Tag 358

12 Mai

Eine Geschichte wie keine Geschichte – das könnte ein neuer Blog werden.

Was ich gestern erlebt habe, glaubt keiner.

Ich kam nicht alleine nach Hause. Eine unerwartete Wendung? Ja. Aber leider nur des Tages. Aber die war schon sehr gut, weshalb ich euch einen Teil davon aufschreiben will.

Nachdem ich ja eine übrige Konzertkarte hatte und bereits eine höfliche Absage erhalten habe, hatte ich immer noch eine übrige Konzertkarte. Ich hatte dann eine Zusage, dann habe ich mich in der Uhrzeit verirrt und hatte dann immer noch eine übrige Konzertkarte. Mit dieser Konzertkarte in der Tasche fuhr ich bei schönstem Maiwetter frühzeitig nach Wismar, um darin herumzuschlendern. Man weiß ja nie … „um nichts zu suchen, das war mein Sinn“. Und da traf ich am Alten Hafen Ursula, eine alte Bekannte und wir unterhielten uns. Über Behörden. Und über Schule. Angeregt. Da kam dann mit gesenktem Haupt – Stefan, er sah mich nicht, obwohl er ganz dicht an mir vorüber lief. Ich sagte: „Der Mann sieht mich gar nicht.“ – Da begrüßten wir uns. Wir sprachen kurz. Er wusste ja, dass ich auf Brautschau bin, musterte meine Gesprächspartnerin. Ich fragte ihn, ob er Lust hätte mit ins Konzert zu kommen. Er wollte erst noch überlegen, ich sagte aber, er müsse sich jetzt entscheiden. Ich hätte ja sonst weiter nach einer Begleitung gesucht. Er sagte zu. Draus wurde ein Abend, den ich nicht mehr vergessen werde.

Onlinebekanntschaften. Ich weiß nicht, wie viele ich schon getroffen habe. Ich weiß auch nicht, mit wie vielen ich schon Kontakt hatte und sie dann doch nicht getroffen habe. Hinter jeder Bekanntschaft ist ein Mensch, ein Schicksal, ein Wesen mit Wünschen, Vorstellungen und Fähigkeiten verborgen. Im Konzert sitzend sagte ich in der Pause zu Stefan, dass ich dann bald den ganzen Saal kennen würde – eine Onlinebekanntschaft würde auch in den Reihen sitzen – eine Ärztin. Da sagte er ihren Namen … und dann kommt das, was es wohl tatsächlich nur unter Männern gibt. Ein tiefes Gespräch über innere Erlebnisse. Und nein, ich werde hier keine Geheimnisse ausplaudern. Wir sprachen über Träume. Über Empathiefähigkeit. Und über den Tod. Wir gingen noch zusammen Essen. Es gibt so Punkte, da bin ich mir mit Stefan überhaupt nicht einer Meinung. Über die aktuelle Regierung zum Beispiel. Aber wir können andere Erfahrungen austauschen. Wir fuhren dann nach Tressow – eigentlich wollte Stefan schon am Abend wieder in den Westen fahren. Wir sprachen angeregt bis Mitternacht. Am Morgen frühstückten wir noch, er gab mir Tipps für den Apfelbaum und zur Solaranlage.

Ich blieb bereichert zurück. Und ich nahm mir vor: ich werde bei nächster Gelegenheit wieder eine Konzertkarte verschenken. Man muss einfach mal dem Zufall eine Tür aufstoßen. Oder muss man sie aufbrechen? Nein, ich glaube nicht. Wir müssen das sehr viel mehr zulassen. In unserer streng geregelten und kranken Gesellschaft gibt es so viel Bedürfnis nach Zufall. Vielleicht sollten wir was von den Tieren lernen. Ihr wisst schon, wie ein Hund einen anderen Hund oder einen Menschen begrüßt. Ich meine so einen Hund … ihr wisst schon … Da ist die pure Freude und Neugier: „Spiel mit mir!“ – Sei authentisch. Sei offen. Sei ehrlich. Oder, wie es Margot Friedländer sagte: „Seid Menschen!“

Ach so … alle Menschennamen sind natürlich verändert. Die wirklichen Menschen heißen anders.

Ich lege dann meine Kürbisplantage an. Was dann doch etwas mehr Arbeit ist als gedacht. Aber immerhin – abends sind alle Pflanzen im Freiland und angegossen.

Es gibt Spaghetti Carbonara. Und … morgen ein Date.

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