Die Tischbauchallenge

Die Challenge heißt: kann ein Computerfuzzi (Nichthandwerker) in einer mäßig ausgestatteten Bastlerwerkstatt aus einem Eichenstamm einen Tisch bauen, der als solcher erkannt und genutzt werden kann.

Die Bretter hatte ich letztes Jahr schon gesägt. Im Wald. Mit der Motorsäge. Also … ich gebe zu … ich habe das ein oder andere Hilfsmittel …

Ich nehme also den Bretterhaufen auseinander und suche mir die besten Stücke raus. Es sind erstmal drei Dielen mit jeweils ca. 30 mm Dicke. Das Sägewerk für die Motorsäge ist nicht ganz so genau.

Die Dielen schneide ich in meinem Draußensägewerk mit der Handkreissäge auf. Eine Drei-Meter-Setzlatte ist der Anschlag. Ich bemühe mich grade zu sägen. Alles was ich krumm säge ist einerseits Verschnitt, andererseits Mehrarbeit es wieder gerade zu machen. Das Holz macht einen trockenen Eindruck. Ich kann zwar die Feuchtigkeit nicht messen. Es staubt aber mehr als dass es klebt. Muss also trocken sein. Ich bin – ich merke das während solcher Arbeiten – kein Perfektionist. Ich mache was geht. Das muss reichen.

DSC_1774

Meine Leisten werden fünf bis zehn Zentimeter breit, so wie es eben kommt. Ich mache mir noch keine Gedanken wie ich die Teile füge …

Am nächsten Tag schneide ich mir die schönsten ein Meter vierzig raus. Zehn Leisten werden es dann insgesamt.

DSC_1776

Der richtige Schreiner richtet jetzt die Leisten auf seiner Abrichte ab. Auch mit einer guten Kreissäge lässt sich fügen, allerdings nicht mit einem Kreissäglein mit wackelndem Anschlag. Ich versuche es mit dem Bandschleifer. Das funktioniert mal definitiv nicht. Die Kanten werden buckliger statt gerader. Ich überlege mir eine Führungsvorrichtung für den Bandschleifer. Das geht auch nicht, weil das Gerät keine Befestigungsmöglichkeit für eine Vorrichtung hat – bis auf die Einkerbungen für den Schleifrahmen. Also versuche ich mein Glück mit einem Hobel aus dem Baumarkt.

DSC_1780

Das geht. Leidlich. Ist mühsam. Das Ergebnis sogar für mich unbefriedigend.

Eine Tischhälfte leime ich trotzdem mal.

DSC_1778

Ich schaue mir Tonnen an YT Videos an. Das führt nicht wirklich zu Erfolgen. Allerdings zu Erkenntnissen. Die Haupterkenntnis heißt: YT Videos sind doof. Sie nützen hauptsächlich den Videomachern. Beim Ansehen macht sich beim Betrachter viel Frust breit. Man sieht große, aufgeräumte, hell erleuchtete Werkstätten mit neuesten Geräten und Menschen, die mühelos die kompliziertesten Sachen bauen. Die Menschen arbeiten mit gradesten Brettern oder mit Holz vom Holzhandel, welches sich mühelos in die gewünschte Form bringen lässt. Sie zaubern die tollsten Vorrichtungen aus dem Ärmel oder einer Werkstattecke, mit denen sie die übelsten Sachen zustande bringen. Das hilft mir nicht viel weiter.

Jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten: das Bauprojekt canceln. Einen Fachbetrieb suchen, der mir das Zeug hobelt. Irgendwie weiter basteln. Neues Gadget.

Welches Gadget könnte meine Not lindern? Große Maschinen fallen aus. Zu teuer. Kein Platz. Bei den kleineren Maschinen ist das so eine Sache. Ich entscheide mich für einen Elektrohobel, wobei mir da die YT Videos durchaus eine gewisse Orientierung waren.

DSC_1781

Hier seht ihr das Gerät und meine Abrichtvorrichtung. Die Aluschienen sind so ausgerichtet, dass ich den Hobel darauf entlang führen kann, bis er nichts mehr abhobelt. Das Ergebnis ist zum einen sehr viel schneller erreicht als mit dem nicht elektrischen Hobel und ist außerdem viel genauer. So entsteht die zweite Tischhälfte.

Jetzt müssen die Hälften nur noch zusammen geleimt werden.

DSC_1782

Jetzt noch ein paar Bilder aus der Draußenwerkstatt:

DSC_1785

Oberseite ungehobelt. Die Äste hatte ich einen Tag vorher mit Harz verfüllt. Auch bei der Hobeltechnik haben mir YT Videos geholfen. Erst diagonal in alle Himmelsrichtungen hobeln, dann längs hobeln. Ich prüfe immer wieder mit einem Richtscheit. Auch hier: ich hoble nicht auf Perfektion. Ich hoble, dass es gerade wird. Ganz so schlecht erscheint mir diese Vorgehensweise nicht.

DSC_1788

Oberseite fast fertig gehobelt.

DSC_1789

Das Setup erspart mir die Absauganlage.

