{"id":919,"date":"2020-02-27T23:38:08","date_gmt":"2020-02-27T21:38:08","guid":{"rendered":"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/?p=919"},"modified":"2020-02-28T18:00:33","modified_gmt":"2020-02-28T16:00:33","slug":"tag-48","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/?p=919","title":{"rendered":"Tag 48 ist computerfrei"},"content":{"rendered":"<p>Der Tag 48 ist computerfrei. Nicht f\u00fcr mich, sondern f\u00fcr die Kinder. Das \u00e4rgert mich etwas, weil es eigentlich unn\u00f6tig ist. Wenn wir in einer familienfreundlichen Umgebung wohnen w\u00fcrden &#8230; oweeeh &#8211; da stellt sich schon die erste Frage &#8211; was ist eine <em>familienfreundliche Umgebung?\u00a0<\/em>Also ich stelle mir die so vor: da sind Kinder und Erwachsene in unterschiedlichem Alter. Also die sind auch wirklich da und nicht weg, was ein gewisser Unterschied ist. Und die agieren und interagieren auch miteinander. Nicht alle st\u00e4ndig, sondern immer mal wieder einige. Manchmal auch wohlwollend, manchmal auch vorbildlich. Es gibt dort verschiedenste Aktivit\u00e4ten. Teilweise k\u00f6nnen die Kinder an diesen Aktivit\u00e4ten teilhaben. Sie k\u00f6nnen sie aber zumindest erleben. Dann stellt sich f\u00fcr die Kinder gar nicht jeden Tag die Frage ob sie denn Minecraft oder Bausimulator spielen oder Youtube Videos gucken. Der Computer hat dann einfach nicht den Stellenwert, wie er ihn hat, wenn die Kinder in einer Umgebung aufwachsen, in der es nur einen weiteren Erwachsenen als Betreuungsperson gibt. Leider gibt es dann doch hin und wieder einen Anlass, bei dem ich sagen muss, dass der n\u00e4chste Tag computerfrei ist. Es ist eigentlich doof, wenn man den Kindern ihr Lieblingsspiel untersagt. Es ist, ich kann das nicht anders benennen, auch ein Verzweiflungsakt. Nat\u00fcrlich haben sie vor dem Computer zu wenig Bewegung, was sich dann meist in abendlicher Toberei \u00e4u\u00dfert. Und erstaunlich: wenn dann wirklich computerfrei ist, wissen sie sich auch gut anderweitig zu besch\u00e4ftigen. Heute rief dann die Horterzieherin an: Samson und Jonathan bleiben l\u00e4nger im Hort. Hier haben sie dann Schnitzarbeiten angefangen und Gummiabschie\u00dfpistolen aus W\u00e4scheklammern und \u00c4sten gebastelt. Sie sind von sich aus 1,5 Stunden raus gegangen. Das ist f\u00fcr mich ein Zeichen, dass sie im Grunde keinen gro\u00dfen Schaden nehmen durch lange Computerzeiten. Der Schaden entsteht durch die mangelnde Sozialisation. Aber daf\u00fcr gibt es ja bald ein Programm an der Schule &#8230; &#8211; Oooh lieber Leser &#8211; Entschuldigung f\u00fcr den Zynismus. Der ist mir eben raus gerutscht. Aber es ist tats\u00e4chlich so: wir basteln uns mit unserer Gesellschaftsgestaltung k\u00fcnstlich Probleme, die wir dann durch irgendwelche ebenso lebensfremde Verrenkungen wieder grade biegen m\u00fcssen. Diese ganze Jagd, nach &#8222;ich bin wichtig&#8220;, &#8222;ich bin unersetzlich&#8220;, &#8222;ich muss jeden Tag zwei Stunden\u00a0f\u00fcr meine Tanzgruppe\u00a0\u00fcben&#8220;, &#8222;mein Skatclub\u00a0ist das allerwichtigste was es gibt&#8220;, &#8222;ohne mich bleibt die Welt (die Firma, das Waswei\u00dfichwas &#8230;) stehen&#8220; macht nicht nur uns selbst als Menschen kaputt, sie macht auch unsere Umwelt kaputt. Sozial und materiell. Das geht miteinander einher. Da hilft auch Greta nicht. Denn nat\u00fcrlich, wenn wir uns nicht um unser Leben k\u00fcmmern, m\u00fcssen wir zur Kompensation der inneren Unzufriedenheit auch ordentlich konsumieren. Das schlecht verdiente Geld wieder in materielle Dinge umwandeln. Das schlechte Gewissen gegen\u00fcber den Kindern in Aktionismus kompensieren. Den Mangel an Empathie mit Ablenkung ausgleichen. Damit schlie\u00dft sich eigentlich der Kreis zum letzten Post.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tag 48 ist computerfrei. Nicht f\u00fcr mich, sondern f\u00fcr die Kinder. Das \u00e4rgert mich etwas, weil es eigentlich unn\u00f6tig ist. 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