Archiv für den Monat: Februar 2020

Tag 40

Heute war Küchentag. Anne-Christin hatte sich den Nachmittag frei genommen, um mit den Jungs in Wismar auf die Eisbahn zu gehen. Klar, ich wäre auch gerne mit. Ich muss aber einsehen, dass es klüger ist hier zu bleiben … Ach nochmal … was war heute? Genau. Küchentag. Wenn man für zwei Jungs zuständig ist die Winterferien haben und dann noch Besuch kommt, dann ist das schon ein Grund in die Küche zu gehen. Eigentlich wäre auch noch Einkaufen dran gewesen – aber man kann alles übertreiben.

Wenn der Besuch zum Kaffee kommt, dann wäre doch ein Schokokuchen ganz nett. Geht ja auch schnell. Für abends habe ich Kartoffelsalat und gebratenen Fisch angekündigt. Außerdem gehen die Brötchen zu Ende. Also … Kartoffeln aufsetzen, Marinade machen, Schokoladenkuchen machen, Brötchenteig anrühren, Kartoffeln schälen und schneiden, Brötchen formen, Ofen anmachen, backen … geht ja alles parallel. Aber der Reihe nach …

Kartoffelsalat. Das kennt ihr ja. Dafür gibt es 1001 Rezepte. Seit wir (außer Jonathan, dem ging es an diesem Abend nicht so gut) bei Emma in Stuttgart am 28. Oktober letzten Jahres echten schwäbischen Kartoffelsalat genossen haben, versuche ich genau diesen nachzukochen. Obwohl ich mittlerweile die Originaltipps der schwäbischen Hausfrau (78) habe, schmeckt der Kartoffelsalat immer noch anders. Nicht so ganz original. Die Tipps findet ihr übrigens nicht bei Chefkoch – auch sonst auf keiner Kochseite. Die gibt es nur hier. Dass ihr gute, festkochende Salatkartoffeln nehmen müsst, das wisst ihr ja schon. Diese werden warm geschält und geschnitten und warm mit der Marinade übergossen, die aus Essig, Öl, Zwiebeln, Salz, Zucker und Senf besteht. Alles kein Problem. Die Kartoffeln bitte wirklich fein schneiden. Ich mache es noch mit dem Messer. Emma hat eine spezielle Reibe dafür. Die Zwiebeln schneidet ihr bitte auch fein. Und dann lasst ihr sie in der Marinade ziehen bis sie weich sind. Und jetzt der Trick: die Marinade mit dem Zauberstab durchquirlen, bis die Zwiebeln fast nicht mehr erkennbar sind.

Der Schokoladenkuchen ist unspektakulär. Einfach nach Rezept machen. Fertig.

Die Brötchen sind auch unspektakulär. Ich mache die der Einfachheit halber aus einer Backmischung aus dem Supermarkt. Jetzt werdet ihr laut aufschreien … – mit Recht! Als ich im Herbst angefangen habe zu backen, habe ich einen Sauerteig angesetzt und wollte richtig backen. Aus Faulheit habe ich dann mal eine Backmischung aus dem Supermarkt genommen – einfach weil es schnell gehen sollte. Die haben da ungefähr fünf verschiedene Sorten. Das Kilo zu 89 Cent. So billig mische ich keinen Teig aus echten Zutaten zusammen. Nun … der Hit waren dann die Weißbrotbrötchen aus der Backmischung. Die feinen Sauerteigbrötchen blieben liegen. – Hm. Wie war das noch? Das Angebot regelt die Nachfrage? Nicht ganz. In diesem Falle regelt dann die Nachfrage das Angebot. Ihr habt es ja schon erraten … die Brötchen werden CO2 neutral im Lehmofen gebacken. Mit etwas Glück werden sie auch nicht schwarz.

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Dinkel Vollkornbrötchen – sehr lecker!

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Richtiger Schokoladenkuchen – auch sehr lecker!

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Der Fisch ist heute mal paniert.

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Das ist übrigens das Bild Nr. 45 – ungefähr. Bei 1000 gibt es eine Waschmaschine. Oder vielleicht eine andere Belohnung 🙂

