen letzten Amtstagen noch dafür gesorgt, dass dieses sinnlose und schädliche Relikt aus den 80er Jahren abgestellt wird, geschehen ist allerdings nichts. Die Uhrverdrehung führt dazu, dass die Kinder noch stärker als ohnehin schon unter Schlafmangel leiden. Das Problem ist gravierend. Lehrerinnen und Lehrer und der gesamte Klassenverbund leiden unter Konzentrationsdefizit unausgeschlafener Kinder. Der Unterricht leidet. Ihre Aufgabe besteht nun darin dafür zu sorgen und zu überwachen, dass die Kinder genügend Schlaf bekommen. Falls Sie auf die Idee kommen zu sagen „dann müssen die Kinder eben früher zu Bett gebracht werden“, kann ich Ihnen mitteilen, dass das der falsche Weg ist. Das funktioniert nämlich nicht. Kinder haben einen natürlichen Schlafrhythmus, der sich an der Tageszeit orientiert und nicht an einer verdrehten Uhr. Es gilt also diesen natürlichen Schlafrhythmus zu berücksichtigen. Schlafentzug, so hat man mir auch beim Kinderhilfswerk Unicef bescheinigt, ist keine Lapalie. Googeln Sie gerne mal nach dem Begriff. Es gibt bereits Schulen, die die Anfangszeiten flexibel gestalten. Tausende Kinder, Eltern und Lehrer werden Ihnen dankbar sein, wenn dieser schwere Mangel des Schulsystems beseitigt wird.

Antwort bitte gerne per E-Mail an meine Adresse, Rückfragen natürlich auch gerne telefonisch.

Bleiben Sie gesund!

Lieber Gruß,
Wolfgang Bund

Ein Feriengast sagt seinen Osterurlaub ab. Ich zitiere aus seiner Mail:

… Obwohl wir sehr gelassene und fröhliche Menschen sind und uns nicht so schnell aufregen, machen uns die getroffenen Beschlüsse fassungslos und auch wütend. Ich kenne jemanden, der ist jetzt nach Gran Canaria geflogen und von dort auf ein Kreuzfahrtschiff gegangen. Und wir dürfen nicht zu Ihnen kommen. Ich empfinde das als eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. …

Dazu passt: „Seehofer hält an Ostergottesdiensten fest“. Diese Einstellung wird Menschen in ein paar Jahren vor lachen komplett aus den Socken hauen.

1 Tag Schule

Am Donnerstag um 24.00 Uhr endete die Quarantäne. Am Freitag war die Präsenzpflicht aufgehoben, nun wurde sie wieder eingeführt. – Oder war es umgekehrt? Es ist eigentlich schon fast egal. Wir bleiben erstmal zuhause.

Zu tun gibt es genug, wie diese kurze Bilderserien zeigt.

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Ein neues Holzbearbeitungsinstrument hat den Weg zu uns gefunden. Die X25 von Fiskars. So ganz nebenbei: aus Finnland. Wenn wir nicht nach Finnland kommen, dann kommt Finnland eben zu uns. 60 Euro hat das gute Stück gekostet, incl. Versandkosten, im Baumarkt wären es mindestens 80 gewesen. Das Werkzeug liegt sehr gut in der Hand und es macht, was es machen soll – wie man auf dem Bildchen sehr schön sieht. Was man nicht so gut sieht: es macht Freude mit so einem Werkzeug zu arbeiten. Weil es ganz unspektakulär einfach nur gut funktioniert.

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Ohne viel Worte. Wer mehr erfahren will, findet das Projekt auch auf insta.

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Metallwarenausstellung für den Bau.

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Hier, auch spektakulär: letzte Leimung. Damit sind alle Teile angeleimt. Es fehlt noch: schleifen und lackieren, Schwert und Ruderblatt und Beschläge rein schrauben. Hierfür muss ich noch die passenden Edelstahlschrauben organisieren. Aber: es wird.

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Leimung Detail.

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Die sind heute umgezogen. Von Dambeck Ausbau nach Tressow.

Nicht auf den Bildern: Kinderbetreuung, Web-Entwicklung, Holz holen und heizen, Luft befeuchten (ca. 5 bis 10 Liter pro Tag), dies und jenes, Kuchen backen, Brot backen, Kundentelefonate und vieles mehr.

Schnelltest ausverkauft

Ein bekannter Discounter sichert sich eine frühe Lieferung für Corona Schnelltests und kündigt den Verkauf derselben für Samstag an. Erwartungsgemäß sind die Dinger schnell ausverkauft. Kurze Zeit später erscheinen die ersten Angebote auf einem bekannten Versteigerungsportal. Der Discounter zeigt sich sehr erstaunt, dass das Angebot so schnell ausverkauft war.

