Das ist die neue Hauptkapitelüberschrift dieses neuen Kapitels. Ich versuche mal weiter zu bloggen.
Vermutlich ahnt ihr schon, wie die Challenge heißt. Nun … Challenge heißt Herausforderung. Und ich benenne die Herausforderung sehr klar: eine Partnerin finden.
Und ja, mir ist klar, dass diese Herausforderung nicht die einfachste Herausforderung ist. Die Gründe dafür sind vielfältig und ich werde nur ein paar hier aufführen.
Die Gesellschaft driftet schon seit vielen Jahrzehnten in Richtung Selbstverwirklichung, Konsum und Individualismus. Das bedeutet genau genommen eine weitere Zersplitterung. Sichtbar ist dies an der Zunahme der Singlehaushalte. Die von Politik und Medien geförderten Ängste befeuern die Tendenz. Ich bin ein Teil dieses ganzen Spektakels. Da ich mich nicht dem Mainstream (Hauptstrom) zugehörig fühle, verschärft sich die Situation für mich zusätzlich.
In Mecklenburg haben wir in meiner Altersgruppe einen Männerüberschuss von über 10%. Schon bei 5% sind signifikante Änderungen bei der Paarung festzustellen.
Als alleinerziehender Mann gelte ich als schwer vermittelbar. Die meisten Frauen suchen nach einem Mann, mit dem sie vor allem reisen können und die Freizeit verbringen. Alleinerziehend zu sein ist damit vergleichbar mit einer Krankheit oder einer Behinderung.
Mischbeziehungen zwischen Wessis und Ossis sind immer noch die Ausnahme. Über die Gründe schreibe ich vielleicht ein anderes mal. Fakt ist: ich bin in Süddeutschland geboren und aufgewachsen und erst im Alter von 50 Jahren in den Osten migriert.
Und ja, ich habe gewisse Suchkriterien. Für mich kommen stark religiöse Menschen nicht in Frage. Ebenso ist Alkoholsucht (auch in leichter Form) ein Ausschlusskriterium. Es gibt noch weitere Ausschlusskriterien. Ich kann mir nicht vorstellen mit einer esoterischen oder abergläubischen Frau glücklich zu werden. Worüber können wir uns unterhalten? Auch mit jemandem, der meine Werte nicht teilen und nicht verstehen kann, werde ich kaum glücklich werden.
Kommen wir aber mal zu den Positivmerkmalen. Empathie ist so ein gern gebrauchtes Schlagwort. Ich lese auch öfter, dass jemand sich als emphatisch bezeichnet. Es ist eigentlich auch ein Ausschlusskriterium. Aber bleiben wir mal bei der Empathie. Empathie heißt Einfühlungsvermögen. Sie wird häufig als eine Forderung erhoben. Da wird es schwierig.
Für mich sind Wertschätzung und Wohlwollen derzeit die wichtigsten Merkmale. Wertschätzung und Wohlwollen sich selbst, allen Menschen und der Welt gegenüber. Auch Akzeptanz ist für mich eine wichtige Eigenschaft. Sich selbst zu akzeptieren, auch im eigenen Wunsch nach Veränderung, den anderen zu akzeptieren so wie er ist ohne ihn ändern zu wollen. Das hat sich in meinem Leben bewährt. Ich werde darauf nicht mehr verzichten und wünsche mir ähnliche Werte auch von meiner Partnerin.
Worauf ich quasi keinen Wert lege, ist sozialer Status und finanzielle Situation. Beides ist mir egal.
Gemeinsame Interessen sind wichtig. Wir sollten irgend etwas haben, was uns auch im Alltag, in der Freizeit verbindet. Liebe zur Natur, den Garten zu bewirtschaften, radfahren, wandern, segeln – ich wäre da auch flexibel neue Bereiche kennen zu lernen.
Ich bin noch mindestens drei Jahre mehr oder weniger ortsgebunden. Die Jungs sind zwar selbstständig, sie können durchaus mal ein paar Tage ohne mich auskommen. Im Grunde bin ich aber 100% für sie da. Und daran wird auch nicht gerüttelt. Diese Verantwortung habe ich 2009 auf mich genommen.