DSC_1792

Für die Zarge schneide ich zwei Bretter aus einer weiteren Diele. Die Bretter werden gleich gehobelt und auf Länge geschnitten. Irgendwie cool und praktisch ist das neue Gadget schon.

DSC_1795

Hier die gehobelten Balken für die Füße und die Zargenteile. Jetzt müssen nur noch acht Zapfen und acht Zapfenlöcher gemacht werden, die Beine abgeschnitten werden, alle Kanten gefast, alles geschliffen, die Platte beschnitten werden, das Gestell verleimt und die Platte aufmontiert werden …

So weit die Theorie.

Solches Tun lenkt mich etwas ab vom allgemeinen Alltagswahn.

OECD-Experte Andreas Schleicher kritisiert das deutsche Bildungssystem.
Deutschland müsse sich mehr anstrengen, um den Wettlauf zwischen Technik
und Bildung zu gewinnen, findet er.

Schreibt die Süddeutsche Zeitung. Womit wir schon wieder mitten im Thema sind. Beim ersten Satz bin ich mit Herrn Schleicher einverstanden. Ob es um einen Wettlauf zwischen Technik und Bildung geht, glaube ich eher nicht. Es geht um einen Wettlauf zwischen nationaler und globaler Herausforderung und Bildung. Das ist etwas anderes. Da ist Technik eben nur ein kleinster Teilbereich und eher eine Nebenerscheinung oder Folgeerscheinung. Schleicher selbst, so weiß es die Wikipedia, ist einer der typischen Sozialprofiteure. Er wurde von seinem Professorenvater auf die Waldorfschule geschickt, nachdem er von seinen Grundschullehrern als „ungeeignet fürs Gymnasium“ eingestuft wurde. Ganz nebenbei zeigt hier die Waldorfschule ihr eigenes Bildungsversagen. Der Herr Schleicher sollte sich eher einsetzen für ein humanistisches Bildungswesen, von dem er ja selbst profitiert hat. Im Mängelbericht über das deutsche Bildungssystem trifft er wiederum einige echte Grotesken:

Zudem könnten in Deutschland nicht einmal zwei von zehn Entscheidungen, die die
Ausbildung der Kinder und Jugendlichen betreffen, direkt in den Schulen vor
Ort getroffen werden. In den Niederlanden wären es neun von zehn, was die Flexibilität
der Schulen, aber auch das Engagement von Lehrern und Eltern deutlich
fördern würde.

Schreibt die Zeitung weiter.

Nur – was macht man jetzt mit so einer Erkenntnis? Blödsinnigerweise stellen sich (fast) alle Beteiligten tot. Die Eltern tun so, als ginge es sie nichts an. Die Lehrkräfte zucken achselzuckend mit den Augenbrauen, die meisten Schüler ertragen die Behandlung klaglos, das Schulamt „überwacht nur“, ist also sowieso für gar nichts zuständig, geschweige denn verantwortlich, die Landrätin verweist auf den Föderalismus, die Landesministerin für Bildung ist mit ihrer Karriere beschäftigt und die Bildungsministerin des Bundes verweist auf die Länderebene. Der Wahnsinn hat also tiefgreifend Methode, während täglich unsere Zukunft in den Schulen etwas mehr beerdigt wird.

»Na, das Ding ist ja – wir würden hier ganz gerne Leute haben, die ihr Handwerk verstehen« – sagt der Berliner Amtsarzt Patrick Larscheid über Schwesig und Söder auf die Frage eines Journalisten im ZDF, ob einer der beiden mal im Gesundheitsamt mitarbeiten sollte. Dafür erhält er mit sofortiger Wirkung das Verbot ungenehmigt mit den Medien zu kommunizieren und kurz darauf ein Disziplinarverfahren. (SZ) Vielleicht nicht ganz unbegründet liegt Deutschland bei der Pressefreiheit auf Rang 13.

Jeder kann sich jetzt mit oder ohne Termin irgendwo mit AZ impfen lassen. Ich recherchiere und überlege, ob ich mich da angesprochen fühle. Der Nachteil: bei AZ kommt die zweite Impfung erst nach drei Monaten. Ich rechne aber damit, dass in vier bis sechs Wochen eh so viel Impfmittel zur Verfügung steht, dass ich auch ein anderes Mittel bekommen könnte. Außerdem wird es für Menschen, die eh kaum Kontakte haben gar nicht empfohlen sich außer der Reihe impfen zu lassen.

Die Zahlen gehen runter, Nordwestmecklenburg hat seit vorgestern unter 100. Die Meinung geht langsam rum, dass mit aufkommendem Sommer, zunehmender Impfrate und Immunisierung durch Erkrankung langsam wieder zur Normalität übergegangen werden kann.

Nachtrag. Der christliche Kandidat gewinnt die Landtagswahl mit Hilfe von Dreckbewurf. Herr Seehofer findet es vollkommen in Ordnung, dass Herr Maaßen für den Bundestag kandidiert. „Ich kann nur sagen, ich war mit seiner Arbeit sehr zufrieden“ – so der amtierende Innenminister in diesen Tagen an die dpa.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.