Archiv für den Monat: Februar 2020

Heizungswartung und Salti TV

Ich hoffe, ich bekomme alles noch richtig zusammen heute – ansonsten – auch nicht so schlimm.

Anne-Christin kommt mit Brötchen, ich bin grade mit dem Besen fertig und die Kinder haben etwas widerwillig am Computerarbeitsplatz aufgeräumt. Ganz normaler Samstagsbeginn möchte man fast meinen …

Zunächst macht Jonathan dann aber den restlichen Crepesteig zu Crepes. Es gibt gerade noch vier Stück. Echt Glück gehabt. Nach dem Frühstück sitzen wir noch ein bisschen vor dem wärmenden Ofenfeuer und machen uns dann ganz gemütlich an ein paar Sachen. Ich habe mir heute die Heizungswartung vorgenommen. Und das wird jetzt ein etwas längerer Text. Was ich mit dieser Heizung alles schon erlebt habe, das ist schon fast ein eigener Blog wert.

Die Heizung wurde von einem örtlichen Fachunternehmen installiert. Der Wolf Techniker war zur Inbetriebnahme da. Man sollte meinen, dass ja dann alles in Ordnung ist bzw. falls etwas nicht in Ordnung ist schnell in Ordnung gebracht wird. Dem war definitiv nicht so. Mir ist schon bald aufgefallen, dass die Heizung recht häufig startet, die Brennzyklen also sehr kurz sind. Das war insofern nicht sehr wunderlich, als dass wir fast alles mit Holz heizen. Es sind nur wenige Heizkörper auf. Nach etwa zwei Jahren rumpelte es dann immer wieder in der Heizung und sie ging aus. Schließlich kam eine Störungsmeldung. Es waren dann innerhalb kurzer Zeit diverse Heizungstechniker hier, mit unterschiedlichen Maßnahmen und Diagnosen. Einer wechselte zweimal die Düse, ein anderer veränderte irgendwas an der Einstellung. Ein weiterer meinte, dass die Wartung mindestens einmal jährlich gemacht werden müsse. Der vierte war davon überzeugt, dass auf jeden Fall eine Ölpumpstation (Kostenpunkt ca. 1000 Euro) notwendig wäre. Für die falsche Diagnose wollte er dann auch noch Geld haben. Irgendwann war ich das Theater leid und habe den Wolf Techniker angerufen. Die Kosten waren mir egal, ich wollte eine laufende Heizung haben. Es kam dann der freundliche Servicemann von Wolf, dessen Jacke ich auch schon an hatte. Als die Heizung bei der Installation in Betrieb genommen wurde, hatte er seine Jacke hier vergessen. Die habe ich mir dann kurzerhand übergezogen, bin ihm hinterhergelaufen und habe mich als sein Kollege vorgestellt. Der Mann hat bei der Inbetriebnahme schon nicht mit Kompetenz geglänzt – trotz seiner Jacke. Auf die Frage, was ich denn als Kunde an der Heizung noch optimieren kann, schaute er mich verständnislos an und sagte „wenn meine Frau sagt es ist zu kalt, dann drehe ich die Heizung höher – höhöhö.“. Er wechselte die Düse, stellte die Heizung neu ein und empfahl eine Pumpstation. Kurze Zeit später rumpelte es dann wieder in der Heizung. Jetzt hatte ich endgültig die Faxen dicke. Glücklicherweise wurde mit der Heizung eine Wartungsanleitung mitgeliefert. Ich fing also selber an, an der Heizung zu schrauben. Das muss etwa vor zwei Jahren gewesen sein. Erstmal habe ich wieder alles gereinigt. Dann habe ich die Brennertaktung auf mindestens 30 Minuten gestellt. Damit habe ich die häufigen Brennerstarts vermieden, die – so meine Vermutung – zum Ausfall führten. Seither war Ruhe. Die Heizung lief störungsfrei. Der Schornsteinfeger war neulich da und hat die Heizung gemessen. – Traumwerte. Ich konnte es selbst kaum fassen. Die Heizung steht glücklicherweise fast in der Wohnung. So kann ich sehr gut hören was da los ist. Seit einigen Tagen startet sie gelegentlich wieder mehrfach. Ich schreibe also auf meinen Aufgabenzettel: Heizungswartung.

Ich bin, ich muss das vielleicht kurz erwähnen, kein gelernter Heizungsschrauber. Ich habe keine Spezialkenntnisse, ich habe kein Spezialwerkzeug, kann den Öldruck nicht messen und den CO2-Wert auch nicht. Wenn ich etwas an der Heizung schraube und sie funktioniert hinterher nicht mehr, dann kann ich nicht herausfinden woran es liegt, weil ich schlichtweg keine Ahnung habe. Dennoch wollte ich mir jetzt die Suche nach einem Experten sparen, der was weiß ich was mit der Heizung anstellt … Glücklicherweise wird eine Wartungsanleitung mitgeliefert, sodass ich eigentlich nur die Handgriffe ausführen muss, die in der Wartungsanleitung stehen.

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Ich mach das alles sehr sorgfältig. Neben dem in der Wartungsanleitung aufgeführten Werkzeug ist bei mir noch die Taschenlampe am Start. Vor jedem Arbeitsschritt schaue ich ganz genau wie was gemacht werden muss. Hauptsächlich geht es darum das Rohr der Flammüberwachung zu reinigen. Ich stelle aber auch die Zündelektroden ein und reinige den Brennraum. Dann wird alles wieder zusammen gebaut. Es dauert natürlich alles ziemlich lang. Die Heizung funktioniert danach wieder einwandfrei. Erfolgserlebnis!

Anne-Christin erzählt von ihrer Reise nach Naumburg. Es muss eine eindrückliche Reise gewesen sein. Danke für den interessanten Bericht! Es ist schon fast so wie wenn ich selber dort war. – Naja, nicht ganz. Aber so ein ganz kleines bisschen.

Zum Mittagessen gibt es Blumenkohl in Bechamel-Wienerle – pardon – Wiener Würstchen-Soße mit Reis. Hirse muss ich mal auf den Einkaufszettel schreiben – hatten wir grade nicht mehr.

Nachmittags bastle ich noch am Heizungskellerregal – es wird aber heute tatsächlich eher gemütlich gearbeitet.