Diese Geschichte erwähne ich nur auf die Frage hin, ob es nun Profiteure der Krise gibt oder nicht. Ein bekannter CDU Politiker streicht offenbar 660.000 Euro an Provision ein für einen Maskendeal (Kauf von Mundschutzen). Ein anderer angeblich 250.000 €.

Die magische Infektionszahl pro Woche und 100.000 Einwohner knackt in Nordwestmecklenburg die Marke von 100. Die Ministerpräsidentinnenkonferenz beschließt weitgehende Lockerungen mit Auflagen. Man muss sich jetzt telefonisch einen Termin beim Baumarkt holen. Anne-Christin hat einen, am Montag um 8 Uhr.

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Schubkarrenradreparatur – bei milden Temperaturen.

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Kraniche.

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Die Scheuerleiste ist angeleimt. Endlich.

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Schraubensortiment für Hasenstallbau.

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Der Mast steht erstmals probehalber. Erstaunlich gerade.

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So wird der Mastfuß fixiert, wenn er dann einmal in den Rumpf geleimt wird. Mit Stecknadeln wird die exakte Position gesichert.

Wahre Geschichten aus Coronien

Eine Sonde der NASA landet auf dem Mars. Es ist ein faszinierendes Schauspiel. Ich klicke mich zufällig ein paar Minuten vor der Landung in die Lifeübertragung. Da sitzen etwa vierzig Männer und ein paar Frauen und starren vollkommen absorbiert, angespannt und gebannt in Bildschirme. Machen können sie eh nix. Das Ding landet automatisch. Oder eben nicht. Der Stress der Frauen und Männer ändert an der Landung des Teiles überhaupt nichts. Und plötzlich, innerhalb einer Sekunde erheben sie sich, klatschen, jolen, freuen sich, sind vollkommen aus dem Häuschen. Nun … möge das Milliardenteure Männerspielzeug die Menschheit weiter bringen? Eine Zweitmeinung kann man hier lesen https://www.golem.de/news/perseverance-diese-marsmission-hat-keinen-applaus-verdient-2102-154325.html . Wenn ich jetzt schreibe, dass die NASA eben auch nur eine Behörde ist, bekomme ich wieder wüste Zuschriften, ob ich etwas gegen Behören hätte. Ich mahne gerne zur Besonnenheit – auch mich selber. Muss sein.

Aktuell steigt die Anspannung. Der normale Mensch auf der Straße ist von den Maßnahmen nur noch frustriert und verärgert. Wirklich verstehen tut es keiner so richtig. Gleichzeitig erzählen die Experten etwas von einer Gefährlichkeit des mutierten Partikels, dass einem Himmelangst wird. Sehr sehr wohltuend ist es da einige Minuten dem Herrn Madsen, genannt Claus aus Rostock, zuzuhören und zuzuschauen. Er war nämlich im Fernsehen und hat ein bisschen aus seinem Leben erzählt. Sein Tenor: bekämpfen wir ein Virus oder bekämpfen wir Menschen. Und: ich habe noch nie gehört, dass sich eine Schuhverkäuferin in einem Schuhladen angesteckt hat. Und: wir mussten Strandkörbe absperren. – Schaut es euch an. Es tut gut. Danke Claus! Kaum auszudenken was los wäre, wenn mehr solche besonnenen, engagierten und beherzten Menschen an entscheidenden Stellen säßen.

Herr Lauterbach sagt seinen gewollt publikumswirksamen Auftritt in einem Impfzentrum ab. Aus Sicherheitsbedenken. Hm. Man muss den Herrn Lauterbach nicht mögen. Seine Meinung auch nicht. Es ist ärgerlich genug, dass solchen Persönlichkeiten gerade jetzt so viel Aufmerksamkeit gegeben wird. Ihn zu bedrohen ist sicher der falsche Weg. Ob man auf solche Piefkes überhaupt hören muss? Der Herr könnte ja mit seiner Sendungskraft in den SPD-geführten Ländern die Gesundheitsämter auf Vordermann bringen.

