Tag 506

5 Okt.

Der Volleyballspieler steht früh auf. Der Wecker geht um 6.40 Uhr. Und dann zieht er los. Wie cool das ist. Selbständige junge Menschen. Mit Selbstwirksamkeit. Mit Selbstverantwortung. Nein, ich stehe nicht auf. Wir haben das so abgesprochen. Und nein, ich muss mich nicht um alles kümmern. Und ja, es kostet mich auch Überwindung nicht nochmal zu fragen: hast du Geld eingesteckt? Hast du etwas zu trinken dabei? Und so ein Quatsch. An alle Eltern: solche blöden Fragen sind kontraproduktiv. Ja, es kann durchaus sein, dass er etwas vergessen hat. Aber so what … das ist dann halt so. Und nein, ihr seid keine perfekten Eltern wenn ihr für eure Jugendlichen an alles denkt. Sie dürfen das selber lernen. Das ist – so blöd sich das anhört – Prägung, manche nennen es Erziehung.

Ich selbst wische wie wild nach links nach links und nach links und ganz selten nach rechts. Ich bin fast wahnsinnig. Ich habe keine Lust mehr auf allein sein. Ich bin wieder die Fliege, die wie bekloppt gegen die Fensterscheibe fliegt. Ich weiß zwar, dass es irr ist. Dennoch überkommt mich manchmal so ein Wahn. Es ist in mehrfacher Hinsicht irr. Zum einen ist mir mit jedem Wischen mehr und mehr klar, dass das mit dem Online Dating bei mir nicht funktioniert. Ich suche nicht „irgendeine“ Frau. Ich suche die Frau, die zu mir passt. Die finde ich auf diesem Wege nicht. Weil die vermutlich nicht online ist. Und weil sie mich nicht erkennen würde. Und andererseits bietet das reale Leben doch einiges an. Am Mittwoch werde ich voraussichtlich Menschen treffen. Vielleicht mit ähnlichem Mindset. Und in einer Woche hat sich auch wieder jemand angekündigt. Und es hat überhaupt keinen Sinn in dieser Hinsicht etwas erzwingen zu wollen. Es geht einfach nicht. Intelligent wäre, wenn ich mir klar machte, dass ich ein super gutes Leben habe. Ok … mit einer Einschränkung … – So jetzt dreht sich das im Kreise. Perservierende Gedanken. Da machen wir mal einen Stopp.

Ich lerne einiges, mache die Herbst 2024 Prüfung mit einem Fehler. Das geht. Und ich chille. Ich backe Cookies. Einfach mal so. Und fülle die Waschmaschine. Und hänge Wäsche ab.

Hm … wann wohl der Opel wieder kommt? Ich habe keine Ahnung. Will auch nicht anrufen oder so. Es spielt ja keine Rolle. Wenn wir Hunger haben, dann essen wir einfach irgend etwas. Das ist ja kein Problem. Der Opel kommt dann kurz vor acht. Ich mache uns schnell ein paar Spiegeleier. Wir essen gemütlich und bekommen den Bericht vom Turnier in Rostock. Vier Spiele gespielt, vier Spiele verloren aber jede Menge Spaß gehabt. Und dann mit dem Zug zurück gefahren. Hey Wolfgang. Du könntest diesen Tag einfach als einen fetten Erfolg verbuchen. Mach‘ das mal.

Wenn ich das, was ich bei Verena König lese ernst nehme, dann kann es nur eine Lösung geben. Wenn ich das, was ich bei Herbert Renz-Polster lese ernst nehme, dann kann es nur eine Lösung geben. Nur: ich bestimme das nicht. Ich kann mich nur der bekloppten Wirklichkeit stellen. Und die ist so etwas wie ein Krieg. Und dann gilt der Plan B: über mein Inneres habe ganz alleine ich Macht. Dieser Krieg kann draußen bleiben. Ich brauche den nicht. Das bleibt jetzt erst einmal die Aufgabe Nr. 1. Und die Jungs? Naja … die stecken das äußerlich ganz gut weg. Nur … es wird Spuren hinterlassen. Jeder Tag wird Spuren hinterlassen. Eines Tages werden sie die Zeit reflektieren. Sie werden sich daran erinnern, dass ihre Mutter gelegentlich vorbei gekommen ist und zum Essen da geblieben ist. Und sich dann von ihnen verabschiedet hat. Und sich dann in ihr schwarzes Auto mit den Namensinitialen und der Geburtstagszahl rein gesetzt hat und wieder davon gefahren ist. Sie werden einen Teil dieses Verhaltens adaptieren, aufnehmen, in ihre Persönlichkeit integrieren. Es ist schädlicher als Alkohol. Es ist schädlicher als Nikotin. Für die Jungs ist es durchaus toxisch. Aber nun … ich muss auch damit leben, dass ich diese Frau als Mutter zugelassen habe. Es fühlt sich im Moment nicht so gut an. Ich finde, dass man in einer Beziehung schon auch mal Mist bauen darf. Das ist sogar wichtig. Ich finde aber auch, dass dann auch mal wieder gut sein darf. Dass man aus dem selbst gebauten Mist auch lernen darf. Also nicht erst in 500 Tagen. Das sollte nicht länger als drei oder vier Tage dauern. Maximal. Nun ja … so ist es eben mal.

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