Die Wismarer Bürgerschaft hat über die Eintrittspreise ins Museum entschieden. Der Eintritt für Erwachsene soll nun vier Euro kosten, der ermäßigte Eintritt soll drei Euro kosten. Der gestrige Artikel in der Ostsee-Zeitung ist also Fake News. Alles sehr interessant – irgendwie. Immerhin … ich halte diese Preise für angemessen und werde nun unseren Feriengästen das Wismarer Heimatmusesum (genannt Schabbel, ausgesprochen Schabäl) auch empfehlen.

Abends nach dem Abendessen (aufgebackene Weckle, Chinakohl-Möhren-Salat) gab es hier noch eine Vorführung von Salti TV. Sehr sehr eindrücklich. Die Vorführung konnte nur dank einer Sondergenehmigung stattfinden. Ich habe nicht so viel davon mitbekommen – ich hatte Küchendienst. Das Publikum war aber absolut begeistert, hat ständig mit Daumen hoch gevotet und die Akteure waren wohl höchst professionell und hoch motiviert. Toll.

Ein wunderbarer Tag geht zu Ende. D … A … N … K … E … !

Tag 49

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Ich muss hier einmal eine Zwischenbemerkungen an die lieben Leserinnen und lieben Leser loslassen. Wenn du etwas in meinen Beiträgen findest, was verletzend, beleidigend, entwürdigend oder gar falsch oder unwahr ist, dann schreibe mir bitte sofort! Oder ruf‘ mich an. Oder komm‘ vorbei! Also das ist mir schon wichtig. Ich hab ja auch nur meine eigene Sichtweise und die ist … – genau … beschränkt. Es ist nicht meine Absicht jemanden zu beleidigen oder zu verletzen. Es ist meine Absicht meine momentanen Erkenntnisse und Erlebnisse aufzuschreiben und euch daran teilhaben zu lassen. Die Schreiberei hilft mir meine Erlebnisse zu verarbeiten. Ich kann hier eh nur einen kleinen Teil loslassen, weil das hier ja öffentlich ist. Also die Regierung kann das auch lesen. Bitte … melde dich wenn du was findest. Ok? Versprochen? Sonst darfst du das alles nicht lesen.

So. Jetzt aber zum Beitrag. Noch sieben Tage. Der kleine Prinz würde jetzt fragen: „Sieben Tage wovon?“.

Ich wage schon mal einen Rückblick auf die vergangenen sieben Wochen. Die Idee, die hinter der vorübergehenden Trennung steckte war, ein wenig Klarheit darüber zu bekommen, ob die Familie in der bisherigen Zusammensetzung bestehen bleibt, aber besonders auch darüber, in welcher Art diese Zusammensetzung gelebt wird. Die Realität weicht von der Idee sehr deutlich ab. Auch wenn momentan eine räumliche Trennung mit unterschiedlichen Wohnsitzen erstmal vom Tisch ist, so ist die Form des Zusammenlebens noch vollkommen ungeklärt. Das ist für den Verlangensschwächeren natürlich eine komfortable Situation. Ein Dauerzustand ist das nicht. Es ist also nach wie vor alles offen. – Das war nicht unbedingt das, was ich mit der Idee im Sinne hatte. Immerhin ist Bewegung in die starre und festgefahrene, vollkommen blockierte Situation gekommen. Auch gibt es viele positive, wunderbare, schöne Signale, Erlebnisse und Zeichen.

Ansonsten hat der Selbstversuch interessante Aspekte zutage gefördert. Der Alltag als Alleinerziehender ist locker zu bewältigen. Wenn man ein paar Abläufe optimiert, z.B. einkaufen geht wenn man eh unterwegs ist, eine gute Vorratsplanung macht, ein gutes Team ist, dann macht diese Lebensweise sogar zeitweise Spaß. Es ist niemand da auf den man Rücksicht nehmen müsste. Man kann alles so gestalten wie es einem passt. In der Dusche steht statt fünf Flaschen eine Flasche mit Duschmittel und man hat den Überblick, was im Kühlschrank vergammelt – äääh weg muss und was fehlt. Die Kinder verspüren eine noch stärkere Abhängigkeit. Man hat also weniger Mühe mit der Abstimmung, Planung, dem alltäglichen Ablauf. Wenn ihr zwischen den Zeilen lest, dann erkennt ihr auch den bitteren Zynismus, der in dieser Schilderung liegt. Mit einer entsprechend gefärbten Brille, kann man diese Lebensweise geradezu als ideal ansehen. Es ist sauber und aufgeräumt, nach außen kann man Stärke zeigen und von fast jedem Mitleid bekommen. Man hat den vollkommenen Gestaltungs- und Entscheidungsspielraum. Also das Schiff quasi ganz für sich.

Wer mich kennt, der weiß: das ist nicht mein Leben! Ich bin immer noch ein Mensch, der gerne ganzheitlich denkt, fühlt und handelt – oder kurz: lebt, liebt. Insbesondere den Kindern bin ich genau dieses schuldig. Sie haben nicht so ein amputiertes Leben verdient, so ein armseliges Dasein in das wir gerade hinein gezwungen werden, dem wir uns stellen in der Hoffnung es zu überwinden. Nicht umsonst hat die Natur genau dies so vorgesehen: die Eltern als Paar, das agiert und auch interagiert. Manchmal auch wohlwollend, manchmal auch vorbildlich. Mal individuell, mal gemeinsam. Das sorgt und sich sorgt. Die Familie als offene Einheit, die mit anderen Menschen und Familien agiert, interagiert, frei, weil die Mitglieder es wollen. Nicht weil sie es müssen … Das war die Idee, als ich irgendwann im Sommer 2009 bei einer Bewohnerbewerbung in der Küche sagte „ich hätte gerne Kinder im Haus“. – Wie weit haben wir uns von dieser Idee entfernt …?

