Wir werden mal wieder Weltmeister

17 Apr.

Das Spektakel spielt sich nicht weit von hier ab. Ich könnte hin fahren, mal eben schnell. Es gibt Menschen, die für dieses Spektakel hunderte von Kilometern fahren. Mit dem Auto versteht sich. Ihr ahnt es. Ostsee, Wismarer Bucht. Insel Poel. Der Wal. Ja, der Wal beschäftigt die Nation und die Welt. Und wir werden Weltmeister. Weltweit wurde noch nie ein Buckelwal gerettet – in Deutschland wird das nun gemacht.

Freunde …

Ich gebe es zu, gelegentlich schaue ich mir den Stream auch an und ich lese die Nachrichten. Weniger wegen dem Wal. Vielmehr ist es mein Interesse am Zustand der Gesellschaft. Und wenn ich mir das Walspektakel anschaue, die Kommentare in den Streams lese und die Interviews der angereisten Touristen, die Demos, dann graut mir einmal mehr. Es ist ein wirklich fast angstvolles Grauen – und das will etwas heißen. Ich bin normalerweise nicht besonders von Angst besessen. Im Gegenteil. Ich laufe recht vertrauensvoll in der Welt herum. Und ja, ich werde auch manchmal enttäuscht. Und manchmal werde ich sogar bitter und schmerzhaft enttäuscht. An meiner Grundeinstellung ändert das nichts. Nur, was ich im Zusammenhang mit diesem Wal sehe, das jagt mir Angst in die Knochen.

Ich will jetzt nur mal das Phänomen der Weltmeisterschaft kurz auflösen. Das ist natürlich durchgeknallter Stuss. Also zum einen ist in Deutschland wirklich genug Kohle da, um so eine Rettung durchzuführen. Es geht ja nicht um das Tier. Es geht ja um Bekanntheit, um das Spektakel. Und dann ist es natürlich ein erheblicher Unterschied, ob ein Buckelwal vor Poel im Schlick liegt, oder ob er irgendwo liegt, wo drei Meter Welle steht und fünf Meter Tidenhub und wo auch nicht mal eben schweres Gerät hergeschafft werden kann, weil man einfach nicht hin kommt. Es ist vollkommen abscheulich, dass dieser eine Vorgang dann schon mal als die größte Sensation gefeiert wird, noch bevor er begonnen hat.

Es gibt noch weitere Kuriositäten. Also diese Bergung wird nun privat finanziert. Heute habe ich gelesen „könnte Millionen kosten …“. Auch das ist wieder durchgeknallt. Denn jetzt arbeiten Fachleute. Sie mussten zwar ihren Plan einreichen. Aber bei der Ausführung haben sie eben freie Hand. Da müssen weder Lobbyisten finanziert werden noch müssen irgendwelche Firmen eine schnelle Mark machen. Das ist eben der große Unterschied, ob eine Behörde Atemmasken besorgt oder ob Privatleute mit Sachverstand und Augenmaß etwas machen. Die bauen da keinen unterirdischen Bahnhof. Die bergen einen Wal und wir dürfen davon ausgehen, dass der Herr Gunz und Frau Walter-Mommert über den Daumen kalkuliert haben, was es kosten dürfte. Die Presse jubelt, so hat sie doch jede Menge Schlagzeilen. So zum Beispiel, dass jetzt ein Tierarzt aus Hawaii eingeflogen wird. So what … die Flugzeuge fliegen eh.

Unter dem Livestream wird folgender Text angezeigt: Achtung: Belastende Bilder. Wenn es Dir zu viel wird, schalte bitte ab oder mach eine Pause. Diese Bilder können Dich belasten. Achte auf Dich. Hilfe: TelefonSeelsorge 0800 1110111 | 116 123

Die Kuriosität ist: man sieht nichts. Man sieht eine ruhige Wasserfläche und ein Stück Wal, das aus dem Wasser heraus ragt. Manchmal ein Schlauchboot und Menschen. Die Bilder sind vollkommen harmlos. Belastend sind die Gedanken, die sich die Menschen zu den Bildern machen. Man sieht das Ding nicht einmal in echt. Es sein ein paar bunte Pixel auf einem Bildschirm.

Und ja … Moni regt ein Treffen an. Ansonsten denke ich darüber nach meine Aktivitäten wieder etwas zurück zu fahren. Mal sehen.

Und wir werden nochmal Weltmeister. Weltmeister in Verschwörungstheorien. Chapeau. Ich hatte gerade das Vergnügen mit Dani zu telefonieren. Einerseits ist es wirklich ein gutes Zeichen, dass ich doch in überschaubarer Zeit einige Kontakte akquirieren konnte. Bei aller Freude darüber ist der Aufprall auf dem Boden der Tatsachen dann relativ hart. Also nicht relativ hart sondern absolut hart. Ich kann jetzt nicht das Gespräch wiedergeben, weil ich es mir nicht gemerkt habe. Aber wie in wenigen Minuten so viel Verschwörungstheorien durch die Telefonleitung passen ist mir ein Rätsel. Also das wird schon mal nichts. Das wird jetzt die Übung ihr das beizubiegen. Sie hat als nächstes ein Videotelefonat angeregt.

Aber meine Aufgabe heißt ja Herausforderung. Immerhin kann ich einmal mehr eine ganze Menge lernen. Ich lerne beispielsweise, dass die Tipps der Experten, beim ersten Date oder Telefonat keine weltbewegenden Dinge zu besprechen ganz sinnvoll ist. Also so ein bisschen. Denn ich bin ja ausgesprochen dankbar, dass diese Klarheit sofort im ersten Telefonat hervorgetreten ist. Hätten wir jetzt nur über das Wetter oder über Musik gesprochen, hätte mich diese Begegnung nur noch mehr Zeit gekostet. Also was spricht eigentlich wirklich dagegen gleich Klartext zu reden? Ich habe da schon mehrfach gute Erfahrungen gemacht. Man erspart sich so einiges. Am Ende ist es auch keine Garantie. Wenn ich an meine letzte Beziehung denke, da habe ich auch Klartext geredet. Genützt hat es genau gar nichts. Egal. Wie auch immer. Klartext oder nicht. Es ist auf jeden Fall gut zu merken wie das wirkt, wenn ein unbekanntes Gegenüber einem seine ganze verquere Weltanschauung auf einmal an den Kopf ballert. Und vielleicht ist das wirklich keine so besonders gute Idee.

Wisst ihr was schön wäre? Wenn demnächst mal jemand am Horizont auftauchen würde, mit dem ein sinnvolles Gespräch leicht zustande käme … und dann nicht so schnell abreißen würde.

Daran arbeite ich mal noch ein bisschen.

Hab ich schon geschrieben, dass das dritte Modul an der Wand hängt? Freunde … verwendet Handschuhe. Das ist ein Tipp. Da ich die Module ja alleine montiere, muss ich irgendeinen Trick verwenden. Ich kam auf die Idee die Leiter als Kran zu verwenden. Das funktioniert ganz gut. Aber mit Handschuhen kann ich die Module noch viel einfacher hochziehen. Zwei Module produzieren auch schon wieder Strom. Ich habe sie einfach fliegend angeschlossen.

Morgen geht’s weiter.

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