Heute stand ein Ausflug nach Rostock an. Es lässt sich immer etwas lernen.

Man ist dort nur noch eine Nummer. Wie anonym – wird mancher Besucher denken. Aber vielleicht ist das ja Absicht. Denn dadurch entfällt schonmal ein „Herr Maier bitte in Zimmer 9“-Aufruf – ein Beitrag zum Datenschutz. Mir ist es tatsächlich schonmal passiert, dass ich durch so einen Aufruf jemanden erkannt habe. Dennoch … es ist schon kurios. Sehr kurios sogar. Es ist erstaunlich wie viele kranke Menschen es gibt und wie diese Menschen kostenoptimiert durch die Klinik geschleust werden. Ich versuche die Menschen immer mal wieder aufzumuntern. Mir war an meinem Warteplatz etwas langweilig. Also habe ich auch angefangen mit meinem Händi zu spielen. Just in dem Moment wurde die Nummer aufgerufen. Der Frau neben mir, die eine niedrigere Nummer hatte, sagte ich: Ich habe heraus gefunden wie es funktioniert. Man muss nur anfangen an seinem Händi zu spielen und schon wird man aufgerufen. Sie fand es nicht so lustig und fragte mich, ob ich tatsächlich glaube, dass es so funktioniert. Und ich sagte dann allen Ernstes: ja, ich habe es soeben ausprobiert.

Der nächste Wartebereich wartet auch sofort. Es ist wie in einem echten Adventure. Wenn man durch eine Station durch ist, kommt die nächste Station …

Mir ist gestern die Conclusion nicht mehr eingefallen. Deswegen wird sie hier nachgeliefert. Sie heißt ganz klar:
Warum sollten wir uns im Nebel des Glaubens aufhalten, wenn wir auch in der Klarheit des Wissens leben können.
Um 18 Uhr wusste ich noch nicht was es heute zu Essen geben würde. Ich war mir unschlüssig. Ich hatte einen Spaghettirest von gestern. Den hätte ich gut auch nochmal aufheben können. Ich hatte noch drei Scheiben Fleischkäse. Mit der Unschlüssigkeit bin ich dann in die Küche gegangen. Ich hätte alles aufbrutzeln können, vielleicht noch ein Ei dazu. Hm. Irgendwie nicht. Was hättet ihr gemacht? Ich hätte einen Nudelsalat machen können und den Fleischkäse rein schnibbeln können. Hm. Irgendwie nicht. Da geht doch noch mehr. Ich habe mich schließlich für einen Spaghettisalat Sepciale entschieden. Der Fleischkäse wurde angebraten und es gab eine Portion Röstzwiebeln dazu. Eine Besucherin meinte, dass ich ja wirklich kreativ wäre und immer was tolles machen würde. Naja … es ist halt mein Job. Und er macht mir auch Spaß. Ich bin froh, dass ich nicht Musiker geworden bin. Da hätte ich auch immer das spielen müssen, was von mir durch den Geldgeber verlangt würde. Und so bin ich auch froh, dass ich nicht Koch geworden bin. Da hätte ich nicht jeden Tag irgendwas neues erfinden können.
Jetzt aber noch zum Spaghettisalat Speciale. Das Speciale daran ist nämlich, dass einer keine Mayonnaise mag. Also wirklich nicht. Ich will auch niemanden erziehen oder zwingen etwas zu essen was er nicht mag. Es ist ja Quatsch, denn die meisten Sachen werden ja auch gern gegessen. Ja, man kann Nudelsalat ohne Mayonnaise machen. Aber wenn man doch schon die leckerste selbst gemachte Mayonnaise im Kühlschrank hat … Ich hatte mir noch überlegt, ob ich eine Nudelsalatsauce mit Joghurt machen soll. Das habe ich auch schon gemacht und es ist nicht schlecht. Aber irgendwie wollte ich das heute nicht. Daher habe ich schlicht Nudelsalat Nature gemacht. Ein bisschen Öl und wenig Balsamico. Fertig. Der schmeckte schon gar nicht schlecht und wurde so auch verzehrt. Optional konnte man sich dann noch seine eigene Nudelsalatsauce dazu kreieren.

Ich habe das dann kurzerhand schonmal als Vorgeburtstagsessen deklariert. Morgen ist glaube ich wieder Volleyball. Übermorgen kommt Besuch. Der bleibt bis Sonntag. Und dann ist auch schon Montag. Ohne Geburtstagsessen ist doof. Es kam gut an und kam auch gut weg.
Um das jetzt auch mal zu betonen … es ist zwar absolut schädlich, auch für die Jungs, dass ich das nicht gemeinsam mit der Mutter erleben kann. Stichwort geteilte Freude usw. Einerseits. Andererseits muss ich aber mit niemandem vorher oder nachher besprechen, was ich denn koche, was mit dem Spaghettirest passiert und warum die Zwiebeln so dunkel geröstet sind und warum jetzt zwei offene Gläser Oliven im Kühlschrank stehen (ich hatte das offene Glas im Chaos schlicht übersehen). Es ist schon etwas bekloppt, aber ich bin bei allem was hier geschieht der alleinige verantwortliche Chef. Vor- und Nachteil gleichzeitig.
Der eine Junge hatte heute in seinem Praktikum einen Lötkurs und hat eine Maschine gelötet. Der andere hat seine Drohne repariert, indem er von der einen Drohne einen Motor ausgebaut und abgelötet hat und an die andere Drohne anmontiert und angelötet hat. Mit 15. Und einen anderen Propeller hat er auch drauf montiert. Dann folgte ein erfolgreicher Probestart auf der Terrasse und anschließend ein ausgiebiger Erprobungsflug …
Hier noch ein Bild von vor 17 Jahren. Es hat den Titel „Schöne Aussicht“. Ort: Pfaffenberg/Südschwarzwald, Blick ins Wiesental. Von diesem Bild ließ sich übrigens der berühmte Malermeister Caspar David Friedrich für seine Werke inspirieren.