Und sonst? Ja: es soll die letzte Suche sein. Deswegen wird diese Suche auch etwas anders verlaufen. Ich habe mich auf einen längeren Weg eingestellt. Wenn es nicht passt, wird es nicht passend gemacht, sondern es wird weiter gesucht. Verschiedene kompetente Menschen haben verbreiten die Botschaft: wenn es passt, dann weißt du es. Naja ok – würde ich jetzt sagen. Ich habe mich da schon mal vertan. Nein! Ausreden gelten nicht. Ja. Wir sind Menschen. Wir irren. Allerdings habe ich mit 62 Jahren auch einige Positiverfahrungen gemacht. Ich bin kein Notfall. Und ich habe mir versprochen dieses mal kein Experiment einzugehen. Aber ist Beziehung nicht immer ein Experiment? Ja, in gewisser Weise schon. Mit gewissen Tricks oder Regeln lässt sich die Wahrscheinlichkeit fürs Gelingen aber doch deutlich erhöhen.
Und wenn es nicht gelingt? Dann geht die Welt auch nicht unter. Ich kann gut allein sein. Ich habe einen guten Freundeskreis. Ich verhungere nicht vor dem vollen Kühlschrank. Ja, das Leben wird dann vermutlich kürzer. Es gibt aber keinen Grund zur Verzweiflung. Mein persönliches Glück kann mir niemand nehmen. Nicht mal jemand, der nicht da ist. Nicht ohne Grund habe ich eine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie gemacht. Nicht ohne Grund werde ich mich genau auf diesem Felde weiter fortbilden. Und wenn ich der einzige Heilpraktiker für Psychotherapie bin, der nie einen Patienten behandelt, dann bin ich der einzige Heilpraktiker für Psychotherapie, der nie einen Patienten behandelt. Wo ist das Problem?
Nun kommen ein paar Erfahrungsgeschichten.
Getroffen habe ich immerhin schon Berta, Vera, Britta, Ofelia, Valentina, Birgit, Rita, Paula, Daniela und Ute. Alle Namen sind übrigens Phantasienamen. Niemand soll auf die Idee kommen herauszufinden, wer sich hinter meinen Geschichten verbirgt. Deswegen sind auch Orte und andere Fakten verschleiert, geändert oder erfunden. Nicht erfunden sind die Geschichten selbst.
Die Geschichte von Vera darf vielleicht am Anfang stehen. Mit Vera habe ich mich in Schwerin in einem Cafe mit Seeblick getroffen. Es war ein schöner Tag. Und doch war sehr schnell klar, dass wir in zwei unterschiedlichen Welten leben. Ich erzähle immer, dass ich Kinder habe. Daraus mache ich kein Geheimnis. Vera fragte mich: „… und … Schule?“ – Ok – da war es also, das Wespennest, in das sie gestochen hat. Ich spreche dann auch Klartext. Das kommt dann meistens nicht so gut an. Vera arbeitet in der Klinik und war aber der Ansicht, dass Kinder „lernen müssen“. Sie erzählte, dass sie einen Sohn hat, der die Schule geschmissen hat und auch keine Ausbildung machen will und dass auf die Kinder heute zu wenig Druck ausgeübt würde. Ich bin dann vorsichtig und verweise auf Studien, andere Länder, Kinderrechte und die UN-Kinderrechtskonvention. Das kommt dann wieder nicht so gut. Vera sagt „bei meiner Tochter hat das doch auch funktioniert!“. Dass Kinder unterschiedlich sind und unterschiedlich reagieren lässt sie nicht gelten. Tja. Schade Vera. Ein Jahr später traf ich einen Mann, der mal in einer Beziehung mit Vera war. Der fragte mich ganz erstaunt: „Und wie hast du so schnell gemerkt, dass sie vollkommen empathielos ist?“
Jede Bekanntschaft kann auch eine Enttäuschung sein. Jede Bekanntschaft schließt zwei Möglichkeiten ein: man kommt sich näher oder man entfernt sich wieder. Bei jeder neuen Bekanntschaft schwingt auch Hoffnung mit. Hoffnung, dass die Sucherei ein Ende findet und dass das richtige Leben los geht. Und ja, es kostet mentale Kraft. Die ganze Aktion kostet sogar enorme mentale Kraft. Auch jede Menge CO2 wird dafür verbraucht. Bislang sind für diese Aktion über 3000 Autokilometer gefahren worden. Scheinbar sinnlos. Und hier kommt wieder meine steile These: die Welt wäre besser, wenn die Menschen zur Vernunft kommen würden. Es ist ungefähr das Gegenteil von dem „Herr schmeiß Hirn vom Himmel“, wo die Vernunft zu den Menschen kommt. Liebe ist keine Glückssache. Liebe ist eine Entscheidung. Lieben heißt wollen. Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern das Gegenteil von Liebe ist Gleichgültigkeit. Davon haben wir genug und mehr als genug.
