Waaas, ein Jahresrückblick mitten im Mai? Ja. Am Samstag war es genau ein Jahr. Seit einem Jahr bin ich alleinerziehend. Das ist ein Rückblick wert.
Kurz: Datingportale wurden angemeldet und wieder abgemeldet. Profile erstellt und wieder gelöscht. Es wurde hier einiges umgestellt, die Küche wurde funktionsfähig gemacht, neues Licht installiert, die Arbeitsplatte renoviert und diverse Helferlein eingebaut. Fehlende Sachen wurden beschafft und neu beschafft. Ich habe viel Zeit und Mentalkraft mit dem Nachrichtenaustausch mit verschiedenen Damen verbracht. Einige habe ich getroffen. Die Bandbreite reicht von skuril bis kurios, von erfreulich bis … ok – unerfreulich war jetzt nicht dabei. Unter dem Strich jedoch sowohl ohne Ergebnis als auch ohne Aussicht auf Erfolg. Das ist nicht meine Welt. Und … Mecklenburg. Ja … Mecklenburg … Die Schule belastet uns alle. Die Ferienwohnungsbewirtschaftung wurde weiter umgestellt und optimiert. Für das Außengelände wurden neue Werkzeuge beschafft. Ich mache erfolglose Versuche als Gärtner. Ich habe eine Ausbildung begonnen. Ein kleines Stromkraftwerk wurde installiert. Ich versuche immer wieder abwechslungsreiche Ernährung auf den Tisch zu bringen. Die Jungs sind ein Jahr älter geworden.
Und … mental? Es ist ein stetes auf und ab. Es gibt aber mehr auf als ab. Das ist sicher. Die letzte Nacht habe ich über fünf Stunden geschlafen, vielleicht sogar sechs. So irr wie es klingt: im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass hier eine weitere Person wohnen könnte, auch wenn ich mir das noch so sehr wünsche, wenn dies noch so sinnvoll wäre. Zum einen gibt es die Architektur nicht her. Es ist schlicht unmöglich hier ein weiteres Zimmer einzubauen ohne die Gesamtarchitektur zu zerstören. Und dies bei 160 qm Wohnfläche. Naja. Ich schaue immer wieder Immobilien an. Da ist aber nichts dabei.
Dennoch – die Situation macht mich doch nachdenklich. Die Jungs verlieren mehr und mehr die Beziehung zu ihrer Mutter. Ob sie das wirklich will? Ich habe da meine Zweifel. Aber ich habe keinen Einfluss drauf. Ich denke da auch an die Zeit, wenn sie älter werden. Der Beziehungsfaden wird ja in den jungen Jahren gelegt. Oder eben auch nicht. Und da weiß ich sehr wohl, wovon ich spreche. Es gibt so Fehler, die macht man nur einmal im Leben – wenn es denn möglich ist. Aber ist es möglich andere Menschen vor Fehlern zu bewahren? Leider nein. Das ist die bittere Erkenntnis. Und doch werde ich nie aufhören genau daran zu arbeiten. Ja, ich gebe es hier gerne zu: auch diese Erfahrung war und ist Grund, Antrieb und Motivation für die Ausbildung. Ich suche nach einer Erklärung. Ich weiß, dass die menschliche Persönlichkeit komplex ist. Und mehrere menschliche Persönlichkeiten verhalten sich in einem lebensfeindlichen Umfeld, das sich „Land zum Leben“ nennt, eben auch nicht immer nur kooperativ und wohlwollend und empathisch. Also: dieses Feld sehe ich weiterhin als meine Hauptaufgabe.
Mannomann – wer hat mir nur so eine Aufgabe gestellt. Ich lese gerade Viktor Frankl. Und ja – man bekommt keine Aufgabe, die man nicht lösen kann. So geht es weiter.
Ich weiß auch: das Leben ist voller Überraschungen. Ich hatte schon einige davon. Ein Blatt kann sich wenden. Konzentrationslager werden befreit. Es ist so vieles möglich.
So gehe ich nun ins zweite Jahr, welches sicher wieder neue kleinere Wendungen mit sich bringt. Das Langsamfahrauto ist bestellt. Der Führerschein ist begonnen. Und ich will diese Prüfung schaffen! Wirklich! Heute habe ich zwei lautlose Uhren bestellt. Auf dem Sofa liegend. Das Ticken der Uhr im Sekundentakt hat mich gestört. Also habe ich das Händi genommen und zwei Uhren bestellt. Ich schaue nach Bauwägen. Ich kann mir die Beratung auch sehr gut in einem Bauwagen vorstellen. Und so gehen meine Synapsen immer in die eine und andere Richtung und finden irgendwo einen Weg.
Ich mache in letzter Zeit viel Whatsapp. Damit passe ich mich meinen Kommunikationspartnerinnen an. Ich habe die Wahl: keine Kommunikation oder Whatsapp. Das ist ziemlich übel.
Und auch das noch … mir wurde gerade so eine Art Manege à trois angeboten – die Frau hat Kinder. Ach Leute … – gut … ich kann mich distanzieren. Aber ich sag’s mal so: macht das doch unter euch aus und lasst mich damit in Ruhe. Ich brauch das nicht!