Strategie anpassen

25 Apr.

Da gab es doch auch einmal etwas mit Plan A und Plan B und so … wie war das noch gleich? Meine Strategie ist so mittelerfolgreich. ok. Genau betrachtet: es gibt kein mittelerfolgreich. Mittelerfolgreich ist ein Fail. Aber wir wollen etwas genauer hinschauen. Es gibt so viele Möglichkeiten. Denn vier Dates innerhalb von einer Woche ist ja auch nicht ganz erfolglos. Na gut … beim Speeddating kann man ja hundert Dates an einem Tag haben. Aber was bringt es, wenn der passende Mensch nicht dabei ist? Würden bessere Fotos von mir die Ausbeute verbessern? Muss ich meine Kriterien anpassen? Das ist alles schwierig. Wenn ich auf rechtsextreme spirituelle adipöse Omis stehen würde, wäre der Drops vermutlich schon gelutscht. Als ich vor fünfundzwanzig Jahren zuletzt dieses Problem hatte, habe ich ein Wohnprojekt gegründet, das sich als optimaler Raum für echtes Matching erwiesen hat. Wobei das Matching bei mir dann auch nicht so echt war wie es ausgesehen hat – sonst bräuchte ich diese neue Herausforderung nicht 😉. Aber um diese Geschichte geht es ja jetzt nicht. Es geht um die Frage, wie ich ein echtes Matching befördern kann. Dabei bin ich der einzige Faktor, der das beeinflussen kann. Und um nochmal oben anzuknüpfen. Ich habe meine Kriterien schon hundertmal überdacht. Ich werde daran nichts ändern können. Ich sag’s mal so: ich habe es versucht. In der Vorstellung. Ja, ich kenne Menschen, die katholisch geworden sind. Und sie sind glücklich damit. Am Anfang stand aber die Liebe. Also ich will nicht ausschließen, dass ich eines meiner Kriterien aufweiche, aber dann nur durch die Begegnung und in der Begegnung, so wie ich es in der Vergangenheit ja auch schon getan habe. Daher halte ich online Dating auch für richtig fies. Ein anderes Dating gibt es derzeit nicht für mich. Ein Wohnprojekt wird es nicht geben. Es gibt dafür schlicht keine geeigneten Immobilien. Das Tressower Haus eignet sich dafür ganz explizit nicht – aus diversen Gründen. Die Architektur gibt es nicht her. Und die Zielgruppe will überall hin, aber ganz sicher nicht nach Tressow.

In diesem lesenswerten Spiegel-Artikel steht auch klar:

»Kompatibilität wird alltagspsychologisch stark betont, wissenschaftlich gibt es aber wenig Evidenz dafür, dass Menschen mit ähnlicherer oder unähnlicherer Persönlichkeit besser zusammenfinden oder bessere Beziehungen führen«
Lars Penke, biologischer Persönlichkeitspsychologe

In den Portalen habe ich schon alles versucht: Suchradius auf unendlich, dafür die Kriterien enger einstellen. Ich sehe: Gesichter hinter Sonnenbrillen und Händies, spirituelle und konsumorientierte Geister mit sichtbar hohem Alkoholkonsum, missmutige mit Vorstellungen vom Traumprinzen und ähnliches. Traumatisierte, psychotische, depressive, Menschen mit klaren Persönlichkeitsstörungen. Mit den Begriffen kann ich mittlerweile etwas anfangen. Und nein, eine gesicherte Diagnose lässt sich nicht durch ansehen eines Profils stellen.

Ich habe schon verschiedene Strategien versucht. Auswahl per Zufall, Auswahl per enger Kriterien, Auswahl per weniger Kriterien. Vielleicht habe ich sie übersehen?

Bin ich vielleicht einfach zu ungeduldig? Die Herausforderung hat am 4. April begonnen. Ich habe zwar vorher auch schon hin- und hergewischt und zufällige Matches gehabt. Die Entscheidung die Suche ernsthaft zu betreiben fiel vor drei Wochen. Bin ich einfach zu ungeduldig? Naja … Also mal ganz ehrlich … wenn ich die Suchkriterien auf „realistisch“ einstelle, also einen Suchradius, der auch noch zu überbrücken wäre, um sich auf einen Kaffee zu treffen, eine normale Altersspanne, Nichtraucher und alles andere offen lasse, dann bekomme ich zehn Treffer. Davon fallen fünf wegen fehlender Werte raus, zwei sind spirituell, drei sind Lehrerinnen oder kommen aus anderen Gründen nicht in Frage. Ob sich das dann durch Zauberhand einfach verbessert, wenn ich einfach nur lang genug warte?

