Ich suche mir immer wieder Herausforderungen. Einige gelingen mir dann nur teilweise. Das gehört zu Herausforderung dazu. Scheitern ist ganz klar erlaubt.

Auf dem Bild seht ihr eine ganz spezielle Herausforderung. Normale Häuser sind mit einer Drainage umgeben. Diese ist meistens mit Kies aufgefüllt. Pflanzenwachstum ist da eher unerwünscht. Häuser werden ja von Menschen erdacht und erbaut, um eine gewisse Abgrenzung zur Natur zu haben. Ich weiß zwar, dass es viele Menschen gibt, die sich speziell verrottende Pflanzenteile in die Wohnung holen. Das lassen wir hier einfach mal weg. In aller Regel schadet Pflanzenbewuchs dem Gebäude. Bei unserem Haus haben sich die früheren Bewohner viel Mühe gegeben, in der Drainage Pflanzen wachsen zu lassen. Und zugegeben, sie haben dort super Wachstumsbedingungen. Sie können tief wurzeln, finden dort ausgesprochen günstige Feuchtigkeitsbedingungen, stehen von der Hauswand geschützt – es gibt Pflanzen, die ein schlechteres Leben haben. In der Vergangenheit habe ich dann aus Verzweiflung die Pflanzen immer oberflächlich gekappt und abgerupft, ein wenig nachhaltiges Verfahren. Über die Jahre werden die Wurzeln immer dicker und kräftiger … Kürzlich hatte ich mal Gartenhelfer, denen hätte ich die Aufgabe gerne übertragen die Drainage gegen Bezahlung aufzugraben. Sie hatten aber keine Lust dazu. Neulich meinte auch mal jemand zu mir, dass das Männerarbeit wäre.
Ich habe die Herausforderung gestern mal angenommen. Ich bin dann auch nicht sehr weit gekommen. Leider habe ich keinen Minibagger, mit dem ich da vorsichtig rein graben könnte. Von Hand muss ich mich durch ein Gemisch aus Steinen, Wurzelfilz, dickeren Wurzeln und Erde graben. Das ist ziemlich mühsam und ich verstehe jeden Menschen, der darauf einfach keine Lust hat. Der Unterschied zur anderen Herausforderung ist, dass diese Herausforderung wenig von anderen Menschen abhängt. Ich brauche nur Geduld und eine gewisse innere Hartnäckigkeit. Ich brauche ein bisschen Tiefbauwerkzeug und schon kann es los gehen. Jede ausgegrabene Wurzel ist ein kleines Erfolgserlebnis. Es geht zwar eher zentimeterweise vorwärts, aber es geht vorwärts. Ich bin draußen, ich bewege mich an der frischen Luft. Und wenn mir die Lust ausgeht, dann mache ich einfach eine Pause. Ein kleines Problemchen gibt es natürlich. Wenn ich das jetzt halbwegs nachhaltig machen würde, dann würde ich das Erde-Steine-Gemisch entsorgen und die Drainage mit Kies auffüllen. Das mache ich im Moment erst einmal nicht. Ich habe zwei Schubkarren voll heraus gegraben und schütte nun immer vom ausgegrabenen Material in den bereits ausgegrabenen Graben. Ich kann ja dann beobachten, ob sich wieder neuer Bewuchs entwickelt. Dann kann ich das Material immer noch austauschen. Und überhaupt … erst einmal schauen wie weit ich komme 😀.
Ist es nun Männerarbeit oder nicht? Nicht wirklich. Manneskraft braucht man dafür nicht. Besonders viel Kraft braucht man dafür auch nicht. Geduld und Hartnäckigkeit und die Wahl des geeigneten Werkzeugs reicht. Die Einteilung in Männerarbeit oder nicht scheint mir meist auch eher nach Gutdünken zu erfolgen. Was unangenehm ist, ist ganz klar Männerarbeit. Abflussreinigung zum Beispiel. Mir ist das ziemlich egal. Ich scheue mich auch nicht vor Aufgaben, die andere Menschen als Frauenarbeit bezeichnen würden. Im Gegenteil. Ich finde es bereichernd möglichst viele Aufgaben zu kennen und zu beherrschen. Aber gut … die Welt wird noch eine Zeit lang brauchen bis zur echten Geschlechtergerechtigkeit.