Ich habe in den letzten Wochen ein paar Sachen gelernt. Ich habe Aufgaben übernommen, die von Anne-Christin als lästig empfunden wurden. Beispielsweise die Brotdosen am Morgen für die Kinder richten. Ja, man kann das als lästig empfinden. Man kann da aber auch einen gewissen Spaß, einen gewissen Witz finden. Was packe ich in so eine Dose rein? Ist die eine Frage. Eine andere Frage ist aber: wie gestalte ich dieses ganze Leben mit der Brotdose. Ich muss eine gewisse Vorratshaltung haben an Gemüse, Snacks, Nachtisch usw. Ich muss aber auch mit den Konsumenten interagieren. Ich kann sie fragen „was schmeckt euch?“ – „worauf habt ihr Appetit?“ – ich kann die Dosen beobachten wie sie zurück kommen, was wurde gegessen und was nicht. Ich kann mir Gedanken machen, ich kann kreativ sein. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Das ist so ein Spruch. Es ist aber auch eine tiefe Wahrheit. Es kommt sehr darauf an, in welcher Atmosphäre, mit welcher Intention wir eine Speise serviert bekommen und verzehren. Ein absolutes Billigfood kann, mit guten Freunden in einer freudigen Atmosphäre, zur wahren Delikatesse, zur wertvollen Nahrung werden. Das teuerste Sterneessen aus Bio kann zu Gift werden in einer angespannten, feindseligen, missmutigen Atmosphäre. Sowas braucht natürlich Zeit, Kapazität, Lust. Wenn ich in Gedanken immer noch bei meinen mobbenden Kollegen, mit irrationalen und lebensfremden Problemen von der Erwerbsarbeit belastet bin, schlechte Gedanken über meinen Mitbewohner habe – wie soll ich da noch freudig Brotdosen gestalten und packen? Das wird nichts. Das gilt für viele Kleinigkeiten des Alltags.

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Morgens die Kinder wecken zum Beispiel. Zugegeben, das ist nicht schön. Ohne den Livestyle Lebensort Tressow am See könnten sie eine Viertelstunde länger schlafen. Mindestens. Vielleicht sogar eine halbe Stunde. Diese Entscheidung habe ich aber auch getroffen. Also muss ich sie mit tragen. Und ich muss das Beste daraus machen. Auch dies: es erfordert Energie und Kreativität. Jeden Tag neu. Den Kindern Mut machen für den neuen Tag. Ihren Missmut auffangen und gegebenenfalls reflektieren. Und lernen, lernen, lernen. Können wir die Situation drehen? Können wir etwas verbessern? – Wir können! Ich bin mir sicher! Wenn wir wollen.

Die Ferienwohnungen, die Spülmaschine, das Geschirr – mittlerweile alles meins. Erstaunlich dabei: mit jedem neuen Feld das ich übernommen habe, hat sich die Geschwindigkeit, mit der sich Anne-Christin von hier entfernt hat verdoppelt oder vervielfacht. Auch wenn meine Erwerbstätigkeit dadurch leidet … – ich liebe meine neuen Tätigkeitsfelder. Es ist wunderbar so ein tolles technisches Ding wie eine Spülmaschine zu besitzen und nutzen zu können. Es macht Freude die Anfragen von Feriengästen zu beantworten, die Buchungen vorzunehmen, die Ferienwohnung herzurichten, die Gäste zu empfangen … Es ist weniger eine Pflicht als eine Befreiung. Da musste ich die letzten Jahre immer das Gemecker anhören und mich innerlich davor wehren ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Natürlich fände ich es noch schöner, wenn wir gemeinsam auf all diesen Feldern tätig wären. Aber ich kann es nicht erzwingen. Leider.

Aber vor allem: wie gehe ich hier, beinahe von der Welt vergessen, mit meiner inneren Not, mit meinem Bedürfnis nach sozialen Kontakten, nach Nähe, nach Austausch, nach engen Freunden um. Das ist die größte Herausforderung. Ich kann verschiedene Sachen machen. Ein wichtiger Tipp – mal ganz am Rande: Alkoholverzicht. Am besten zu 100%. Selbst kleine Mengen Alkohol können das Wohlbefinden nachhaltig stören. Der Griff zu einem Gläschen Wein ist naheliegend aber töricht. Ich brauche meine ganze geistige Wachheit, um der Situation gerecht zu werden, um mein eigenes Seelengleichgewicht zu finden, um stets klar zu sein, was der Moment bedeutet. Ein Beispiel: ein Schluck Wein vor dem zu Bett gehen macht zwar, dass ich besser einschlafen kann. Ich wache aber auch schneller wieder auf. Jede Minute Schlaf ist derzeit wertvoll, kostbar und wichtig. Die seelische Gesundheit ist wichtig. Also die eigenen Gedanken und Gefühle genau zu kennen und damit umzugehen. Woher kommen die schlechten Gedanken? Was kann ich tun, damit sie mich nicht zu sehr hemmen? Und: wie gehe ich mit meiner Sehnsucht um. Dabei ist Alkohol extrem hinderlich. Gute Bücher sind wichtig. Immer den Augenblick erleben.

Wenn ich das so runter schreibe, so kann leicht ein Missverständnis entstehen, dem ich entschieden entgegentreten muss. Es spricht überhaupt nichts dagegen, dass einer aus der Familie einer fremdbestimmten Erwerbstätigkeit außer Haus nachgeht! Das bekommen andere Familien auch hin. Wenn aber das Nachgehen einer fremdbestimmten Erwerbstätigkeit eine Flucht vor der Verantwortung ist, die man mit der Familiengründung übernommen hat, dann läuft etwas schief. Wenn die fremdbestimmte Erwerbstätigkeit zum 150%igen Lebensinhalt wird, wenn alle sozialen Kontakte genau darauf ausgerichtet werden, die Familie dabei ausgeschlossen wird, die Familie nur als lästig, als Balast erlebt wird, dann stimmt etwas nicht. Es ist generell nichts gegen eine fremdbestimmte Erwerbstätigkeit zu sagen. Es muss aber irgendwie auch ein Gleichgewicht wieder hergestellt werden zwischen der einen und der anderen Welt. Es gibt auch Familien, in denen beide Eltern einer fremdbestimmten Erwerbstätigkeit nachgehen. Es ist dann allerdings sehr viel Kompensation aus dem Umfeld (z.B. durch Großeltern, Freunde usw.) notwendig.

Essen geht halbwegs gut dank der Kinder. Ich mache gerne feine Sachen zum Essen. Und dann ergibt es sich schon in der Küche, dass die ein oder andere Leckerei den Weg in mich findet. Gemeinsames Essen mit den Kindern geht auch halbwegs gut. Und dann: die Reste müssen weg :-) – das ist auch ein Trick, der halbwegs gut funktioniert.