Das waren mal ein paar einführende Worte zur neuen Herausforderung.
Aktuell kommuniziere ich mit Daniela und Irene. Beide kommen als Partnerinnen nicht in frage. Diana sitzt in Thüringen fest. Sie hat dort 1,5 Hektar Land und Tiere und ihren Vater. Irene meint, dass 150 Kilometer zu viel seien.
Diana und ich haben uns auf Tinder getroffen. Auf Tinder. Wirklich. Sie ist vor allem eines: unkonventionell. Sie arbeitet auf einem Feld, das sie nicht gelernt hat. Sie ist Gitarrenlehrerin. Sie hat einfach immer gerne Gitarre gespielt und schließlich wurde sie gefragt, ob sie als Gitarrenlehrerin arbeiten würde. Und sie bewirtschaftet ihr Land und sorgt für ihre Tiere. Telefonieren mag sie nicht. Sie schreibt aber recht ausführliche Texte.
Apropos telefonieren. Ein Mann auf Brautschau muss heute flexibel sein. So flexibel wie es eben geht. Er muss Tinder und Bumble beschicken und bedienen, viel nach rechts und links wischen, um überhaupt einen Match zu bekommen. Ich kann nicht sagen, wieviele Stunden ich jetzt schon nach rechts und nach links gewischt habe. Aber eben manchmal ist dann doch ein Trefferlein dabei. Und dann schreibt man ein paar Nachrichten hin und her. Und dann kommt meistens der Wunsch der Dame auf eine Kommunikationsplattform des Herrn Bergzucker zu wechseln. Ich wollte diese Kommunikationsplattform nie nutzen, obwohl geschätzt 98% aller Menschen ab 16 Jahren diese Plattform nutzen. Und da der Prozess eh schon kompliziert genug ist, will ich nicht der Blockierer sein. Toleranz ist gefordert. Vielleicht ist es die falsche Strategie. Ich werde diese Strategie möglicherweise nochmal überdenken. Es ist sinnlos sich bis zur Unkenntlichkeit zu verrenken, nur um dann später zu merken, dass man sich zu sehr verrenkt hat.
Vor einer Woche habe ich Daniela getroffen. Daniela scheibt in ihrem Profil „Ein Vorteil und ein Nachteil wenn man mich datet: ich erscheine wirklich“. Ihr Profil ist recht knapp. Es besteht aus einem unscharfen Bild, einem Bild, auf dem sie nur ganz klein und nicht zu erkennen drauf ist und einem Bild, auf dem sie ihr Händi vor ihr Gesicht hält. Ich wische nach rechts, da Alter und Entfernung nicht allzu weit entfernt sind. Es matcht und sie schreibt „Leider gibt es aktuell nicht viele Gründe zu lächeln …“ – wir schreiben ein paarmal hin und her. Es dauert immer ein paar Tage bis sie antwortet. Zum Beispiel „… Aktuell gehts mir nicht so gut …“ – „… hab das erste Mal nach 3 Wochen Hühnersuppe mit Appetit gegessen“ – aber auch „Mein Traum ist ein Mann mit Kindern!“ – es könnte auch ein Scamer sein. Scamer haben Konjunktur. Und Scamer schreiben immer Dinge, die Dir gefallen und die Dich anziehen und binden. Daniela schlug ein Treffen am Sonntag vor. Ich war einverstanden. Sie konnte aber keine feste Uhrzeit sagen. Ich sollte also quasi auf Standby auf ihre Nachricht warten. Eine etwas kuriose Idee, darauf muss man erst einmal kommen. Als sie sich zur vereinbarten Zeit nicht gemeldet hat und auch nur nebulöse Textnachrichten geschickt habe, habe ich den Vorschlag gemacht das Treffen abzusagen. Da habe ich einmal mehr übersehen, was eine entschlossene Frau ist. Denn natürlich hat sie dann angerufen und durch die Blume klar gemacht, dass sie jetzt dieses Treffen haben wolle. Einen Treffpunkt wollte sie aber noch nicht ausmachen. Also ab ins Auto und in Richtung