Das Praktikum beginnt

27 Apr.

Es ist ja so … wenn man einen anderen Menschen begleitet, dann ist das Mitgefühl oder Mitleid oder einfach Begleitung. So wie es sein soll. Also wenn ich jetzt hier Framing betreibe, dann ist das der Unterschied zwischen Erziehung und Begleitung. Ich jedenfalls erlebe das sehr intensiv mit, was die Jungs beschäftigt. Teilweise natürlich nur. Je älter sie werden, desto mehr Bereiche haben sie auch, in die ich keinen Einblick habe und auch keinen Einblick haben will.

Heute ist ein besonderer Tag. Der Probeeinstieg ins Berufsleben sozusagen. „Ich bin aufgeregt. Und ich freue mich auch.“ Und es sind viele Fragen in dem Jugendlichen. Was denn das sein soll mit dem Berufspraktikum. Die Vorbereitungen zu diesem Tag waren schon Aufregung genug. Und man muss sich da schon fragen, was die Firma Clicksolutions – ja, ich nenne hier Ross und Reiter – getrieben hat, um einen interessierten jungen Menschen derart zu behandeln. Er war mehrfach dort. Er hat mehrfach E-Mails geschrieben, ich habe am Schluss auch noch interveniert … nur, um dann eine etwas schnoddrige Absage mit dürftigen Ausreden zu kassieren. Die Enttäuschung und der Frust waren groß. Ich brauchte sofort eine Lösung zum Trost. Zum Glück hat man Freunde … Nun hat er seinen Praktikumsplatz nicht in der freien Wirtschaft. Ob bei ihm hängen bleibt, dass die freie Wirtschaft ziemlich bekloppt ist? Wir wissen es nicht. Es ist ja das, was dann im Unbewussten sich abspielt.

Da der Tag etwas später startet, gehen wir alles ruhig an. Brotdosen brauchen wir nicht. Einer ist sogar schon früher am Start. Wir frühstücken in Ruhe und die Aufregung kann sich nochmal kurz sammeln. Wir sprechen über Teilzeit und wieviel Stunden nun das Praktikum dauern wird. Ich habe keine Ahnung. Das sollen sie mit ihren Praktikumschefs abmachen. Wir sprechen über Brutto- und Nettolohn. Und dass ich vieles nicht weiß von der Lohnwirtschaft, da ich selbständig bin. Einer spielt noch Klavier. Ich liege auf dem Sofa, lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen und lasse mich von den Klängen des Klaviers leiten. Ich glaube man sagt auch Hochgefühl dazu. Er hört dann auf, sie besprechen, dass sie noch etwas Zeit haben und dann sagt er „Du willst sicher auch noch Klavier spielen“ – dann spielt der andere. Manchmal kann ich mein Glück nicht begreifen.

Nun sind sie unterwegs mit ihrer Fahrkiste. Der Fahrer bringt den Beifahrer bis vor die Tür seines Praktikumsplatzes … dann nimmt der Tag seinen Lauf. Ich freue mich auf die Berichte und freue mich, dass sie neue Lebenserfahrungen machen. Zum einen ist das natürlich wirklich brutal schön. Als Alleinerziehender bekommt man das quasi pur oder volle Kanne ab. Alleinerziehend zu sein, und das fällt mir in diesen Situationen immer besonders auf, ist aber sehr sehr lebensfremd. In der gw21 würde sich dieses Erlebnis so anders anfühlen, da man es unmittelbar mit anderen Menschen teilt. Ob durch sprachlichen Austausch oder einfach nur das Erleben und den Austausch untereinander. Sie nehmen auch Anteil am Schicksal der anderen Menschen. Das ist lebenspraktisch. Oder, wie ich es nennen würde: normal. So kann jeder etwas von sich beitragen zum Tischgespräch, zur Hausatmosphäre, zum Wohlergehen. Alle anderen können am eigenen Leben teilhaben. Das ist das, was fürs Hirn gesund ist. Ja, der Mensch hat ein Sozialhirn. Je mehr gesunde soziale Eindrücke er hat, desto besser geht es ihm … und umgekehrt. Das was ich hier erlebe ist unnormal, lebensfremd und krank. Danke auch an die Göttin ACh an dieser Stelle für die wertvolle Erfahrung und Erkenntnis und die Herausforderung. Ja, manchmal werde ich auch spirituell und glaube an Göttinnen. Also: passt auf mit welchen Eindrücken ihr euch umgebt. Es ist entscheidend für euer Leben. Und wenn ihr mal vom Weg abkommt? Kein Problem, dann geht die Welt auch nicht unter. Nein … Spaß beiseite. Es ist nicht lustig vom Weg abzukommen. Holt euch Hilfe. Oder findet alleine wieder auf den Weg. Oder geht einfach den falschen Weg und tut so, als ob es der richtige Weg wäre (das tun viele Menschen! Schlechteste Idee …). Oder organisiert eine Walrettung – der Wal ist auch von seinem Weg abgekommen. Die Geschichte kennt ihr ja schon. Er kann einem leidtun. Ob der Wal mal überlegt hat, ob er sich verschwommen hat? Wale sollen ja sehr intelligent sein. Ich gebe es zu, manchmal wünscht man sich schon ins Hirn eines anderen Wesens rein gucken zu können. Noch ist das nicht möglich.

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