Um auch noch diese Erkenntnis loszuwerden. Es gibt viele Vorurteile bezüglich der Geschlechterrollen. So gelten Frauen als die sozialeren Wesen. Ich habe nun eine neue Erfahrung gemacht, die ich auch gerne teilen möchte. Viele dieser Vorurteile sind im praktischen Leben nicht haltbar. Vieles, was dem einen oder dem anderen Geschlecht als Eigenschaft zugeschrieben wird, ist eben genau nicht geschlechtsbedingt sondern rollenbedingt. Wenn also ein Mann die Rolle des Familienmanagers hat, dann entwickelt er quasi von selbst sein soziales Wesen, weil die Rolle genau dieses verlangt und begünstigt. Daher mein Tipp an Dich … sei gerne misstrauisch, wenn wieder jemand etwas von Eigenschaften eines Geschlechts von sich gibt: das meiste davon ist schlichtweg falsch.

Heute gibt es zur Feier des Tages Crepes. Wir decken mal für vier. Ich erinnere mich an einen Mitbewohner in Lörrach, der hat auch gerne für den Papst mit gedeckt. Es gibt Crepes mit Käse und Wienerlescheiben – pardon – Wiener Würstchen Scheiben, grünem Pfeffer. Es gibt Crepes mit Nutella, mit Bananenquark. Wir lassen es heute mal wieder so richtig krachen. Der Papst geht heute leer aus. Messer und Gabel brauchen wir nicht, was möglicherweise durchaus geschlechtsspezifisch ist.

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Tag 48 ist computerfrei

Der Tag 48 ist computerfrei. Nicht für mich, sondern für die Kinder. Das ärgert mich etwas, weil es eigentlich unnötig ist. Wenn wir in einer familienfreundlichen Umgebung wohnen würden … oweeeh – da stellt sich schon die erste Frage – was ist eine familienfreundliche Umgebung? Also ich stelle mir die so vor: da sind Kinder und Erwachsene in unterschiedlichem Alter. Also die sind auch wirklich da und nicht weg, was ein gewisser Unterschied ist. Und die agieren und interagieren auch miteinander. Nicht alle ständig, sondern immer mal wieder einige. Manchmal auch wohlwollend, manchmal auch vorbildlich. Es gibt dort verschiedenste Aktivitäten. Teilweise können die Kinder an diesen Aktivitäten teilhaben. Sie können sie aber zumindest erleben. Dann stellt sich für die Kinder gar nicht jeden Tag die Frage ob sie denn Minecraft oder Bausimulator spielen oder Youtube Videos gucken. Der Computer hat dann einfach nicht den Stellenwert, wie er ihn hat, wenn die Kinder in einer Umgebung aufwachsen, in der es nur einen weiteren Erwachsenen als Betreuungsperson gibt. Leider gibt es dann doch hin und wieder einen Anlass, bei dem ich sagen muss, dass der nächste Tag computerfrei ist. Es ist eigentlich doof, wenn man den Kindern ihr Lieblingsspiel untersagt. Es ist, ich kann das nicht anders benennen, auch ein Verzweiflungsakt. Natürlich haben sie vor dem Computer zu wenig Bewegung, was sich dann meist in abendlicher Toberei äußert. Und erstaunlich: wenn dann wirklich computerfrei ist, wissen sie sich auch gut anderweitig zu beschäftigen. Heute rief dann die Horterzieherin an: Samson und Jonathan bleiben länger im Hort. Hier haben sie dann Schnitzarbeiten angefangen und Gummiabschießpistolen aus Wäscheklammern und Ästen gebastelt. Sie sind von sich aus 1,5 Stunden raus gegangen. Das ist für mich ein Zeichen, dass sie im Grunde keinen großen Schaden nehmen durch lange Computerzeiten. Der Schaden entsteht durch die mangelnde Sozialisation. Aber dafür gibt es ja bald ein Programm an der Schule … – Oooh lieber Leser – Entschuldigung für den Zynismus. Der ist mir eben raus gerutscht. Aber es ist tatsächlich so: wir basteln uns mit unserer Gesellschaftsgestaltung künstlich Probleme, die wir dann durch irgendwelche ebenso lebensfremde Verrenkungen wieder grade biegen müssen. Diese ganze Jagd, nach „ich bin wichtig“, „ich bin unersetzlich“, „ich muss jeden Tag zwei Stunden für meine Tanzgruppe üben“, „mein Skatclub ist das allerwichtigste was es gibt“, „ohne mich bleibt die Welt (die Firma, das Wasweißichwas …) stehen“ macht nicht nur uns selbst als Menschen kaputt, sie macht auch unsere Umwelt kaputt. Sozial und materiell. Das geht miteinander einher. Da hilft auch Greta nicht. Denn natürlich, wenn wir uns nicht um unser Leben kümmern, müssen wir zur Kompensation der inneren Unzufriedenheit auch ordentlich konsumieren. Das schlecht verdiente Geld wieder in materielle Dinge umwandeln. Das schlechte Gewissen gegenüber den Kindern in Aktionismus kompensieren. Den Mangel an Empathie mit Ablenkung ausgleichen. Damit schließt sich eigentlich der Kreis zum letzten Post.

Tag 47 – Wir essen DOCH

Heute war eigentlich ein ganz normaler Tag außer … 😉 – ihr werdet vielleicht staunen, was alles an so einem ganz normalen Tag doch nicht so ganz normal ist.

Zunächst: es war Busstreik. Das war schon öfters in den letzten Wochen. „Liebe Busfahrer“ – so möchte man ihnen sagen „streikt doch gerne noch ein bisschen!“. Immerhin haben sie jetzt mal auf die Kinder gehört und haben am Mittwoch gestreikt. Andere Eltern mögen ihre Kinder dann mit dem Auto in die Schule kutschieren. Ich persönlich würde das eher nicht tun. Aus verschiedenen Gründen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern, in dessen Zuständigkeit die Gestaltung und der Betrieb der Schullandschaft fällt, hat beschlossen, dass es in Tressow keine Schule geben soll. Dafür sollen aber die Kinder jeden Tag in einem Bus durch die Gegend kutschiert werden. Ich will die Bobitzer Schule nicht schlecht reden. Aber bei dieser Entscheidung des Landes Mecklenburg-Vorpommern sind vor allem die Kinder die Leid tragenden. Denn selbstverständlich könnte man auch in Tressow eine Schule unterhalten. Nun ist auch das Land Mecklenburg-Vorpommern dafür zuständig, dass die Kinder überhaupt in die Schule kommen und wieder zurück. Und wenn die das nicht schaffen, dann bleiben die Kinder eben dumm – äääh pardon – zu Hause. Einen Schaden nehmen sie davon nicht. Damit der Besuch pünktlich zu seiner anderen Arbeit kommt, musste er geweckt werden. Das hätte eigentlich nicht passieren dürfen.

