{"id":4973,"date":"2026-07-15T09:05:02","date_gmt":"2026-07-15T07:05:02","guid":{"rendered":"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/?p=4973"},"modified":"2026-07-15T14:05:07","modified_gmt":"2026-07-15T12:05:07","slug":"die-visite","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/?p=4973","title":{"rendered":"Die Visite"},"content":{"rendered":"\n<p>Um kurz nach 8 kommt das Fr\u00fchst\u00fcck (kein Foto, 1 Br\u00f6tchen, 1 kleine braune Banane, Getr\u00e4nk nach Wunsch), kurz danach kommt der Oberarzt. Er wirkt jovial &#8222;&#8230; mal schauen, wie es dem Patienten geht&#8220;. Ich habe kurz zuvor in meinem Buch gelesen, dass sich Menschen nicht so gerne von einer vorgefassten Meinung verabschieden. Ich bin also sehr freundlich und sage ihm, dass ich nach Hause muss. Da ich wei\u00df, dass auch etwas schief gehen kann, sage ich ihm, dass ich heute Ferieng\u00e4ste bekomme &#8230; Der Herr Oberarzt ist etwas ungehalten. Er ist der Ansicht, dass nur das medizinische Fachpersonal dar\u00fcber entscheiden darf wann ein Patient entlassen wird. Ich mache ein betretenes Gesicht. Er fragt dann doch, wann die G\u00e4ste kommen und wo ich hin muss. Er dr\u00fcckt dann mit Flei\u00df Gerinsel aus dem Katheter. Es sieht aber dann danach aus, dass wir uns noch einigen. Ich lerne noch einiges \u00fcber die Situation in der Urologie, bekomme einen neuen Sp\u00fclbeutel auf h\u00f6herer Geschwindigkeit, dann verabschiede ich den Herrn Oberarzt h\u00f6flich mit Dank und korrekter Anrede.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt dran f\u00fcr aktuellen Content.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe weiter Zeit Frauenprofile zu X-en oder nach links zu wischen. <\/p>\n\n\n\n<p>9.30 Uhr. Der Sp\u00fclbeutel wird geleert. Dir Stationsschwester ist voll nett und ist instruiert den Katheter raus zu machen, wenn die Sp\u00fclung durchgelaufen ist. Es sieht alles ganz gut aus. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich schreibe das hier aus ganz verschiedenen Gr\u00fcnden. Zum einen ist mir weniger langweilig wenn ich schreibe. Ich schreibe das, um meine Erlebnisse zu konservieren, um es ggf. selbst mal nachlesen zu k\u00f6nnen. Falls es euch interessiert, d\u00fcrft ihr es auch gerne lesen. Sind keine Geheimnisse dabei. <\/p>\n\n\n\n<p>9.45 Uhr gerade kam eine \u00e4ltere Ehrenamtsdame. Sie fragte, ob jemand etwas braucht. Mir fiel nichts anderes ein, also trank ich meinen Kaffee aus und fragte, ob ich noch einen Kaffee haben k\u00f6nne. Sie brachte mir einen und darauf unterhielt ich mich noch ein wenig mit ihr \u00fcber ihre Arbeit. Das war interessant und eine sch\u00f6ne Abwechslung. <\/p>\n\n\n\n<p>10:20 Uhr Die Sp\u00fclung ist durch, ich dr\u00fccke den Knopf. Und warte. Vielleicht ist Fr\u00fchst\u00fcckspause oder die Schwester besch\u00e4ftigt oder Dienstbesprechung. Im Fernsehen l\u00e4uft ein Krimi. Die Schwester kommt nach einer Viertelstunde. Katheter ist jetzt raus. Jetzt muss ich viel trinken &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>11.28 Uhr. Die nette Schwester kommt und erz\u00e4hlt, dass der Entlassungsbrief fertig gemacht wird. <\/p>\n\n\n\n<p>13.25 Uhr. Ich bin wieder am wundersch\u00f6nen Tressower See. Naja &#8230; so wirkliches Gl\u00fcck hat mir dieser See bislang noch nicht beschert. Also wenn ihr euch das \u00fcberlegt, ob ihr euch einen Lebenstraum erf\u00fcllt oder nicht, dann haltet einen Moment inne und \u00fcberlegt nochmal, ob es vern\u00fcnftig ist &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Um 11.45 Uhr wurde Mittagessen serviert. Das nahm ich an. Uuuuh &#8230; weich gekochte Nudeln mit weich gekochtem Brokkoli &#8230; und einer etwas schmierigen So\u00dfe. Wirklich fein geht anders. Aber gut. Vielleicht sollte man ihnen das einfach mal