Der eine Junge bleibt heute zu Hause. Der andere geht in die Schule und wird vom Fahrdienst gebracht. Er hat auch in Wismar gegessen.
Mein Tag war eingeschränkt produktiv. Also nicht so wahnsinnig doll.
Ich nehme eine Speditionssendung mit einem Tisch für den Nachbarn entgegen. Der Fahrer ist wenig kooperativ. Ich mache ihm aber freundlich klar, dass er die Sendung auch gerne wieder mitnehmen kann. Der Tisch soll nämlich ins Carport. Das war ihm irgendwie zu viel. Nach zwei Minuten steht die Palette dann doch im Carport. Der arme Fahrer …
Der Mechaniker für die Solarthermie kommt auch. Vor einem Jahr habe ich ihn schon mal alarmiert. Da kam er nicht und ich habe einen anderen Experten beauftragt. Der hat es dann mal schnell mit einem Betrug versucht (doppeltes Material abrechnen). Irgendwie ist hier manchmal voll Mecklenburg. Immerhin kommt heute ein Experte. Er untersucht das Phänomen, wird fündig und wird wieder kommen. Immerhin.
Die Toilettensanierung in Lörracher Haus hat eine unerfreuliche Wendung genommen. Der Sanitärinstallateur muss ins Krankenhaus. Gute Besserung!
Der Nachbar kommt. Einen Teil der Sendung laden wir in den Transporter. Ich fahre ihm die Sendung zu seinem Haus. Er schenkt mir ein Spezialwerkzeug – eine Querverlängerung für die Ratsche. Wao – das ist Nachbarschaft in Tressow. Das Werkzeug könnte mal sehr nützlich werden.
Mit der neuen Challenge habe ich mir echt einen mentalen Kraftakt aufgeladen. Ich muss nicht nur neue Kontakte eröffnen. Schon das allein ist ziemlich ätzend. Ich klicke mich durch eine heterogene Masse an Profilen. Der Algorithmus des Portals übernimmt die Vorsortierung. Die ist allerdings ziemlich mangelhaft. Dann geht es um kriminalistischen Spürsinn, was für ein Mensch sich hinter den teils pauschalen, dürftigen, einseitigen, optimierten Bildern mit Sonnenbrillen oder Händis vor dem Gesicht, Texten und Angaben verbirgt. Dabei darf ich keinesfalls die Nadel im Heuhaufen übersehen. Ich darf aber auch nicht zu viele Profile anschreiben. Also Gießkannenprinzip ist so gar nicht ideal. Die Erstsortierung ist eine Kombination aus Gefühl und Faktencheck. Im Zweifelsfall dann doch lieber anschreiben.
Gerade habe ich festgestellt, dass ich unterschiedlich vorgehe, je nachdem, ob ich gerade eine positive Nachricht erhalten habe oder ob ich schon länger keine Nachricht mehr erhalten habe. Wenn ich gerade eine positive, freundliche, aussagekräftige Nachricht erhalten habe, sortiere ich schneller und leichter aus, es landen also weniger Profile im Töpfchen. Das Problem ist, dass es wirklich viele Faktoren gibt, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Da ist einerseits das eigene Profil – mit den dürftigen Bildern … und dem selbst gebastelten Text. Ich weiß, dass ich eine recht gute Selbsteinschätzung habe, ich weiß, dass ich keine schlechten Texte verfasse. Nur: das hier ist echte Profiarbeit. Ich weiß relativ wenig, wie meine Texte in der Wirklichkeit wirken. Eine Lektorin habe ich schon gebeten da mal drüber zu schauen. Ob sie es aber tatsächlich macht steht eher in den Sternen.
Als nächster Faktor kommt meine Selektion. Dass Frauen von sich aus aktiv werden ist ausgesprochen selten. Und wenn sie es werden, kann ich das Profil eigentlich schon weg klicken. Ich stehe wirklich nicht auf spirituelle Omis um die 70. Ich fühle mich zwar geehrt. Aber eine Perspektive sieht dann doch anders aus. Dann gibt es verschiedenste weitere Faktoren. Spielt die Tageszeit eine Rolle, wann ich ein Profil anschreibe? Und dann … ja … der Anschreibetext. Er soll individuell sein, er soll leicht sein, er soll einen Anknüpfungspunkt für eine Antwort enthalten.