Dann hatte ich einen Termin in der Grundschule. Und der ist erwähnenswert, berichtenswert und vielleicht ist der Bericht darüber auch lesenswert. Wir haben in unserer Schule, trotz sehr erfahrener Pädagogin, ein bisschen Probleme mit dem Sozialverhalten einiger Schüler. Das ist insofern schmerzlich, als dass dies dann auch noch andere Schüler betrifft. Das fängt schon an der Bushaltestelle an. Zum Beispiel mit schubsen oder ärgern. Wir haben dann zuhause das Problem, dass wir uns das dumme Verhalten wieder abtrainieren müssen. Das ist manchmal obermühsam. Ich hatte dann mal im Elterngespräch das Wort Deeskalationstraining fallen lassen. Die Lehrerin und ich saßen bei einem Glas Apfelsaft zusammen und haben uns angeregt unterhalten. Ich bin wirklich dankbar, dass wir eine so verständige und interessierte und engagierte Lehrerin haben. Sie sagte mir, dass sie daran auch schon gedacht hätte. Es gibt aber ein Problem. Und jetzt Achtung … Bodo hört auch zu … Sie sagte mir, dass es ein Finanzierungsproblem gibt. Mir zog es fast den Stuhl unter dem Popo weg. Hallo??? Da sind Kinder. Die haben ein nicht selbst verschuldetes Problem mit ihrem Sozialverhalten. Sie haben ein Potential; nämlich genau dieses Sozialverhalten zu lernen, zu üben, sich anzueignen. Und es gibt für die Schule keine Möglichkeit sich da professionell helfen zu lassen? Ich habe das erstmal einfach nicht geglaubt. Es geht um unsere Kinder. Unter bestimmten Einflüssen ist kein normaler Unterricht mehr möglich. Und da sagt jetzt das Land als Träger der Schule: keine Kohle! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wie weit sind wir denn herunter gekommen? Für jeden Mist ist in diesem Staat Geld im Überfluss da. In einem Mautdesaster werden mal eben schnell ein paar Millionen verlocht. Die Bundeswehr leistet sich einen irrsinnigen und teuren Beraterstab. Die EU verschüttet das Geld in was für kuriose Projekte auch immer … An den Schülern wird gespart. Ich habe dann zugesichert, dass ich mich um die Finanzierung kümmern will. Heute dann war in der Schule das Gespräch mit zwei Mitarbeitern von Kinder- und Jugendhilfe Verbund MV aus Schwerin, um mit der Lehrerin über den Bedarf zu sprechen. Ich war auch eingeladen, was mich sehr gefreut hat. Sie sprachen über praktische Erfahrungen und darüber, dass sie ein individuelles Konzept erstellen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Man kann über einen längeren Zeitraum einige kurze Einheiten machen oder man kann sich auf wenige Tage mit langen Einheiten konzentrieren. Die Kundenpositionen waren recht schnell geklärt. Die Lehrerin möchte gerne einen halbwegs ungestörten Unterricht machen und auch in der Pause nicht ständig, ununterbrochen Aufpasser machen müssen. Ich habe in etwa folgendes gesagt: Sozialkompetenz ist eine der allerwichtigsten Kompetenzen im Leben. Man kann dies in einem gewissen Alter lernen. Irgendwann ist Schluss. Englisch, Deutsch und rechnen kann man sein Leben lang lernen. Sozialkompetenz ist eine Kompetenz, die man in allen, allen, allen Lebensbereichen braucht. Fangen wir mal da an, wo im Moment bei uns der Schuh am meisten drückt: in Ehe und Familie. Leider wird uns da das Programm der Schule wenig helfen. Aber es zeigt sich hier auch nochmal: es ist wichtig, dass die Menschen mit den Affenbrotbäumen umgehen können. Gute und schlechte Sprossen unterscheiden können. Und die schlechten ausreißen … Man braucht Sozialkompetenz in allen Arbeitsfeldern. In den einfacheren Jobs muss man gut mit dem Chef umgehen können. Vielleicht zahlt er ja auch einen Euro mehr, wenn er merkt: mein Mitarbeiter ist sozial kompetent. Das gilt auf allen Hierarchien. Also Kollegen im Team untereinander. Auch das Verhalten nach oben oder nach unten. Die meisten Chefs sind nicht sozialkompetent. Mit den Nachbarn, in Vereinen … es gibt keinen Lebensbereich, in dem ein sozial kompetenter Mensch nicht Vorteile hätte. Und, ganz wichtig, die Gesellschaft auch einen Vorteil davon hat, dass Menschen sozial kompetent sind. Wir haben in den Schulen keine gewachsenen, keine familialen Gemeinschaften sondern wir haben funktionale Gemeinschaften. Da fällt eine mangelnde Sozialkompetenz noch mehr auf bzw. richtet noch weiteren Schaden an, da schlechtes Verhalten durchaus ansteckend ist.
Sie wollen sich Gedanken machen und in Kürze ein Konzept schicken. Im Rausgehen sagten sie dann noch, wie wichtig genau die präventive Arbeit ist und wie massiv in den letzten Jahren die Probleme in den Familien zugenommen haben – quer durch alle sozialen Schichten.

Als ich vom Gespräch aus der Schule zurück gekommen bin, habe ich Samson davon erzählt. Er sagte: ich habe noch 30 Euro – die kann ich dazu geben. Äääääh Moment mal – habe ich etwas von mangelnder Sozialkompetenz von Kindern gesagt?

Auf dem Weg in die Musikschule frage ich, ob wir noch was einkaufen wollen und was wir denn heute abend essen wollen. Nein, meinten die Kinder. Wir müssen nichts einkaufen. Irgendwie kam es dann dahin, dass ein Kind was mit DOCH anfing, woraufhin ich sagte, dass man DOCH nicht essen kann. Jonathan: doch! Gut, sage ich, dann kannst Du uns ja heute zum Abendessen DOCH kochen. Jungs machen sich einfach manchmal einen Spaß miteinander. Hmmm – er hätte das Rezept für den DOCH Teig verloren. So sind wir also dann doch einkaufen gegangen.

