Ich war ja gestern weg. Kommt eher selten vor. Denn das, was ich nicht hier habe, finde ich auch sonst nirgends. Meistens. Nur gestern … da hatte ich eine Einladung … ich schrieb davon. Vier Wolfgangs. Einer kam jedoch nicht. Und ja, ich gehe gerne weg. Auch weil es das Selbstbewusstsein der Crew stärkt. Und ich unter Leute komme. Und weil ich weiß, dass sie alles können. Hier ist alles was sie brauchen. Sie können sich Spiegelei oder Fertigpizza bruzzeln, Reste warm machen oder Brot oder Chips essen, die Bude auf den Kopf stellen …
Auf so Veranstaltungen geht es ja dann auch immer um die Frage „was machst du so und so und so …“. Dann erzähle ich, dass wir ein Jungshaushalt sind. Und dann kommt auch gerne so eine Frage wie „… und helfen die denn auch …?“. Und dann sind wir schon mitten im Thema drin. Nein, ich bin nicht der Ansicht, dass wir „unsere“ Kinder oder auch Kinder ganz allgemein als billige Arbeitskräfte missbrauchen sollten, die am besten all die Sachen machen die uns lästig sind. Auch wenn es Menschen gibt, die anderer Ansicht sind: sie haben sich ihre bekloppten Eltern und ihr beklopptes Dasein nicht ausgesucht. Ich weiß, auch darüber gehen die Meinungen auseinander. Das ist aber extrem fatalistisch. „Du hast dir ja selbst die Eltern ausgesucht, die dich jetzt misshandeln …“ Ich finde solche Ansichten zu 100% unbrauchbar. Wir haben Verantwortung übernommen für die Lebenwesen. Ein Leben lang. Ohne Diskussion. Und dann noch was: Kinder und Jugendliche sind keine kleine Erwachsene. „Aber sie müssen doch …“ – höre ich auch immer wieder. Und auch hier nochmal: Nein, sie müssen überhaupt nicht. Denn wenn sie müssten, dann könnten wir das auch durchsetzen. Sinnvollerweise ist sowohl physische als auch psychische Gewalt gegen Kinder und Jugendliche verboten. Nebenbei: gegen Erwachsene zwar auch … aber das ignorieren die doch ganz gerne mal … Zurück zum Thema … ich erzähle dann, auf welche unkonventionelle Säulen ich unser Zusammenleben baue und dass das ganz mächtig gut funktioniert. Die Säulen sind: Wertschätzung, Vertrauen und Verantwortung. Und meine Gesprächspartnerinnen (mwd) sind immer wieder ganz erstaunt, wenn ich erzähle, dass sie ohne Aufforderung ins Bett gehen und all sowas … was für mich selbstverständlich ist und zu unserem entspannten Leben beiträgt.
Ich habe eines meiner Lieblingsbücher verschenkt. An einen angehenden Lehrer. Und mit dem angehenden Lehrer gesprochen. Mit einem Neurologen Fachgespräche über ADHS geführt. Und gelernt, warum Wildschweine eine Wiese umbuddeln. So wertvoll! Ich gebe aber zu, es war eine auserlesene Gesellschaft.
Nun. Als ich zurück kam so um 23 Uhr war das Haus schon dunkel. Die Crew hatte sich Nudeln gekocht. Als ich zurück kam, waren die noch im Topf und einer kam und sagte, dass sie sich Nudeln gekocht hätten und ob ich noch was essen wolle. Ich war allerdings von wirklich allerfeinstem Essen noch satt. Er ging wieder hoch. Ich ging ins Bett und hörte dann noch irgendwas rappeln. Heute morgen waren die Nudeln dann in einer Box im Kühlschrank.
Ich möchte einfach, dass ihr mich versteht. Ich sehe mich sehr oft als Exot. Wenn ich höre: „man muss Kindern Grenzen setzen!“ – ich höre das oft – dann dreht sich in mir irgend etwas um. Das ist kein Spaß. Es ist mir bitterer Ernst. Denn das, was die Menschen da meinen, ist einfach nur gut gemeint. Wir müssen diese unbrauchbaren und überkommenen Ideen auf den Kopf stellen und über Bord werfen. Wir müssen vernünftige Dinge tun. Im Moment spaltet sich die Welt in empathisch und empathielos auf. Empathielos gewinnt. Grundlage davon ist, dass der Verlangensschwächere die Beziehung bestimmt. Europa wird Amerika kaum zur Kooperation zwingen können. Nur mal als ein gerade aktuelles Beispiel. Wer Zerstören will, der wird zerstören. Entweder durch Ignoranz oder durch Bomben oder durch Zölle oder Nachrichtensperren. Es gibt viele Möglichkeiten. Oder anders ausgedrückt: MAGA ist nichts anderes als Selbstverwirklichung. Also was MAGA im Großen, ist Selbstverwirklichung im Kleinen.
