Vielleicht wollt ihr ja mal wissen, was aus der Herausforderung geworden ist. Die Antwort ist kurz: nichts. Die Geschichte dahinter ist dann doch etwas länger. Und es gibt weitere Erkenntnisse. Die Erkenntnisse sind eher ernüchternd – zumindest für mich und die kaputte Dorfidee. Meine neuesten Erkenntnisse habe ich so in der Praxis erlebt und durch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt bekommen: Sympathie oder Anziehung hat keine Korrelation zu Selektionsmerkmalen.
Um es mal an einem Beispiel zu verdeutlichen. Hanne steht auf muskulöse und männliche Typen und wischt sich entsprechend durch Tinder & Co. durch. Wer nicht ihrem Typ entspricht, wird nach links gewischt. Im Reallife ist sie aber selbst überrascht, als sie merkt, dass sie mit ihrem schmächtigen und wenig muskulösen Kollegen Ralf gut harmoniert und sich von ihm angezogen fühlt. Oder anders gesagt: diese ganze Vorselektion in den Datingportalen ist für den Arsch. Von wem man sich angezogen fühlt, entscheiden ganz andere Faktoren, die in den Datingportalen gar nicht abgebildet werden können. Das ist natürlich kein Ausschlusskriterium. Natürlich kann es sein, dass es auch im Reallife mal matcht, wenn es im Datingportal matcht. Es macht den Erfolg der Herausforderung einfach nochmal um einen Faktor x komplexer – oder unwahrscheinlicher. Wenn ich Kriterien anlege, die 90% aller Frauen ausschließen und die Frauen Kriterien anlegen, die 90% aller Männer ausschließen, dann bleibt noch genau 1% an matchenden Paarmöglichkeiten übrig, genauer könnten es sogar etwas mehr sein, da es ja überschneidende Ausschlusskriterien geben wird.
And here we go … Mein Aktionismus hat mich zwar zu einigen Blinddates gebracht. Die waren auch zumindest bereichernd – für die Mineralölindustrie, die Automobilindustrie, die Gastronomie – nein, Quatsch … natürlich auch für mich. Es ist so krass im eigenen Hirn zu erleben wie unterschiedlich Menschen bei näherem Hinsehen sind. Und ja, ich schaue dann schon genau hin, wenn ich einen anderen Menschen nicht ganz absichtslos treffe. Auch haben sich ganz klare Ausschlusskriterien gezeigt. Eine spirituelle Frau passt definitiv nicht zu mir. Wir werden da immer in krass unterschiedlichen Welten unterwegs sein. Echte Gespräche über Erkenntnisse sind da kaum möglich. Auch über alltägliche Erlebnisse kann man sich da schwer austauschen. Eine Frau mit Kind kommt nicht infrage. Es war schon töricht mit Kindern hierher zu ziehen. Der Preis für das Kind ist einfach zu hoch.
Weiterhin habe ich nicht eine einzige Frau getroffen, die nicht ein meist systembedingtes mehr oder weniger starkes Trauma der emotionalen Entbehrung in der frühen Kindheit erlebt hat. Ich habe keine Zahlen dazu und auch Westfrauen haben häufig emotionale Entbehrung in der Kindheit erlebt. Es ist ein allgemein weit verbreitetes gesellschaftliches Phänomen. Die Geschichten, die ich gehört habe, sind aber teilweise krass. Ein Beispiel? Eine Frau wurde wenige Wochen nach der Geburt von ihrer Mutter zu ihrer Oma gegeben. Nach einiger Zeit rettete eine Nachbarin der Oma das Kind vor Vernachlässigung. Sie hat beobachtet, dass das Kind ständig schreit und die Oma sich nicht kümmert. Das Kind hat also ein mehrfaches Trauma erlebt. Zum einen, dass es von seiner Mutter weg gegeben wurde. Danach hat es erlebt, dass es von der Betreuungsperson vernachlässigt wurde. Die Wunden liegen tief und wirken lebenslang auf das Bindungsverhalten.
Die ganze Aktion hat ziemlich viel Zeit und Energie gekostet. Daher habe ich das Engagement deutlich zurück geschraubt. Es kann nicht darum gehen so viel Blinddates wie möglich zu haben. Es geht nur darum die eine richtige zu finden. Es geht darum nicht zu verzweifeln, nicht verrückt zu werden und offen zu bleiben für Neues. Es geht darum, dem Zufall das Türchen immer einen Spalt zweit offen zu halten, dem Zufall aus jeder Richtung. Vielleicht werde ich ja doch noch spirituell … ?
Stilblüten …