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Die Wienerle – Entschuldigung … Wiener Würstchen – werden längs aufgeschnitten, damit sie sich gut biegen lassen. Dann werden sie in Blätterteig eingewickelt und in Form gebracht.

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Ihr kennt meine Einstellung zu Backtrennpapier … Ich bin aber nicht dogmatisch. Ich wollte nicht, dass das DOCH nachher irgendwo klebt wo es nicht hin gehört.

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Hier ist das DOCH fertig gebacken. Es wird landestypisch mit Senf oder Ketchup gegessen. Ich komme im Moment immer mit drei und vier durcheinander. Ich sage auch mal: stelle bitte vier Teller auf den Tisch, obwohl wir keinen Besuch haben. Auch hier wieder: kein Besuch da, aber vier Buchstaben … ein OCH hätte gereicht. Macht nichts, der vierte Buchstabe wird seinen Weg schon auch noch finden.

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Ich wollte noch ein paar Bilder und Geschichten nachliefern. Hier kommt erstmal der kuriose Wäscheständer. Über fünf Jahre haben wir unsere Wäsche auf zwei Wäscheständer meistens im Wohnzimmer getrocknet. Dem Haus mangelt ja an Wirtschaftsraum. Da wurde dann einfach zu dem klapprigen mitgebrachten Ständer noch ein dollerer aus dem Baumarkt geholt. Ich fand das etwas entwürdigend andauernd diese Wäscheständer im Wohnraum stehen zu haben. Ich habe mich an Italien erinnert. Dort wird auch die Wäsche irgendwie aufgehängt – z.B. über die Straße. Dann ging es in den Baumarkt. Materialliste: gehobelte Dachlatten, Wäscheleine, zwei Scharniere, drei Umlenkrollen, Zugleine. Dann noch ein paar Stunden basteln. Man braucht meistens länger als man denkt, irgendwann ist man dann aber doch fertig. Das Ding hat aber eine ganz besondere Eigenschaft. Die heißt ganz schlicht Aus dem Auge aus dem Sinn. Das heißt so viel, als dass die Wäsche jetzt hängen bleibt bis … nein, nicht bis der nächste Besuch kommt, sondern bis der nächste eine Ladung Wäsche aufhängen will. Also ein neues Konfliktfeld? Nein. Ich hänge dann die Wäsche einfach ab und freue mich, dass ich was sinnvolles für einen anderen Menschen tun kann. Ich bin der finsteren Ansicht, dass die meisten Menschen zu wenig füreinander tun, ein bisschen zu egoistisch unterwegs sind. So ganz alltäglicher Kleinkram zum Beispiel.

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Nachreichen wollte ich noch das Foto vom Nusskuchen. Und die zwei steht Kopf – ooooha, was ist denn da los. Da sollte eigentlich eine neun hin. Aber irgendwie hat im Moment keiner so recht Bock die Anzeige zu bedienen. Die zwei freut sich also schon mal auf nächste Woche, wenn sie wieder richtig rum gedreht wird.

Tag 46 – nach der Chorprobe

Heute ist Dienstag. Dienstag ist der Tag des sozialen Kontaktes. Zum einen kommt die Bäckereifachverkäuferin mit ihrem Wägelchen. Wenn Gordon nicht kommt, ist auch für mich genügend Platz am Wägelchen um mit ihr zu schnacken. Die Frau ist erstaunlich. Sie hat eigentlich nur den Job von Standplatz zu Standplatz zu fahren und Brötchen, Bildzeitungen, Kuchen, Brote, Eier und all sowas zu verkaufen – für Mindestlohn. Aber – haltet gerne die Luft an – man kann sich auch mit ihr unterhalten. Sie kann von anspruchslos bis anspruchsvoll, von Wetter über Politik, Tagesgeschehen, Lokalereignisse sowieso, persönliche Erlebnisse – in einer angenehmen Art und Weise. Ich bin sicher, dass sie noch mehr Kunden wie mich hat, für die sie der einzige Sozialkontakt in die Außenwelt ist. Wir haben uns heute über den Zustand der CDU, das Tagesgeschehen und das Verhältnis von EU Politikern zu Bundestagsparlamentariern unterhalten. Anschließend noch mit einer Lieblingskundin telefoniert. Das Leben kann so schön sein!

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Abends ist dann Chorprobe der Kantorei. Ich hatte mich angemeldet, damit die Kinder nochmal Besuch bekommen. Ich war zwar so müde, dass es für mich wenig sinnvoll erschien hin zu gehen. Ich bin dann trotzdem hin … – Über die Probe zu schreiben ist jetzt und hier, nach einer Probe, sicher nicht der richtige Platz. Wir haben aus Verdis Requiem das Sanctus geprobt.

Viel einschneidender war das Erlebnis wieder hierher zurück zu kehren. Nach nur knapp drei Stunden hat sich auch für mich die Welt verändert. Gerade noch von Liebe gesungen, kam ich hier in eine Welt, die mir noch kranker, noch kaputter, noch falscher, noch zerstörerischer, noch irrsinniger, noch wahnsinniger vorkam als noch drei Stunden zuvor. Wäre ich hier nicht Verpflichtungen eingegangen, wäre ich wieder ins Auto eingestiegen und weit weit weg gefahren. Oder nur in ein Hotel in Wismar. Liebe Leserinnen und Leser … wenn ihr jemals in einer Trennungssituation steht – klärt eure Sachen. Reißt die Affenbrotbaumsprösslinge aus wenn sie noch klein sind. Dieser Krampf, dieser Kampf, dieser ganze Irrsinn mit den ausgewachsenen Affenbrotbäumen, den versteinerten Herzen zu leben ist vergeudete Kraft, vergeudete Lebenszeit. Er hinterlässt Furchen, Wunden und Gräben in euren Seelen und in euren Herzen und auf eurem Konto, er hinterlässt Spuren bei euren Kindern und in eurer Umgebung … Hätte ich nicht ein Versprechen abgegeben, ich würde jetzt etwas anderes machen … Es ist so ähnlich, wie wenn man jemandem aus einem KZ Urlaub gewähren würde und er würde dann freiwillig wieder dorthin zurückkehren – nur weil er seine Freunde nicht im Stich lassen kann. Es ist der blanke Horror. Ich kann nur eines hoffen: dass der Wahnsinn seinen Zenit bereits überschritten hat, dass der Irrsinn zu irgendwas nütze ist und bald eine erträgliche Form des Zusammenseins möglich wird.