Ich werde zum Herrn Plattmeier. Der Herr Plattmeier ist Fahrradmechaniker in einem Kinderbuch. Weil er nun wirklich gar keine Lust mehr hat an rostigen Fahrrädern platte Reifen zu flicken, klaut er in der ganzen Stadt die Fahrräder … – das mach ich natürlich nicht. Aber ich entwickle ein gewisses Verständnis für den Herrn Plattmeier. Frühjahrsservice an zwei Kinderfahrrädern und eine platte Schubkarre wartet auf mich. Schubkarrenräder gehören in meiner Werkstatt zu den unbeliebtesten Aufgaben. Wenn ich nordkoreanischer Diktator wäre oder indischer Guru … – vielleicht hab ich einfach die falsche Berufswahl getroffen. Wie auch immer – die Fahrräder sind wieder fit. Allerdings brauchen wir dringend neue, die die wir jetzt haben sind eindeutig zu klein. Ob uns aktuelle Fahrradyoutuber bei der Fahrradsuche behilflich sind ist noch nicht ganz geklärt. Die Schubkarre fährt auch wieder und mir wird klar, dass die Handhabung einer Schubkarre auch eine gewisse Qualifikation erfordert. Nichts in dieser hochtechnisierten Welt ist selbstverständlich. Wer mit einer halbplatten Schubkarre losfährt, macht vielleicht einem anderen Menschen unnötige Arbeit – ohne es zu ahnen, ohne Absicht, ohne Böswilligkeit, einfach nur aus reiner Nachlässigkeit.

In Nordwestmecklenburg ist die Infektionsrate pro Woche und 100.000 Einwohner schlagartig von knapp fünfzig auf 75 gestiegen. Vermutlich hat ein fleißiger Mitabeiter im Gesundheitsamt noch eine Excelliste aus dem letzten Jahr gefunden und diese nachgemeldet. Man weiß es nicht. Im Landkreis Lörrach ist die vergleichbare Rate bei 37 – vielleicht hat ein umsichtiger Mitarbeiter eine Faxliste in den Shredder wandern lassen – man weiß es nicht. Die Schule öffnet, wenn zehn Tage in Folge weniger als fünfzig Neuinfektionen gemeldet werden. Also erstmal nicht.

Ein echter Scherz am Rande. Es ist erster Schultag. Es müssen unterschriebene Coronabestätigungen mit in die Schule. Die werden auch ausgefüllt und mitgegeben. Um 7 Uhr 20 kommt dann ein Anruf aus der Schule: die Bestätigungen müssen auch auf der Rückseite unterschrieben werden. Ob ich nicht in die Schule kommen könne und die Bestätigungen unterschreiben. Ich wollte grade sagen: dann stecke ich aber die ganze Schule mit Corona an. Habe es aber runtergeschluckt und den Vorschlag gemacht, dass die Jungs die Bestätigung ja wieder mitbringen können und wir sie dann unterschreiben. Wir haben uns dann dahingehend geeinigt, dass ich eine Bestätigungs-E-Mail schicke. Das habe ich gemacht.

Was sagt uns diese Geschichte? Die ganze Republik versinkt in einer Coronabürokratie. Vollkommen sinnfrei und irr – wie jede Bürokratie. Nun kommt der Herr Brinkhaus (Vorsitzender der CDU/CSU Fraktion im Bundestag) und fordert, aus den Mängeln der Pandemiebewältigung zu lernen und eine „Jahrhundertreform – vielleicht sogar eine Revolution“ zu fordern. Und wozu wird die deutsche Gründlichkeit dann führen? Genau: zu noch mehr Bürokratie. Chapeau. Übrigens weiß auch Google bereits über diese Geschichte. Wenn man im Suchschlitz „Brinkhaus“ eingibt, erscheint als Vorschlag „Brinkhaus Revolution“ an erster Stelle. Herr Brinkhaus nannte fünf Felder: Verwaltung, Digitalisierung, Bund-Länder-Kooperation, Bildungssystem und Katastrophenschutz. Äääh – wo bleibt hier das Gesundheitssystem? Also man könnte ja genausogut texten: Umwelt, Gesundheit, Verkehr, Kriegsmaterialbeschaffung und Kultur. Es gibt ja keinen Bereich, in dem es nicht massiv klemmt. Also – immerhin hat es Herr Brinkhaus damit in die breite Presse und in diesen Blog geschafft.

Zitat der Woche aus einem längeren Artikel der SZ

Doch bei aller gebotenen Vorsicht wirft die Hamburger Studie Fragen auf, die mitten ins Selbstverständnis der Schulen reichen: Ist der Fernunterricht besser als sein Ruf? Ist die Schule womöglich weniger wichtig als gedacht? Und sie erlaubt zumindest eine gesicherte Erkenntnis: Die Debatte über die Wissenslücken der Schüler leidet selbst an einer Wissenslücke.

Quelle: https://www.sueddeutsche.de/politik/schule-corona-lernen-lockdown-1.5219192

Frau O. vom Schulamt ruft mich an. Ob ich denn wisse wer sie sei. Naja, so habe ich gesagt, sie rufe ja vom Schulamt an und da wisse ich schon was das ist, denn ich habe ihr ja eine E-Mail geschickt. „Nein, nicht mir haben Sie die Mail geschickt, Sie haben diese an Herrn Gatz gerichtet, das ist mein Chef.“ – na gut, dass wir das geklärt haben. Vermutlich hat die Frau O die Mail gar nicht gelesen, denn da steht deutlich und als allererstes „Sehr geehrte Damen und Herren“. Die gute Frau O. war dann etwas unsicher, wie sie das vom Chef beauftragte Telefongespräch fortsetzen solle. Meine Mail, spontan in etwa einer Minute heruntergetippt, nachdem wir über die Quarantäne von der Lehrerin informiert wurden im Originaltext:

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Frau Ministerin Bettina Martin,
Lieber Herr Gatz,

es ist schon fast unglaublich: drei Tage Schule, dann wieder in Quarantäne.