Immerhin bin ich Web-Entwickler, das verschafft mir kleine Vorteile. Zum einen weiß ich wie man einen Browser bedient. Es gibt das Portal auch auf dem Händi. Da ist es quasi unbedienbar. Und ich weiß, wie man ein Textfeld überredet Text aus der Zwischenablage zu übernehmen, obwohl es das eigentlich nicht soll. Das ist praktisch, da ich so den Text in Openoffice in Ruhe formulieren kann. Also das ist echte Arbeit. Und diese Arbeit findet auf einem Felde statt, in dem ich mich nicht besonders wohl fühle. Mich selbst zu präsentieren ist sicher nicht mein erster Skill.
Immerhin werde ich heute belohnt mit einem neuen Kontakt. Moni ist Lehrerin in einer Förderschule. Normalerweise gehören Lehrerinnen nicht zu meiner Zielgruppe. Sie schreibt: „Erzähl doch mal: Was gefällt dir besonders an der Gegend rund um den Tressower See?“ Und ja … ich antworte mit einer längeren Geschichte, mit einer Erzählung.
Irene schreibt mir einen bewegenden Text, den ich so nicht erwartet hätte. Ich bin berührt – das schreibe ich ihr zurück. Leider liegen zwischen uns doch einige Kilometer. Zu Anfang unserer Konversation wollte sie schon aussteigen.
Meine Skills sind dann eher in der Küche. Einer hat ja schon gegessen. Kochen tue ich trotzdem. Zum einen für den anderen. Zum anderen für die Gewohnheit. Und auch für mich. Ständig mit der Frage Nr. 1 im Kopf, die mir leider nicht ganz so leicht aus dem Kopf geht. Nennen wir sie jetzt einfach mal Frage Nr. 1, um zumindest die Begriffe und die Formulierung zu vermeiden. Ich mache eine Umfrage. Beide sagen, dass sie nur wenig Hunger haben.
Ich setze Reis auf, 300 g mit 450 ml Wasser. Ich habe herausgefunden, dass ich mit der 1,5fachen Wassermenge und geschlossenem Topfdeckel das beste Ergebnis erziele (Hausfrauentipp!). Ich schneide zwei Zucchini klein. Sie werden nacheinander in einer Bratpfanne braun gebraten. Also erst ein Zucchini, dann der andere. Dann werden Wienerlescheiben gebraten. Parallel wird Gorgonzola in Sahne geschmolzen. Über die Wienerle wird etwas Mehl gestäubt, die Zucchini dazu gefügt und mit etwas Sahne abgelöscht. Das macht schonmal einen vernünftigen Eindruck. Ich schütte dann noch einen Schluck Milch dazu. Das wars dann eigentlich auch schon. Also drei Töpfe.
Wir unterhalten uns über Kuriositäten aus dem Alltag. Über einen AfD-gläubigen Schüler und sein Verhalten. Über die morgen anstehende Theorieprüfung für den Volleyball Schiedsrichterschein. Über den morgigen Tag. Über unsere Erlebnisse (aus Gründen nur Teilweise … – Frage Nr. 1). Über die kluge Frau, die vom Adlerschiff gesprungen ist und zum Wal schwimmen wollte. Es ist immer lustig, aber auch interessant, wenn wir unsere Erkenntnisse zusammen tragen. (Frage Nr. 1). Zu meiner Freude und zu meinem Erstaunen wird dann fast alles leer gefuttert. Ich bekomme sogar ein „es hat sehr gut geschmeckt!“ von dem, der schon gegessen hat. (Frage Nr. 1).
Danach spielt einer Klavier. Und ich staune. Ehrlich. Ich staune, welche Begeisterung das Klavier wieder weckt und was beide sich auf dem Klavier beibringen. Ich wiederhole: sie werden keine Klaviervirtuosen. Aber es tritt das ein, was ich in einer E-Mail am 24. Februar 2017 an die Musikschule des Landkreises geschrieben habe …
… Die Kinder haben schon eine Klavierschule und üben daraus was ihnen Spaß macht. „Alle Vögel sind schon da“ und „Oh Du Fröhliche“ sind schon im Repertoir. Ich bin weit davon entfernt zu behaupten, dass unsere Kinder eine besondere Begabung haben und gefördert werden müssen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Sie spielen Klavier aus Freude (wie ich). Und diese Freude soll auch beim Unterricht erhalten bleiben …
(Frage Nr. 1)
Nun brennt das Feuer noch im Ofen. Es ist schon wieder Zeit Feierabend zu machen.