Es ist die Quadratur des Kreises. Einerseits kann ich nichts erzwingen. Auch durch einen höheren Aufwand wird sich an den Bedingungen nichts ändern lassen. Ich könnte einen Dating Coach engagieren. Der wird mich zum Datingcoachfotografen schicken, um ordentliche Bilder von mir machen zu lassen. Der wird an meinen Texten herummeckern. Im Zweifelsfall wird er klar sagen: Du musst Dein Mindset, also die Grundhaltung ändern und rauchende und psychotische und verzweifelte Frauen in die Suche mit einbeziehen. Er will ja Erfolg haben. Das will ich im Grunde auch – aber eben nicht um jeden Preis. Vielleicht kann er mir Tipps für die Erstanscheiben geben. Alle mir bekannten Tipps setze ich schon um. Ich will aber auch authentisch bleiben. Und ja, meine Wünsche sind nur schwer zu erfüllen. Eine normale Frau, die irgendwo wohnen will, wo nichts außer Gegend ist? Das Haus hat einen Fluch. Bisher sind alle in diesem Haus wohnenden Frauen ziemlich schnell verschwunden. Jetzt kann man das statistisch betrachten und sagen, dass ja rein statistisch irgendwann eine Frau dieses Haus auch als ihr Zuhause annehmen will.

Jetzt habe ich einmal mehr nur diese eine Möglichkeit: es zu akzeptieren so wie es ist. Akzeptanz ist Liebe. Da bin ich doch auf einem ganz guten Weg. Dann liebe ich einfach mein Leben so wie es ist. Es ist genau der Parameter, auf den ich den größten Einfluss habe: irgendwo einen Sinn sehen (nach Viktor Frankl) und meine Werte zu leben, jeden Tag aufs Neue. Mir treu zu bleiben und mich nicht zu verbiegen. Und mal Hand aufs Hirn: so schlecht kann das nicht sein. Sonst wären die Jungs nicht so gut drauf … wobei die leider auch leiden. Ja … das ist bitter genau das mit anzusehen. Es ist doppelt bitter, da ich genau das nicht gewollt habe. Aber hülft ja nüscht. Musste halt weg gucken. Das war noch nie mein größter Skill. Ich wollte immer wissen wie die Welt funktioniert und warum sie genau so funktioniert wie sie funktioniert. Hinschauen … war mir schon immer wichtig. Auch das … ich werde das nicht ablegen.

Eine Hürde muss ich erst einmal überwinden. Da ich monogam denke und fühle, kommt eigentlich nur ein Mensch in Frage: die Mutter der Jungs. Sie hat mir aber mehrfach auf verschiedenen Wegen klar gemacht, dass sie weder für Freundschaft noch für sonst irgendetwas, was man im entferntesten Beziehung nennen könnte bereit ist. Im Gegenteil: sie hat quasi alles was möglich ist aufgefahren, um irgendeine Beziehung zu verhindern. Kein Telefon, keine Messengernachrichten, keine persönlichen Begegnungen, kein Nachrichtenaustausch über Freunde. Selbst der Hinweis der Psychologin „Sie bleiben ein Elternpaar …“ verhallt ungehört. Offenbar will sie mich komplett aus ihrem Leben streichen. Sie will das, sie darf das und sie kann das. Ich akzeptiere das, auch wenn es sich nicht richtig und nicht gut anfühlt. Akzeptanz ist Liebe, Liebe ist Akzeptanz, auch wenn es weh tut. So muss ich erst einmal meine eigene biologische und intrinsische Barriere überwinden. Also Freunde … das ist wirklich Psycho … Herausforderung. Das ist natürlich einfacher für denjenigen, der die Beziehung aufkündigt und quasi nahtlos umsteigen kann (… böser Wolfgang …). Normalerweise wird solches Verhalten Männern unterstellt. Gerne von Frauen, denen das passiert ist. Aber auch hier … das sind keine geschlechtsspezifischen Eigenschaften und ich will nicht mutmaßen, ob mehr Männer oder mehr Frauen mutwillige Beziehungen crashen. Also … das gehört zur Herausforderung auch noch dazu.

Ich werde also Plan B weiter verfolgen: tue das nächstliegende. Klavier spielen, Frühstück machen, Steuererklärung machen, Paddel (Riemen) vom Ruderboot schleifen und streichen … und solche Sachen halt. Und euch schreiben und Freude und Leid mit euch teilen. Schön, dass ihr da seid 😊.

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