Tag 48 ist computerfrei

Der Tag 48 ist computerfrei. Nicht für mich, sondern für die Kinder. Das ärgert mich etwas, weil es eigentlich unnötig ist. Wenn wir in einer familienfreundlichen Umgebung wohnen würden … oweeeh – da stellt sich schon die erste Frage – was ist eine familienfreundliche Umgebung? Also ich stelle mir die so vor: da sind Kinder und Erwachsene in unterschiedlichem Alter. Also die sind auch wirklich da und nicht weg, was ein gewisser Unterschied ist. Und die agieren und interagieren auch miteinander. Nicht alle ständig, sondern immer mal wieder einige. Manchmal auch wohlwollend, manchmal auch vorbildlich. Es gibt dort verschiedenste Aktivitäten. Teilweise können die Kinder an diesen Aktivitäten teilhaben. Sie können sie aber zumindest erleben. Dann stellt sich für die Kinder gar nicht jeden Tag die Frage ob sie denn Minecraft oder Bausimulator spielen oder Youtube Videos gucken. Der Computer hat dann einfach nicht den Stellenwert, wie er ihn hat, wenn die Kinder in einer Umgebung aufwachsen, in der es nur einen weiteren Erwachsenen als Betreuungsperson gibt. Leider gibt es dann doch hin und wieder einen Anlass, bei dem ich sagen muss, dass der nächste Tag computerfrei ist. Es ist eigentlich doof, wenn man den Kindern ihr Lieblingsspiel untersagt. Es ist, ich kann das nicht anders benennen, auch ein Verzweiflungsakt. Natürlich haben sie vor dem Computer zu wenig Bewegung, was sich dann meist in abendlicher Toberei äußert. Und erstaunlich: wenn dann wirklich computerfrei ist, wissen sie sich auch gut anderweitig zu beschäftigen. Heute rief dann die Horterzieherin an: Samson und Jonathan bleiben länger im Hort. Hier haben sie dann Schnitzarbeiten angefangen und Gummiabschießpistolen aus Wäscheklammern und Ästen gebastelt. Sie sind von sich aus 1,5 Stunden raus gegangen. Das ist für mich ein Zeichen, dass sie im Grunde keinen großen Schaden nehmen durch lange Computerzeiten. Der Schaden entsteht durch die mangelnde Sozialisation. Aber dafür gibt es ja bald ein Programm an der Schule … – Oooh lieber Leser – Entschuldigung für den Zynismus. Der ist mir eben raus gerutscht. Aber es ist tatsächlich so: wir basteln uns mit unserer Gesellschaftsgestaltung künstlich Probleme, die wir dann durch irgendwelche ebenso lebensfremde Verrenkungen wieder grade biegen müssen. Diese ganze Jagd, nach „ich bin wichtig“, „ich bin unersetzlich“, „ich muss jeden Tag zwei Stunden für meine Tanzgruppe üben“, „mein Skatclub ist das allerwichtigste was es gibt“, „ohne mich bleibt die Welt (die Firma, das Wasweißichwas …) stehen“ macht nicht nur uns selbst als Menschen kaputt, sie macht auch unsere Umwelt kaputt. Sozial und materiell. Das geht miteinander einher. Da hilft auch Greta nicht. Denn natürlich, wenn wir uns nicht um unser Leben kümmern, müssen wir zur Kompensation der inneren Unzufriedenheit auch ordentlich konsumieren. Das schlecht verdiente Geld wieder in materielle Dinge umwandeln. Das schlechte Gewissen gegenüber den Kindern in Aktionismus kompensieren. Den Mangel an Empathie mit Ablenkung ausgleichen. Damit schließt sich eigentlich der Kreis zum letzten Post.

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