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Es gilt ein Spruch von Alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör (WB)

Die Flasche ist ein Geschenk einer Lieblingskundin.

Tag 45

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Hm … da braucht es eigentlich keine Worte mehr dazu. – Aber doch ein Gedanke. Gibt es bei dieser Botschaft ein Problem mit der Rächtschreibunk? Wenn ihr mich fragt: ganz klares Nein. Gibt es bei diesem Code ein Problem mit Codefehlern? Wenn ihr mich fragt: ganz klares Nein. Der Code stammt übrigens von Samson. Ob er auch verstanden wird? Nicht jeder Mensch kann schließlich HTML …

Außerdem war heute noch ein Autoschlüssel vom Besuch weg, so dass er fast nicht weg fahren konnte. Also was soll man da noch sagen … mir fällt dazu nichts mehr ein. Wenn Kinder so ungezogen sind, dass sie dem Besuch den Autoschlüssel verstecken, dann ist wohl etwas bei der Erziehung schief gelaufen.

Liebe EE … ich weiß nicht, ob Du diesen Blog liest. Vielleicht kommt es auch gar nicht darauf an ob Du ihn liest oder nicht. Aber es ist zumindest ein Weg, über den ich Dir mal ganz ganz herzliche Grüße übermitteln kann. Deine Karte vom Oktober hängt immer noch als einziger Wandschmuck bei mir im Büro. Vielen Dank für die lieben Worte … sie mögen helfen! Ganz ganz lieben Dank für alles was Du für uns tust! – Komm doch mal wieder vorbei. Bitte. Wir haben heute auch eine Kerze für Dich angezündet! Alles alles Gute!!! Und wenn man selbst in einer großen Not ist, kommen die guten Wünsche auch ganz doll von Herzen!!! Liebe Grüße an Dich von uns drei Jungs!

Ich hab die Kinder gefragt, ob ich eine Erholungszeit irgendwo anders machen kann. Es kam ein ganz klares „Nein!“. Dann: höchstens drei Tage. Das Thema ist damit erstmal erledigt. Es muss ein anderer Weg zur Erholung und Regeneration gefunden werden.

Tag 44

Puuh – wieder so ein Tag … was schreib ich nur heute …

Der Kaffee war heute früher fertig, weil unser Besuch heute auf Arbeit musste. Es war ein schöner Tag, auch wenn nicht nur schöne Sachen geschehen.

Ein Kunde hat sich leider etwas unschön verabschiedet. Nachdem er ziemlich Stress gemacht hat, obwohl der verabredete Termin noch in weiter Ferne war, hat er damit gedroht den Auftrag anderweitig zu vergeben. Da ich im Moment für Stress eher unempfänglich bin (ich habe genug davon und relative wenig Stressverarbeitungspotential), habe ich ihm geraten genau dies zu tun. Es ist insofern schade, als dass ich das Projekt gerne umgesetzt hätte. Naja – das Leben ist kein Wunschkonzert …

Samson baut einen genialen Kartenausteiler mit dem EV3, der auch fast fehlerfrei funktioniert. Chapeau! Das Programm ist weitestgehend selbst erstellt.

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Nicht nur draußen stürmt es. Auch das Lebensschiff bewegt sich nach wie vor in schwerer See und in unbekannten Gewässern. Der Kapitän steht quasi ständig unter Strom. Schlaf ist knapp. Die Mannschaft ist sensationell, aber noch unerfahren. Sie machen hier den besten Job! Die Berater und Begleiter kann ich auch nicht genug loben! Sie stehen zum Glück auf sicherem Boden. Ohne ihre Unterstützung wäre das Schiff vermutlich schon auf Grund gelaufen oder in echte Seenot geraten. Und bei aller Unsicherheit, die die Seefahrt begleitet, gibt es sehr sehr schöne Momente und manchmal ist schon Land in Sicht. Es gibt doch immer wieder Hoffnung, dass ein sicherer Hafen erreicht werden kann, nach dem sich die ganze Crew hier an Bord so sehr sehnt. – So ungefähr – in Bildern und Vergleichen.

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Die Kerze ist runtergebrannt und wird ausgetauscht.

Ich darf einen Backkurs geben. Unser Besuch braucht für morgen einen Kuchen auf der Arbeit. Offenbar ist mein Nusskuchen bei den Kollegen gut angekommen. Ich darf ein bisschen aus dem Kuchenbacknähkästchen plaudern. Das sind so die ganz ganz hellen Momente. Danke liebes Schicksal! Du meinst es doch gut mit mir :-)

Jetzt wollt ihr sicher auch das Geheimnis wissen, wie man einen sensationellen Nusskuchen backt. Und das ist eigentlich einfach.

Man nehme …

  • 250 g Butter, die macht man am Abend vorher aus dem Kühlschrank und packt sie aus. Legt sie in die Rührschüssel und stellt sie an einen Ort mit etwas höherer Temperatur als Zimmertemperatur.
  • Am Backtage ist die Butter sehr geschmeidig. Man rühre 200 g Zucker rein. Am besten rührt man von Hand mit einem Kochlöffel.
  • Man nehme 4 bis 5 Eier (je nach Größe, bei großen Eiern 5, bei kleinen Eiern 4, wer den Fehler merkt, darf es auch andersrum machen)
  • Ein Päckchen Vanillinzucker
  • 200 g Mehl
  • 200 g Haselnüsse oder Mandeln gemahlen
  • 1 Päckchen Backpulver
  • zwei Prisen Salz
  • 200 ml Mineralwasser
  • 100 g grob gemahlene Blockschokolade
  • Zimt nach belieben

Alles schön verrühren, am besten von Hand. In eine Kranz-Springform füllen. Die Form pinsle ich mit Sonnenblumenöl aus und streue mit Semmelbrösel aus.

Ich habe bei 170 °C Umluft und 50 Minuten gute Ergebnisse bekommen. Stäbchenprobe machen!

Nach dem Backen den Kuchen aus dem Ofen nehmen und mit Alufolie bedecken. Dadurch trocknet er nicht so aus und kann noch etwas nachbacken.