Damit nicht jemand auf die Idee kommt und diese hübsche Dame per KI zu identifizieren, habe ich ihr eine hübsche gelbe Augen-Nasen-Maske angezogen. Ja, das Bild ist aus einer Dating App. Das andere Bild der gleichen Dame sieht so aus:

Hier habe ich ihr eine hübsche graue Augen-Nasen-Maske angezogen, aus gleichen Gründen. Wie heißt es so schön? Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Ich muss hier nicht einmal hinschreiben, welchen Beruf die Dame ausübt. Schon ein einziges Bild drückt das ganze Dilemma dieser Welt aus. Bei der Herausforderung muss ich hunderte, ja tausende solcher Eindrücke ertragen, einordnen und verarbeiten. Das verursacht ähnliche Spuren, Folgen und Schäden im Hirn wie Gewaltvideos anzuschauen. Einzelnen Damen habe ich schon Tipps gegeben, beispielsweise wenn sie emphatisch statt empathisch schreiben. Wochen später komme ich dann wieder auf das Profil und es steht noch der gleiche Quatsch drin.
In vielen Profilen lese ich „Zu zweit ist das Leben einfach schöner …“ WTF – ja, zum Henker, warum stellen diese Menschen wohl ein Profil auf einem Datingportal ein? Vielleicht weil sie sich das Leben zur Hölle machen wollen? Die gleiche Person beschreibt sich dann als „Scharfsinnig“. Und nein, das ist keine Satire. Blödheit ist das neue scharfsinnig. Es gibt immer wieder kuriose Kombinationen. Frauen beschreiben sich als christlich und geben „alles kann, nichts muss“ an. lol. Die christliche Religion wurde extra dafür erfunden, dass nicht „alles kann“ … Oder sie schreiben, dass sie nicht abergläubisch wären, finden dann aber Astrologie und Globuli cool. Nein, das ist keine Satire. Oder: empathisch und politische Richtung liberal oder politische Mitte. Es gibt nichts, was es nicht gibt.
Sonnenbrillenbilder, Saufbilder, Bilder mit schicken Autos und Motorrädern, auf Yachten und in glamourösen Umgebungen, Bilder, die eindeutig älter als zehn Jahre sind. Es gibt unter mehreren tausend Profilen kein einziges Profil, bei dem ich wirklich sagen könnte „Ja … das!“. Und trotzdem mache ich weiter. Ich stelle meinen Fokus auf unscharf. Das heißt, dass ich eine gewisse Toleranz mitbringe. Ich weiß selbst wie blöd es ist von sich selbst ordentliche Selfies zu machen. Ich verstehe, dass man sich nicht zum Fotografen bewegt und sich dort damit outet, dass man Bilder für online Dating braucht. Ich verstehe, dass es nicht so einfach ist einen authentischen, ansprechenden und aussagekräftigen Text über sich selbst zu verfassen. Das geht mir ja genauso. Aber wäre nicht ein Mindestmaß an Mühe möglich? Es geht doch schließlich um das eigene Leben.
Dating im wirklichen Leben ist hier ähnlich erfolgversprechend. Ich übe schon wildfremde Menschen anzusprechen. Ob ich mal so einen Kurs buchen soll, in dem man lernt offensiv auf andere Menschen zuzugehen? Auch davon bin ich nicht so wirklich überzeugt, sonst hätte ich es sicher schon gemacht.
Nein Freunde. Erst einmal bleibt alles so wie es ist.
Herr, schmeiß Hirn vom Himmel. Ich habe gerade ein Buch gefunden, welches das Phänomen etwa erklären will, weshalb der Herr eben kein Hirn vom Himmel regnen lässt.

Die Titelgrafik passt.