Während gerade wieder ein toter Wal in Stralsund aus der Ostsee gezogen wurde (die Experten vermuten, dass es Timmyhope ist! 🙄), sind wir gestern stundenlang durch Algenschmodder gefahren … weshalb ich das Bild etwas aufgehübscht habe. Erstaunlich war, dass der Algenschmodder nur in der östlichen Ostsee war. Hinter Fehmarn war das Wasser klar.
Es war eine beeindruckende Fahrt – wieder einmal. Segeln ist gut für die Gesundheit. Frische Luft, gute Gespräche, Bewegung und Neuverknüpfung vieler Nervenzellen. Die Themen bleiben zwar die gleichen. Man ist vorübergehend ein anderer Mensch, hat gute Gespräche mit den Mitseglern und arbeitet als Team daran, dass es alle an Bord gut haben, also wie es eigentlich im echten Leben auch sein sollte. Das klappt trotz und wegen der Unterschiedlichkeit der Persönlichkeiten immer und immer wieder erstaunlich gut. Die gemeinsame Betätigung auf dem Segelboot verbindet – alle haben das gleiche Interesse: gut und sicher wieder in den Hafen zu kommen. Wie einfach wäre das eigentlich, wenn an Land ähnliche Werte gelebt würden? – Ach Wolfgang … Du mit Deinen Träumen …
Die Rückreise war auch beeindruckend. Im Nahverkehrsbus in Kiel sieht man junge Menschen, vorwiegend Frauen, in wenig Kleidung, die man sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausdenken kann und ich kam mir vor wie in einer kuriosen Livesatire. Eine Pridedemo ist ein Mist dagegen. Die Mischung von chemischen Düften ist krasser als auf einer Parfümmesse. Ihr müsst mal nachts in Schönberg (Mecklenb.) aus dem Zug steigen und in einen Schienenbusersatzverkehr einsteigen. Erstens: der Weg vom Gleis zum Bus ist quasi unbeleuchtet, man steigt über tote Gleise, an einem verrotteten Bahngebäude vorbei, den Weg kann man nur erahnen, weil es keinen anderen gibt. Es ist eher Ende der Welt, im Gebüsch könnte noch ein Vopo oder Stasi Typ sitzen. Zweitens: der Fahrer lässt einen aber nicht eine Sekunde vor der planmäßigen Abfahrtszeit in den noblen, fast neuen Gelenkbus einsteigen. Drittens: die Fahrbahn würde ich dann eher als Piste bezeichnen.
In den Gelenkbus steigen exakt drei Fahrgäste ein. Ob das wirklich ein umweltfreundlicher öffentlicher Personennahverkehr ist, wenn drei Menschen in einem Gelenkbus durch die Gegend gefahren werden?
Wir sind dann froh, dass wir um 0:03 Uhr in die Fahrkiste am Bahnhof Grevesmühlen steigen können. Ich durfte auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, die Reisetasche längs im Fußraum ergab einen superbequemen Liegesitz und ich durfte mich chauffieren lassen.
Hier fahren wir durch den Algenschmodder, noch vor der Brücke über den Fehmarnsund.

Hier habe ich den Schmodder mal weg gemacht – so ungefähr hat es dann westlich von Fehmarn ausgesehen.