Wer hier etwas neu einsteigt und die Vorgeschichte liest und die Blogeinträge liest, der merkt ziemlich schnell: da stimmt was nicht so recht zusammen! Wo ist hier die Begeisterung an der Naturnähe geblieben? Ist die Desozialisierung wirklich die Prägung, die wir den Kindern geben wollen? Zum Beispiel war ein Mädchen hier aus dem Dorf, mit dem sie gelegentlich spielen, auch eingeladen mit auf die Eisbahn zu fahren. Sie hat erst zugesagt, dann aber abgesagt, weil sie sich lieber ausruhen will … Ist die Rumfahrerei zur Musikschule, zu allen möglichen Kinderevents, zum Supermarkt und zur Arbeitsstelle in der Stadt wirklich so Öko? Erst letzte Woche hatten wir hier Besuch von einer jungen Frau mit zwei Kindern. Den Kindsvater zieht es nach Frankreich. Sie wissen noch nicht so recht wo sie hin wollen. Da haben wir Parallelen zu unserer Umgebungsfindung gefunden, die uns recht unüberlegt hierher geführt hat. Und wir waren uns sehr schnell einig: entscheidet so etwas nicht aus einer momentanen Laune, aus einer Stimmung heraus. Überlegt genau, was es für euch und die Kinder im Alltag bedeutet. Eine gewachsene Sozialisierung aufzugeben, ist ein hoher Preis. Auch wenn wir hier grade einiges verändern, sodass wir uns hier noch mehr wohl fühlen. Es könnte sein, dass dies noch nicht unser letzter Lebensort ist.

So Kinder. Ich bin müde. Mir klappen die Augen zu. Schlaft gut.

Tag 39

Der letzte „echte“ Beitrag ist über vier Jahre alt. Bodo hat hier wacker durchgehalten. Zunächst einmal einen herzlichen Dank an Bodo. Bodo ist ein sehr sehr kluges Wesen! Er konnte schon im Alter von wenigen Wochen lesen. Nun hat er seit mehr als vier Jahren hier über diesen Blog gewacht. Bodo wird uns noch eine zeitlang begleiten.

Es gibt gute Gründe, weshalb hier und heute ein weiterer Beitrag in diesem Blog erscheint. Sozusagen auf Bodos ausdrückliche Einladung für ein „gutes Jahr“. Das wünscht er zwar nicht zum erstenmal. Es gibt aber gute Gründe anzunehmen, dass dieses Jahr tatsächlich ein gutes Jahr wird.

Ich werde die letzten vier Jahre nicht lückenlos nacherzählen können oder wollen. Es hat sich einiges verändert. Das kann man wohl sagen. Zunächst muss ich jedoch mit einem Missverständnis aufräumen. Bei dem im Beitrag vom 30. Dezember 2015 abgebildeten Stein handelt es sich mitnichten um einen Grabstein. Ich habe gerüchteweise gehört, dass dieser Eindruck entstanden ist. Es handelt sich um einen Feldstein. Einen echten Mecklenburger Feldstein. In der Tat wurden zwar aus solchen Steinen vor tausenden von Jahren Gräber gebaut. Diese Zeit ist allerdings vorbei. – Bodo nickt mit dem Kopf!

Aber was ist nun der eigentliche Anlass für den Neuanfang dieses Blogs? … Lassen wir. Es gibt einiges, was nicht erzählt wird. Was war der Anlass für die Pause? … Lassen wir. Was soll ein neuer Beitrag in diesem Blog, wenn nichts erzählt wird? … Wartet ab.

Von Anschluss wollte ich schreiben. Hm. Was gibt es da zu schreiben. Die Kinder sind jetzt in der Schule. In der 3. Klasse der Grundschule Bobitz. Zahlreiche Feriengäste sind zwischenzeitlich hier angereist. Und auch wieder abgereist. Die meisten (fast alle) waren sehr zufrieden. Der Kaminofen wurde gegen einen Lehmofen ausgetauscht. Ich habe eine eigene Brennholzwirtschaft angefangen. Vor etwas zwei Jahren gab es ein neues Auto. Ich spiele immer noch genauso gern und schlecht Klavier. Wir haben neue Vokabeln gelernt. Passive Aggressivität zum Beispiel. Bindungsangst. Busstreik. Systemsprenger. Missbrauch. Wir haben gelernt uns mit suboptimalen Verhältnissen zu arrangieren. Die Wartung der Ölheizung selbst zu machen, da die örtlichen Fachhandwerksmeister entweder unfähig oder überfordert sind. Wenn dicke Steine im Weg liegen, muss man eben drüber steigen. Momentan lesen wir ein Buch, in dem auch Affenbrotbäume vorkommen. Und – gleich sind wir am Ziel angelangt … üben uns in der Kunst der Zubereitung von Bratäpfeln.

