Bei uns gibt es keinen Essensplan. Ich kaufe irgendwelches Zeug ein. Daraus bastel ich dann täglich irgendein Essen, besser gesagt zwei Essen. Es gibt bei uns Frühstück und Abendessen. Für die Zwischendurchverpflegung ist auch genügend Material an Bord, so dass sich jeder nach eigenen Bedürfnissen etwas machen kann. Abendessen gibt es meistens um 19 Uhr, wenn es nicht aus irgendeinem Grunde zu einer anderen Zeit Abendessen gibt. Frühstück gibt es meistens vor 10 Uhr. Heute habe ich zweimal gefrühstückt. Einer hatte früher Hunger, der andere kam später. Die Idee ist, dass wir gut und entspannt leben. Deswegen entfällt auch das Mittagessen als Pflichtveranstaltung. Gestern gab es Rührei mit frischen Brötchen. Weil gestern Chorprobe war … ach so … das wäre jetzt eine spezielle Geschichte … also die Probe fiel aus, ich habe davon aber nichts erfahren … egal … ich war jedenfalls einkaufen und da gab es dann frische Brötchen mit Rührei. Ein Baguette habe ich auch geholt. Das musste dann heute weg.

Das wurde so gemacht: 1 Becher Creme fraiche, 1 Pack geriebener Käse, 3 Scheiben Schwarzwälder Schinken, 1 Zwiebel, Knoblauch, Chili, Pfeffer. Zwiebel klein schneiden und vorsichtig gelb braten, Schinken klein schneiden und dazu. Dann alles vermischen. Baguette aufschneiden, mit Butter bestreichen, dann die Matsche darauf verteilen. Und ab in den Backofen. Ich gucke mir in letzter Zeit auch mal so Videos an, in denen ein Experte so Tiefkühlzeugs nachmacht. Gemäß Zutatenliste: ein Chemiebaukasten. Ehrlich: es ist ekelhaft. Und das echte Rezept ist eigentlich wirklich schnell gemacht. Es braucht schon etwas länger, als wenn man eine Tiefkühlpackung aufreißt. Aber ehrlich: es schmeckt auch einfach anders. Hier hat die Grillstufe des Backofens noch etwa zwei Minuten nachgeholfen.
Ich berücksichtige dabei, dass es gewisse Sachen gibt, die jemand nicht so gern isst. Das sind nicht sehr viele Sachen und es ist kein Problem das zu berücksichtigen.
Dafür bekomme ich fast täglich ein Lob für das aufgetischte Essen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich Spaß an der Küchenarbeit habe. Es ist immer so kreativ. Ich weiß vorher nicht was raus kommt. Heute wurden noch rohe Paprika dazu gereicht. Und es wurden Geschichten erzählt. Es könnte uns schlechter gehen im irren Leben.
Ich habe gestern ein Video von Verena König angeschaut. Verena König ist Traumaexpertin. Das Video ist kurz. Sie erzählt, dass ihr Hund Lola nach 15 Jahren gestorben ist. Vorher spricht sie eine Triggerwarnung aus. Es ist dann doch erstaunlich, dass eine Traumaexpertin durch den Tod ihres Hundes erst einmal ziemlich aus der Bahn geworfen ist. Ich bin dankbar für dieses authentische Video. Denn es bestätigt sich einmal mehr: wirklich schlimme Lebensereignisse dürfen ihre Spuren hinterlassen. Es ist nicht unnormal, dass Verluste und traumatische Ereignisse nachwirken. Im Gegenteil: es ist normal. Es wäre unnormal, wenn dies nicht so wäre. Daher wird unser Leben weiterhin irr bleiben. Wir werden es nicht heilen können. Anders als bei einem Hund, bei dem man ja vorher schon weiß, dass er irgendwann sterben wird, ein Hundeleben ist kürzer als ein Menschenleben, man kann nach einer gewissen Zeit wieder einen Hund anschaffen, geht das bei einer kaputten Familie nicht. Egal wie man es dreht, egal wie man es wendet, egal was man tut, egal was man lässt, egal mit wieviel Alkohol man versucht irgendetwas zu kompensieren, es wird nichts, die Familie bleibt einfach kaputt. Jeden Tag. Es gibt kein Entkommen. Niemals. Auch über den Tod hinaus gibt es kein Entkommen, denn die folgende Generation trägt das Trauma einfach weiter.
Nachtrag: wenn ihr euch den Podcast „Kleiner Gruß aus dem Rückzug (Abschied von Lola)“ von Verena König auch anhören wollt, folgt einfach diesem Link.
Habt einen schönen Sonntag!