Ich liege in einem 3er Zimmer auf einer falschen Station. Von Urologie haben sie hier keine Ahnung. Einer der Zimmerkollegen ist ein Uropa, stark übergewichtig mit Diabetes. Er ist seit 5 Wochen hier und hat nur noch zweieinhalb Zehen. Seine Enkeltochter macht eine Ausbildung in der Klinik und hat ihn gestern besucht. Er erzählt mir seine Leidensgeschichte. Während ich dies morgens um 4 Uhr schreibe arbeitet seine Beatmungsmaschine, die sich anhört wie ein Staubsauger. Dazu hört sich sein Atem zeitweise an wie ein Rasenmäher. Er erzählte auch von seiner Familie. Da lässt keiner den anderen allein. Mecklenburg. Der andere Kollege redet nicht so viel. Er hatte einen Motoradunfall. Fuß kaputt, Hand kaputt. Er muss mehrfach operiert werden. Seine hübsche Freundin war zu Besuch und hat ihm geholfen sich zu duschen. Er liest von Ulrike Guérot Wer schweigt stimmt zu.
Ich war froh, als das Abendessen kam. Ich hatte solchen Hunger, dass ich mein Lieblingshobby Essen fotografieren vergessen habe …

Abends läuft Fußball im Fernsehen. Spanien gewinnt gegen Frankreich 2:0.
Ich sollte vermeiden künftig noch einmal in ein Ostkrankenhaus zu gehen. Gesund ist das hier nicht wirklich. Hoffe nur, dass ich hier bald weg bin … Ich verstehe nun sehr viel besser alle Geschichten, die ich von Nachbarn mit Krankenhauserfahrung höre. Auch wenn ich längere Zeit hier herum liegen würde, besuchen würde mich hier niemand.