der Stadt fahren, wo wir uns treffen wollten. Und dann im Auto warten, bis sie anruft. Nein, es hätte keine Falle sein können. Es war helllichter Tag und es war ein belebter Ort. Es war aber einmal mehr kurios. Ich habe dann eine auf attraktiv herausgeputzte Frau getroffen, die vor allem ihre Gebrochenheit spielte, enttäuscht von der Welt, frustriert und einsam. Sie schaffte es wirklich nicht ein einziges mal zu lächeln. Ihr Job wäre furchtbar und sie will in einer anderen Stadt leben und sie wäre von allem überlastet. Sie wäre hochsensibel, würde meistens von zu Hause aus arbeiten, das wäre schlimm und wenn sie ins Büro müsste, dann wäre das auch schlimm. Nach 1,5 Stunden war sie so fix und fertig, dass sie los musste. Vier Autounfälle hätte sie im letzten Jahr gehabt. Tage später schrieb sie mir dann, dass wir kein Paar werden. Naja … wer hätte es gedacht.
Natürlich betrachte ich solche Begegnungen auch durch die Brille des Heilpraktiker für Psychotherapie. Was läuft in dieser Gesellschaft falsch? Was beschädigt die Menschen so, dass sie nicht mehr lebensfähig sind? Nicht paarungsfähig heißt nicht lebensfähig zu sein. Das Leben basiert auf Paarung. Seelisches Wachstum basiert auf engen Beziehungen, nicht auf unverbindlichen Bekanntschaften, Konsum und Selbstverwirklichung. Das nur als kurze Erklärung. So ist jede Begegnung ein Phänomen auf der reisengroßen Landkarte der Psychologie. Jede Zurückweisung, jede Verabschiedung ist keine Demütigung. Wie auch die letzte tief schmerzliche Zurückweisung, ist jede Verabschiedung eine neue Chance, eine neue Herausforderung, eine Bereicherung an Erfahrung.
So habe ich Irene angeschrieben. Sie wohnt etwa 150 Kilometer weit weg. Für mich ist das eher der Naheinzugsbereich. In einem Umkreis von 50 Kilometer habe ich nur sehr wenige Treffer. Daher suche ich mittlerweile bundesweit. Irene antwortet. Wir schreiben uns ein paarmal. Sie ist gerade mit ihrem Sohn in Paris. Nachts, als sie wieder zu Hause ist, schreibt sie mir sinngemäß „wir wohnen zu weit auseinander“. Ich merkte, wie meine Stimmung kippte und sagte mir „Stopp Wolfgang! – das ist eine Chance“ und ließ meine Stimmung nicht kippen. Ich schrieb ihr freundlich zurück und ignorierte einfach ihre Botschaft der Abfuhr. Natürlich sind 150 Kilometer weit weg. Aber mal Hand aufs Hirn: wir fahren für sinnlosere Dinge hunderte von Kilometern. Und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Ich sehe die Entfernung nicht mehr als echten Hinderungsgrund. Natürlich wäre es schön, wenn die Geliebte im gleichen Dorf wohnen würde oder zumindest in einer Entfernung, die auch mit dem Fahrrad zu überbrücken ist. Nur mit hätte, könnte, würde kommen wir nicht weiter. Natürlich ist Irene und jede andere Frau frei zu sagen, dass es ihr zu weit ist. Nur was haben wir davon, wenn wir immer scheinbare Argumente vorschieben, um eine Partnerschaft zu verhindern? Wir haben dann genau so eine kranke Gesellschaft wie wir sie haben. Einsamkeit macht Depressionen und Depressionen machen Einsamkeit. Wir haben schon genug davon. Kompensationstechniken wie Alkohol oder Aktionismus, Konsum und Ablenkung helfen nicht. Die Psyche irrt nicht. Sie wird krank. Und manchmal erkrankt auch der Körper von diesen Irrwegen. Psychosomatische Erkrankungen sind auch auf dem Vormarsch. Ratet, was die Gründe dafür sind.