Die Box, die ihr auf dem Bild seht, ist eine ganz ganz besondere Streichholzbox. Wir haben sie aus Lörrach mitgebracht. Dort ist sie uns von einer Museologin zu ihrem Einzug geschenkt worden. Sie war damals voller Streichhölzer. Die Museologin arbeitet jetzt im stadtgeschichtlichen Museum in Wismar – welch ein Zufall …

Anne-Christin streicht in den Ferienwohnungen den Flur weiter.

Wir sprechen darüber, dass ich eine Erholungszeit bekommen könnte von etwa drei Wochen. Würde ich sehr gerne annehmen – das Hauptproblem ist die Fahrerei in den Süden. Aber vielleicht muss es ja auch gar nicht im Süden sein. Ich werde das auf jeden Fall überlegen. Wobei ich mich schon auch frage, ob die Erholungszeit nicht auch einfach hier stattfinden könnte, das wäre noch viel genialer … – naja, ich bin eben auch manchmal von großen Wünschen geplagt :-)

Ich backe Weißbrotbrötchen. Die frischen Brötchen werden dann im Backofen noch mit Käse überbacken. Schmeckt allen.

Morgen ist wieder Schule. Kein Busstreik.

Tag 43

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Heute war wieder Besuchstag. Besuchstage sind immer besondere Tage – sie verlaufen etwas anders, als nicht-Besuchstage. Anne-Christin kommt mit Brötchen. Wir frühstücken gemeinsam. Anne-Christin will den Flur bei den Ferienwohnungen streichen. Ich sollte eigentlich arbeiten, bin aber zu müde. Statt dessen kümmere ich mich ums Mittagessen. Ich hatte einen Wirsing gekauft. Es wurde dann in etwa dieses Rezept daraus … https://www.chefkoch.de/rezepte/1709071279782746/Wirsing-Spaghetti-mit-Walnuss-Sauce.html
Dazu braucht man Walnüsse. Haben wir zwar genug, die müssen aber erst noch geknackt werden. Ich hatte neulich mal eine Vorrichtung dafür gebaut, mit der das recht fix geht. Samson hilft. So ist die gewünschte Menge schnell geknackt.

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Samson dockt mit dem Hammer die Nüsse auf, ich muss nur noch die Kerne raus pulen oder raus nehmen. Das Glas ist in ca. 20 Minuten voll.

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Leider stehen die Kinder nicht ganz so auf das Essen, obwohl es doch recht fein ist. Naja. Hungrig sind sie nicht. Abends gibt es Bratäpfel.

Und was – so mag sich der geneigte Leser jetzt fragen, geschieht am 6. März – also am Tag 0? Nun, Prognosen sind immer etwas schwer zu stellen. Insofern halte ich besser mal das Maul und sage: wartet ab.

Tag 42

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Ihr wundert euch womöglich über die Blogtitel und die versteckten Botschaften. Ich will das Geheimnis ein Stück weit lüften. Ich lebe vorübergehend in einem Selbstversuch als Alleinerziehender.

Ich bin 56 Jahre alt, lebe seit über 10 Jahren in einer Beziehung, seit über neun Jahren mit Kindern, seit mehr als fünf Jahren in Mecklenburg, seit mehr als vier Jahren in einer Krise, seit 42 Tagen alleinerziehend.

Es ist ein Zustand, den ich niemandem wünsche. Nicht einen Tag lang. Nicht eine Nacht lang. Nicht eine Stunde lang. Nicht eine Minute lang. Nicht eine Sekunde lang. Nicht einen Moment lang. Er macht krank. Er ist krank. Und ist gleichzeitig genial, brutal, befreiend und einengend, bereichernd und zerstörend. Aber der Reihe nach. …

Halt … das ist ein Thema für eine Therapiestunde und nicht fürs Internet. Schade.

Die erste Therapiestunde war heute. Es wurde deutlich, dass es Positionen gibt, die weit, sehr weit auseinander liegen. Das ist im Grunde auch die Aufgabe einer Therapiestunde. Dass es auch viele Positionen gibt, die gar nicht weit auseinander liegen, ist eine andere Sache. Ich bin sicher, dass die Therapeutin nur wenig Paare hat, die so gut und konstruktiv mitarbeiten und so wohlwollend zueinander sind.

Danke Anne-Christin, Danke Frau F. und Danke an die vielen Daumendrücker! Ich verbreite mal verhaltenen Optimismus. Es gibt immerhin einen neuen Termin.

Als Belohnung gibt es heute echtes Männeressen. Ohne Serviette. Mit rülpsen und viel lachen! Das ist übrigens eine der Krisenerkenntnisse: Erwachsene lachen zu wenig. Kinder lachen 400 mal am Tag, Erwachsene lachen 15 mal am Tag. Im Durchschnitt von irgendwas. Statistik eben. Ich hab die absolut coolsten Helfer an meiner Seite. Danke!

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Tag 41

DSC_9921Die Kinder und ich lesen im Moment den kleinen Prinzen. Es ist ein ganz besonderes Buch für mich. Vor mehr als zehn Jahren durfte ich es einer Blume vorlesen …

Wir kommen zu dem Kapitel mit dem Fuchs.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ – Steht da. Das kennen auch die meisten Menschen. Das Geheimnis, das der Fuchs dem kleinen Prinzen mitteilt, geht aber noch weiter  …

„… Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig. Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen. Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich …“

Ich möchte meinen Leserinnen und Lesern und allen die es werden wollen oder nicht, zurufen: lest euch gegenseitig mehr gute Bücher vor! Lasst euch mehr gute Bücher vorlesen! Nehmt euch Zeit, euch gegenseitig gute Bücher vorzulesen. Nehmt euch Zeit, euch gegenseitig gute Bücher vorlesen zu lassen. Nehmt euch Zeit darüber zu sprechen. Sprecht darüber was ihr gelesen habt oder vorgelesen bekommen habt. Hört euch gegenseitig zu was der/die andere verstanden hat und dazu zu sagen hat. Lesen und darüber sprechen sollte sich ungefähr die Waage halten. Lest ein Buch gerne mehrmals. Es gibt so viele gute Bücher – ihr müsst keinen Schund lesen. Euch wird nicht langweilig werden. Bitte! Ich bin, wenn ich das schreibe, vom Gefühl der Dringlichkeit beseelt. Was sagt Bodo dazu? Bodo nickt mit dem Kopf!

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