Eine Geschichte …

30 März

Letzte Woche habe ich 1,5 Stunden mit Angelika telefoniert. Ich schrieb davon. Angelika hat mir Grüße aufgetragen für meinen Bruder. Also rief ich heute meinen Bruder an und richtete ihm die Grüße aus. Und das ist wiederum eine Geschichte. Mein Bruder und Angelika hatten kein so intensives Verhältnis zueinander wie ich. Aber es gab eine Geschichte. Ich wieß nicht mehr, vielleicht war es vor zwanzig Jahren oder so. Keine Ahnung. Jedenfalls hatten wir gemeinsam einen Abend frei und wussten nicht so recht, was wir damit anfangen sollten. Und da sagte ich: „Lass uns Angelika besuchen“. Und wir fuhren einfach in. So auf Verdacht. Wir klingelten. Die Tür ging auf. Und wir wurden herein gebeten. Es war natürlich ein Wagnis. Denn ich konnte ja nicht davon ausgehen, dass Angelika genau an diesem Abend auch Zeit für uns hatte. Und sie hatte Zeit. Es war eine Zeitreise. So war das früher auch. Wir fuhren mit den Fahrrädern zu ihrem Haus. Und klingelten. Und dann tranken wir Tee. Und sprachen über das, was uns beschäftigte. Es ist das, was man doch jedem Menschen wünscht. Dass er mindestens einen Menschen, aber noch besser zwei oder drei kennt, die nicht nur eine offene Tür haben sondern auch ein offenes Ohr und Tee. Viel mehr braucht es nicht.

„Teacher matters“. So fasst der weltweit berühmteste Bildungsforscher John Hattie die Ergebnisse seiner langjährigen Studien zusammen. Angelika hat nie Pädagogik studiert. Und war doch die beste Lehrerin. Das muss man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen. An dieser Stelle geht nochmal ein ganz großer und tiefer Dank an sie für die vielen Tassen Tee, die wir bei ihr getrunken haben. Heute gefühlt waren es sicher tausend. – Nein, waren es sicher nicht. Aber es waren doch viele.

Ich schreib‘ euch diese Geschichte, weil ich gerade über die Theorie von Martin Seligman forsche bzw. lerne. Martin Seligman hat zum Beginn seiner Tätigkeit die Theorie der erlernten Hilflosigkeit vom Tier auf den Menschen übertragen und als eine Ursache für Depressionen erkannt. 1996 begründete er mit einer Antrittsrede als frisch gekürter Präsident der American Psychological Assosiation die Positive Psychologie. Und ich sage es nochmal: positive Prägungen in Kindheit und Jugend … so wichtig! Wirklich.

Ich mache heute ein Whatsapp Rätsel. Wer errät, was es zum Abendessen gibt, ist eingeladen.

Gestern habe ich die Crew von einem Geburtstag mit LAN-Party und Übernachtung abgeholt. Sie haben auch vom lustigen Vater des Geburtstagskindes erzählt. Da frage ich sie: wie sagt ihr zu ihm? Sie sagen, dass sie von Geburtstagskinds Papa sprechen. Sie sagen Du. Sie kennen seinen Namen nicht. Sie sagen: das ist auch ein Vorteil davon, dass wir zu dir nicht Pappa sagen. So wissen alle anderen auch wie du heißt. Wie wahr. Und nein, sie wollen von der anderen Familie nicht adoptiert werden. Wir sprechen darüber, wie Prägung wirkt.

Nach einer Whatsapp Challenge gibt es bei uns Kürbis Risotto. Nicht gerade das Lieblingsessen der Crew. Sie essen es aber trotzdem ohne Murren. Der Gewinner der Challenge kann leider nicht kommen – schade eigentlich. Eine andere Teilnehmerin wohnt dann doch zu weit weg. Schade eigentlich.

Ich schaue mir den Workshop Verhaltenstherapie mit Anke an. Klare Empfehlung! Anke hat es echt drauf. Es ist so spannend. Unter anderem: „Wir als Therapeuten haben unpolitisch zu sein“ (in der Praxis versteht sich). Und: „wir sehen eine Zunahme an depressiven Erkrankungen“. Wir lernen die Theorien über die erlernte Hilflosigkeit nach Seligman, KVT nach Beck und Lewinsohn sowie das Modell der biologischen Narben nach Aldenhoff.

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