Mit Irene habe ich nun schon weitere Nachrichten gewechselt. Dennoch heißt die Challenge: weiter machen. Weiter den Heuhaufen umstochern.
Ich will euch auch erzählen, dass mir Wolfgang Krüger geschrieben hat. Ja, der berühmte Paarpsychologe Dr. Wolfgang Krüger. Ich war einfach so frech und habe ihn angeschrieben. In einem Podcast hat er quasi dazu aufgerufen. Wolfgang Krüger empfiehlt Datingplattformen zu nutzen, sagt aber nicht welche. Also habe ich ihn angeschrieben und gefragt, welche Plattformen er denn empfehlen kann. Seine Empfehlungen deckten sich mit meinen Vermutungen. Da ich keine Werbung für Plattformen mache, müsstet ihr mich direkt anschreiben.
Die böse Stiefmutter … Natürlich ist mir klar, dass ich auf der Suche nach einem Menschen bin, der potentiell die Rolle einer Stiefmutter einnehmen könnte. Darüber mache ich mir Gedanken. Ist das gut? Oder ist das nicht gut? Generell sind Trennungen oder unsichere Beziehungen Gift für jede Biografie oder für jede Psyche. Nicht nur die direkt Betroffenen leiden. Auch die indirekt Betroffenen und das Umfeld – ja die ganze Gesellschaft leidet. Da schließt sich der Kreis zur obigen Ausführung über Vernunft und Hirn vom Himmel. Trennungen, wenn es nicht einen handfesten Grund wie Misshandlung, Sucht, Gewalt oder bewusst toxisches Verhalten gibt, sind im Sinne von Putin und anderen bösen Mächten. Putin lacht sich ins Fäustchen, wenn im bösen Westen psychische Krankheiten sprießen und gedeihen und die mentalen Kräfte der Menschen immer mehr zurück gehen. Der Zerfall der Gesellschaft hat einen tiefen Grund. Trennungen sind ein Grund. Und der Zerfall ist wiederum Grund für Trennungen. Wenn die mentalen Kräfte so weit schwinden, dass nicht einmal mehr eine Partnerschaft gepflegt und gelebt werden kann, dann ist Alarmstufe rot. Aber was heißt das nun für die Stiefmutterfrage? Für mich gibt es nur die Frage: alleine bleiben oder nach einer passenden Frau suchen. Es ist also die Frage zwischen Pest und Colera. Und natürlich habe ich mich zumindest am Anfang immer wieder gefragt „warum ich?? – Warum bekomme gerade ich so eine bekloppte, sinnlose Aufgabe???“ Darüber habe ich dann mein Studium zum Heilpraktiker für Psychotherapie angefangen. Ich habe dabei viel über die Psyche gelernt, über psychische Erkrankungen, über deren Folgen und Behandlung. Behandlungsformen und Heilungschancen. Alles sehr spannend. Eine Antwort auf meine Frage habe ich nicht bekommen. Dennoch hat das Studium mein Hirn beschäftigt, man sagt auch abgelenkt. Und ich habe viel gelernt. Ich gehe mit anderen Augen, mit einer anderen Aufmerksamkeit durch die Welt. Ich habe per Selbststudium etwas über die Logotherapie von Viktor Frankl gelernt. Da kann ich schon einiges auf meine Situation übertragen. Diese Situation hat irgendeinen Sinn. Sonst wäre ich nicht in dieser Situation. Auch wenn ich den Sinn infrage stelle oder nicht erkenne, es gibt diesen Sinn. Und dieser Sinn, diese Logik, kann ein Antrieb für mich sein weiter zu forschen, weiter das Beste aus der Situation zu machen. Pest oder Colera? Es ist egal oder es ist nicht egal. Es ist so wie immer, wenn man Kinder auf ihrem Weg begleitet: ein absolut richtig gibt es nicht. Ich kann es also eh nur falsch oder falsch machen. Wenn ich gar nichts mache, dann mache ich etwas falsch. Die Jungs haben immer vernünftig reagiert, wenn einmal hier eine fremde Frau aufgetaucht ist. Wenn ich aufmerksam bin und mich selbst reflektiere, dürfte es ein sinnvolles Vorgehen sein. Und vorgehen oder vor gehen ist immer sinnvoll. Es gibt kein zurück.
Das soll mal reichen für den Anfang.