sagen, dass wenn man Nudeln &#8222;gar&#8220; kocht und dann noch warm h\u00e4lt, diese Nudeln dazu tendieren matschig zu werden? Dass breiiger Brokkoli nicht wirklich eine Delikatesse ist? Ach &#8230; wir lassen das einfach. Ich bin nicht K\u00fcchenchef einer Krankenhausgro\u00dfk\u00fcche und habe davon wirklich keine Ahnung. Vor vielen Jahren habe ich mal von einem Experiment gelesen, in dem in Kliniken etwas besseres Essen serviert wurde und sich die Heilung der Patientinnen signifikant verbessert hat. Irgendwas ist kaputt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kucke Fernsehen, wische nach links und rechts und aus Trotz schreibe ich ein paar Profile an. Ich wei\u00df schon jetzt, dass ich in Verlegenheit komme, wenn darauf jemand antwortet. Und dann passiert es wirklich. Um 12.30 Uhr kommt die Schwester und bringt mir die Entlassungspapiere. Ihr k\u00f6nnt euch kaum vorstellen, wie froh und dankbar ich war. Die aufgestaute Freude stieg in mir auf und ich musste aufpassen, dass ich das nicht zu sehr zeigte, da mein Zimmerkollege ja noch l\u00e4nger bleiben musste. Also &#8230; anziehen, Zeug zusammen r\u00e4umen und los. Ich bin dann, um meinen Kreislauf wieder etwas in Schwung zu bringen noch etwas spazieren gegangen. Es war aber echt schw\u00fcl und r\u00fcckend. Also nicht allzu lang. Der Parkautomat wollte 14 Euro Befreiungsgeld von mir.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt bin ich wieder hier. Das Fazit? Eher ern\u00fcchternd. Die Vernunft sagt, dass ich jetzt noch mindestens drei Jahre hier durchhalten muss. Wenn ich wieder ins Krankenhaus komme, werde ich dann doch versuchen in den Westen zu fahren. Auch wenn viele sagen, dass das Schweriner Krankenhaus ein &#8222;gutes&#8220; Krankenhaus ist, so verbleiben doch recht gemischte Eindr\u00fccke. Vielleicht sollte ich mich doch als Privatpatient einliefern lassen? Verdammt noch mal. Was war das nur f\u00fcr eine bekloppte Idee nach Mecklenburg zu ziehen. Klug geht anders. Nun &#8230; ich werde mich weiter durchbei\u00dfen. Eigentlich sollte dieses Anwesen hier von Menschen bewirtschaftet werden, die auch die Kapazit\u00e4t (Geld, Zeit, mentale Kraft, Interesse) daf\u00fcr haben. Das Potential w\u00e4re da.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie macht man das, wenn man erkannt hat, dass man verkackt hat? Nicht verzweifeln! Sich keine Vorw\u00fcrfe machen! Woher sollte ich wissen, dass meine damalige Partnerin (ja, auch wenn ihr das nicht glaubt und ich es selbst kaum glauben kann, sie war einmal so etwas wie eine Partnerin &#8230; lang ist&#8217;s her) so gar kein Interesse daran hatte etwas aus dem Anwesen zu machen und statt dessen ihre Selbstverwirklichung und Karriere an erste Stelle gesetzt hat. Gut &#8230; es gab schon Anzeichen. Aber auch da: es ist so geworden, mit meinem Einverst\u00e4ndnis und kann nicht zur\u00fcckgespult werden. Also. Nicht nur sich selbst keine Vorw\u00fcrfe machen. Niemandem ist ein Vorwurf zu machen und es ist so zu akzeptieren wie es ist. Alles andere w\u00e4re t\u00f6richt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich den Arztbrief durchlese und den Kommentar des Arztes mir nochmal durch den Kopf gehen lasse, dann bleiben doch Fragen offen. Wie lange hat es gedauert, bis sich diese Steine gebildet haben? Hat es mit der Operation 2022 zu tun? Wie lange wird es dauern, bis wieder solche Steine da sein werden? Offene Fragen, die niemand beantworten wird. Schaun wir mal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um kurz nach 8 kommt das Fr\u00fchst\u00fcck (kein Foto, 1 Br\u00f6tchen, 1 kleine braune Banane, Getr\u00e4nk nach Wunsch), kurz danach kommt der Oberarzt. Er wirkt jovial &#8222;&#8230; mal schauen, wie es dem Patienten geht&#8220;. 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