Bei den Kindergrenzen ist es so: je enger wir diese Grenzen setzen, desto schwieriger werden es die jungen Menschen haben ein freies Leben zu führen. Ich hab das neulich in einem Vortrag gehört. Wenn man ein Tier, welches in Gefangenschaft aufgewachsen ist in die Freiheit entlässt, dann wird es mit ziemlicher Sicherheit nicht überleben. Kinder erkennen ihre eigenen Grenzen sehr gut. Sie wissen sehr genau, wie hoch sie auf einen Baum klettern können. Sie können sehr genau abschätzen wie schnell sie rennen können ohne umzufallen. Und ja, natürlich müssen wir auf sie aufpassen. Das sollte selbstverständlich sein. Wir müssen ihnen aber vor allem auch Spielräume und möglichst viele Freiräume lassen. Nur so werden sie Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit lernen. Wir brauchen kein Schulfach „Verantwortung“. Deswegen ist auch die Frage, ob jetzt ein Schulfach „Steuererklärung“ eingerichtet werden soll sehr dumm. Es gehört zu den Skills, die sich jeder Mensch aneignen kann, wenn er Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit gelernt hat.
Ich kann da nur auf meine Erkenntnis und Erfahrung bauen. Und auf meine Studien von Biografien, von Lebenswegen. Ich weiß ja auch nicht was richtig ist und was falsch ist.
Ein gutes Beispiel hierfür ist die digitale Nutzung von Geräten. Ääääääh – ich meinte die Nutzung von digitalen Geräten. Es ist für mich aber einfacher einen neuen Satz hinzutippen als den falschen zu korrigieren. Ich hab mir da vor fast 15 Jahren mächtig Gedanken darüber gemacht, wie das denn wohl gelöst werden kann. Und ich sag’s mal so: es hat sich quasi von allein gelöst. Ich selbst war nie händisüchtig. Sie haben früh einen Computer bekommen. Keine Spielekonsole. Auf dem Händi lief gelegentlich Brio. Auf langen Autofahrten oder so. So konnten sie sich ganz spielerisch Digitalkompetenz aneignen. Vollkommen gefahrlos. Ok … wenn sie das Gerät aufgeschraubt hätten … – Nein, Spaß beiseite … Wir haben regelmäßig zusammen YT Videos angeschaut. Peppa Pig auf englisch. Sendung mit der Maus. Müllabfuhrvideos. Irgendwelche Themen. Also ich habe den Rahmen gesteckt, in dem sich die Crew ihre Digitalkompetenz erarbeitet hat. Und habe selbst versucht dabei Vorbild zu sein. Und ja, es wird heute teilweise auch bis tief in die Nacht gegamed. Das muss ich aushalten. Ich habe derzeit keine bessere Alternative.
Eines weiß ich auch: ich habe keine Garantie, dass meine Überzeugung am Ende auch zu einem glücklichen Leben von zwei Jungs führen wird. Ein wichtiger Stein ist schonmal weg gebrochen – auch darüber spreche ich immer wieder mit anderen Menschen. Und höre dann (gestern) „meine Tochter hat sehr gelitten. Sie war 21 als wir uns getrennt haben“. Und auch die, die behaupten, dass so eine Trennung doch für die Kinder „besser“ wäre: nein, wir können nicht inne rein schauen in die Kinderseelen. Niemand kann das. Ich finde es fahrlässig zu sagen: wir machen jetzt mal den Schaden und gucken dann, ob es nicht doch irgendwie gut geht. Ich weiß auch: ich präge die Crew gegen den Strom. Sie werden wohl keine Mitläufer werden. Da ich alleine bin, sind sie zu 100% meiner Fehlerhaftigkeit ausgeliefert. Es gibt keine Kompensation. Es ist eine blöde Erkenntnis, aber es ist doch eine Erkenntnis: die Natur hat es oberschlau eingerichtet, dass es ein Elternpaar gibt. Von dieser neumodischen Idee, dass ein Single ja auch ein Recht hat Eltern zu werden halte ich nicht besonders viel. E. hat es neulich in der Intensivlerngruppe sehr gut formuliert. Wenn man ein Kind adoptieren will, dann wird man durchleuchtet von vorne bis hinten und oben bis unten.
Also … ja … solche Gespräche … beim Lagerfeuer.
Noch eins ist mir aufgefallen. Früher … da wurden Lieder gesungen am Lagerfeuer. Mit Gitarre. Heute wird über Trump diskutiert. Und jetzt wiederhole ich das alles was ich oben schon geschrieben habe. Wir fluten unsere Hirne mit Bullshit. Ja, es war wunderschön am Feuer zu sitzen. Ich konnte direkt voraus den Orion sehen. Und ich konnte das Siebengestirn sehen. ich konnte trotz Mond mehr als sieben Sterne im Siebengestirn sehen. Aber dadurch, dass wir unsere Hirne mit Bullshit fluten werden unsere Hirne immer bullshitiger. Unweigerlich. Das hängt damit zusammen, dass wir nicht nicht an den berühmten blauen Elefanten denken können. Also auch, wenn wir eigentlich Bullshit ablehnen, trotzdem werden die Hirne bullshitiger. Das ist der Grund, weshalb das System auch weiter umkippt. Ich bin der Ansicht, dass der Mensch das eigentlich besser können sollte …
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