Bratäpfel kann man recht einfach haben. Internet einschalten, Rezept raussuchen und nachmachen. Es geht aber auch anders. Im do-it-yourself-Verfahren sozusagen. Was soll man schon machen, wenn man weder Dörrobst noch Rosinen noch Mandeln im Haus hat aber durchaus Äpfel vorhanden sind. Jetzt wäre es außerdem langweilig die Äpfel einfach in den Backofen zu schieben und den Ökostrom einzuschalten, wenn man denn schon einen warmen Backraum in Form eines Lehmofens hat. Back to the roots – war eigentlich mal eine der Devisen, die für den Ortswechsel sprachen. Davon sind wir weit, weit, weit entfernt. Ich habe gerade mal in unseren Kühlschrank geguckt. Es gibt dort kein einziges Lebensmittel, zu dem wir irgendeinen Bezug hätten. 100% Supermarktware. 99% Plastikverpackt. Da könnte wenigstens eine CO2-neutrale Zubereitungsart einen besonderen Bratapfel draus machen. Gestern haben die Kinder dieses Foto gemacht …

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So sah die Schüssel aus, nachdem ich die Äpfel gestern aus dem Ofen geholt habe: total verkohlt. Hm. Einfach nicht aufgepasst. Da war der Ofen wohl noch etwas zu heiß. Die Tage zuvor waren die Äpfel noch nicht ganz weich. Heute dann, neuer Versuch …

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Hier mit Blick in den Ofen, hinten seht ihr noch etwas Glut. Hmmmmm – da läuft einem ja schon das Wasser im Mund zusammen. Aber … warum nur drei Bratäpfel. Mag einer von euch keine Bratäpfel? Lassen wir. Es sind eben drei. Vielleicht waren auch nur noch drei Äpfel da. Egal.

Also hier der aktuelle Tipp, wie man Bratäpfel im Lehmofen macht …

  1. Äpfel entkernen und füllen. Ich nehme gemahlene Haselnüsse, Zucker und etwas Apfelsaft.
  2. Die Äpfel in eine feuerfeste Form stellen.

Und jetzt kommt der Trick – aufgepasst. Es kommt tatsächlich auf die Ofentemperatur an. Im Rezept steht zwar: Ofen auf 200°C vorheizen. Aber macht das mal bei einem Lehmofen. Der wird euch den Vogel zeigen. Apropos Vogel … Jonathan und ich haben heute einen Grünspecht gesehen. Also wenn ihr die Hand in den Ofen haltet, solltet ihr es etwa fünf Sekunden aushalten – so ungefähr. Wenn der Ofen sehr heiß ist und gerade erst runtergebrannt, lieber nochmal fünf Minuten warten. Dann die Form reinstellen. Nach ca. 10 Minuten die Form drehen, so dass die vorderen Äpfel hinten sind, die hinteren sind demnach vorne (das ergibt sich sozusagen von selbst). Gegebenenfalls nach 10 Minuten nochmal drehen. Die Äpfel ca. eine halbe Stunde im Ofen lassen. Immer wieder überwachen. Bevor sie schwarz werden bitte raus nehmen. Garprobe machen. Die Äpfel müssen weich sein.

Dazu gibt es entweder Grießbrei, Milchreis, Vanillesauce oder sowas ähnliches. Einfach lecker …

Es gibt noch einen weiteren Grund für einen neuerlichen Blogeintrag. Unter anderem ist mein Arbeitsplatz erstmal umgezogen – dazu gleich mehr. Das Pissgelb an den Wänden im Wohnraum ist weg! Jibbbiiiii und Hurraah!!! Endlich. Danke Anne für die viele weiße Farbe, die Akribie und die Geduld! Wahnsinn. Während ich nur ein paar Quadratmeter Decke bearbeitet habe – und das ist fleckig geworden. Egal. Hauptsache weiß. Hauptsache hell! Hier ist immer noch Mecklenburger Winter. Also meistens etwas düster und grau. Das erste Foto ist von der Baustelle. Da gab es stets feines Essen. Hier Mortadellaweckle (im Lehmofen gebacken – die Weckle; nicht die Mortadella) mit Ei oder Gurke und Krautsalat. Zum Nachtisch – ihr ahnt es schon … Bratäpfel mit Vanillesauce. Die Bratäpfel könnt ihr hier im Ofen sehen. Gegessen haben wir meistens am Draußentisch. Der bewährt sich auch sehr gut als Arbeitsbühne.

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Bild oben: Blick in die Südostecke mit Klavier und Büroarbeitsplatz.

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Blick in die Nordostecke. Auf dem Sofa sitzend hat man eine schöne Aussicht nach draußen und auf den Ofen. Super!

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Hier einmal nebeneinander – einfach nur um einen Eindruck zu bekommen vom Helligkeitsunterschied gestrichene zu ungestrichene Decke.

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Dieses Stück Decke müsste gelegentlich mal noch gestrichen werden. Wer einen guten Tipp hat, wie das schnell und schön gleichmäßig geht, gerne in die Kommentare schreiben.

Und: Samello hat heute erstmals selber Spiegeleier gemacht. Er wollte kein Rührei. Das war offenbar Motivation genug.