Liebe Freunde! Ich bin weder Leerdenker noch Coronaexperte. Ich bin einfach nur Vater von zwei schulpflichtigen Jungs. Aber ich wundere mich. Mit mir wundern sich viele. Ich habe noch niemanden gefunden, der sich nicht gewundert hat. Wundern tut sich der gemeine Mann  (und die gemeine Frau) über so manches, was ihm und ihr und unseren Kindern in diesen Tagen widerfährt. Zum Beispiel sowas: drei Tage Schule, dann wieder Quarantäne. Der gemeine Mann (und die gemeine Frau) fragen sich, was der Unfug eigentlich soll. Da werden doch tatsächlich ganze Klassen dicht gedrängt mit Mundschutz in geschlossene Räume gepackt. Ich habe mich da schon früher gefragt: meinen die das wirklich ernst oder machen die sich einen Jux mit uns?

Weshalb, zum Henker nochmal, so fragt man sich, werden die Klassen nicht ganz einfach geteilt. Alle, die ich gefragt habe haben entweder gesagt: das ist super! (z.B. Kollegen in Hessen) Die Kinder gehen gern in die Schule, weil der Unterricht viel entspannter ist. Das Infektionsrisiko ist nicht nur halbiert (durch die Teilung) sondern minimiert (durch zusätzlich größere Abstände, weniger Kinder im Schülertransport usw.). Und … wenn denn tatsächlich ein Coronafall auftritt, muss nicht die ganze Klasse in Quarantäne sondern eben nur die halbe. Die Pädagogen sind dafür, die Kinder sind dafür, es wäre sinnvoll, es wäre vernünftig. Nur: es wird nicht gemacht.

Sie können sich gut vorstellen, dass da der gemeine Mann und die gemeine Frau auch ein bisschen coronamüde wird.

In diesem Sinne.

Machen Sie es gut!

Beste Grüße,
Wolfgang Bund

Ich habe dann der Frau O erklärt, dass es für mich etwas schwierig ist meinen Kindern zu erklären, was denn in der Welt und in der Schule so vorgeht. Die Kinder fragen danach. Ich habe ihr erklärt, dass durch die etwas kuriosen Maßnahmenverordnungen die Glaubwürdigkeit der Schule bei den Kindern in Frage gestellt wird. Frau O hat mir dann erklärt, dass sie ja dafür nicht zuständig ist – na, wer hätte es gedacht. Ich war allerdings gar nicht in der Stimmung mich auf eine Zuständigkeitsdiskussion einzulassen. Sie hat mir weiterhin erklärt, dass sie ja nur dafür zuständig wären die Schulen zu überwachen, dass die Schulen auch das, was vom Ministerium beschlossen würde auch umsetzen. Mir lag ja auf der Zunge: lassen Sie das doch einfach sein. Ich wollte der Frau O dann aber auch nicht den Tag versauern. Ich riet ihr allerdings sich klar zu machen, dass Pandemie ist und nicht Kindergarten und dass es möglicherweise an der Tagesordnung ist, etwas vernünftiges zu machen. Ich habe sie dann noch freundlich gebeten mir schriftlich zu antworten, denn es ist in einer guten Kommunikation üblich eine Anfrage auf gleichem Wege zu beantworten. Da sagte die Frau O dann zu mir, dass sie ja dafür keinen Auftrag hätte, ihr Chef habe gesagt, dass sie mich anrufen solle. Also – ämmm – wundert sich noch jemand über den erbärmlichen Zustand unserer Schulen bei so viel Gleichgültigkeit? Dann wollte sie mich noch beruhigen. Nach nochmaligem Lesen meines Textes kann ich daraus allerdings immer noch keine Unruhe herauslesen. Dann wundert sich noch jemand über steigende Infektionszahlen bei so einem Haufen geballter Inkompetenz. Was mich etwas ärgert ist, dass das auf dem Rücken von quasi wehrlosen und unschuldigen Kindern ausgetragen wird. Und das ist schlimm.

Der Frau O kann ich bescheinigen, dass sie eine sehr gute Befehlsempfängerin ist. Solche Menschen braucht das Land, gerade in Krisen- und Pandemiezeiten.