{"id":4505,"date":"2026-04-13T21:09:56","date_gmt":"2026-04-13T19:09:56","guid":{"rendered":"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/?p=4505"},"modified":"2026-04-14T07:57:36","modified_gmt":"2026-04-14T05:57:36","slug":"aus-dem-alltag-eines-alleinerziehenden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/?p=4505","title":{"rendered":"Aus dem Alltag eines Alleinerziehenden"},"content":{"rendered":"\n<p>Der eine Junge bleibt heute zu Hause. Der andere geht in die Schule und wird vom Fahrdienst gebracht. Er hat auch in Wismar gegessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Tag war eingeschr\u00e4nkt produktiv. Also nicht so wahnsinnig doll.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich nehme eine Speditionssendung mit einem Tisch f\u00fcr den Nachbarn entgegen. Der Fahrer ist wenig kooperativ. Ich mache ihm aber freundlich klar, dass er die Sendung auch gerne wieder mitnehmen kann. Der Tisch soll n\u00e4mlich ins Carport. Das war ihm irgendwie zu viel. Nach zwei Minuten steht die Palette dann doch im Carport. Der arme Fahrer &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mechaniker f\u00fcr die Solarthermie kommt auch. Vor einem Jahr habe ich ihn schon mal alarmiert. Da kam er nicht und ich habe einen anderen Experten beauftragt. Der hat es dann mal schnell mit einem Betrug versucht (doppeltes Material abrechnen). Irgendwie ist hier manchmal voll Mecklenburg. Immerhin kommt heute ein Experte. Er untersucht das Ph\u00e4nomen, wird f\u00fcndig und wird wieder kommen. Immerhin.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Toilettensanierung in L\u00f6rracher Haus hat eine unerfreuliche Wendung genommen. Der Sanit\u00e4rinstallateur muss ins Krankenhaus. Gute Besserung!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nachbar kommt. Einen Teil der Sendung laden wir in den Transporter. Ich fahre ihm die Sendung zu seinem Haus. Er schenkt mir ein Spezialwerkzeug &#8211; eine Querverl\u00e4ngerung f\u00fcr die Ratsche. Wao &#8211; das ist Nachbarschaft in Tressow. Das Werkzeug k\u00f6nnte mal sehr n\u00fctzlich werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der neuen Challenge habe ich mir echt einen mentalen Kraftakt aufgeladen. Ich muss nicht nur neue Kontakte er\u00f6ffnen. Schon das allein ist ziemlich \u00e4tzend. Ich klicke mich durch eine heterogene Masse an Profilen. Der Algorithmus des Portals \u00fcbernimmt die Vorsortierung. Die ist allerdings ziemlich mangelhaft. Dann geht es um kriminalistischen Sp\u00fcrsinn, was f\u00fcr ein Mensch sich hinter den teils pauschalen, d\u00fcrftigen, einseitigen, optimierten Bildern mit Sonnenbrillen oder H\u00e4ndis vor dem Gesicht, Texten und Angaben verbirgt. Dabei darf ich keinesfalls die Nadel im Heuhaufen \u00fcbersehen. Ich darf aber auch nicht zu viele Profile anschreiben. Also Gie\u00dfkannenprinzip ist so gar nicht ideal. Die Erstsortierung ist eine Kombination aus Gef\u00fchl und Faktencheck. Im Zweifelsfall dann doch lieber anschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade habe ich festgestellt, dass ich unterschiedlich vorgehe, je nachdem, ob ich gerade eine positive Nachricht erhalten habe oder ob ich schon l\u00e4nger keine Nachricht mehr erhalten habe. Wenn ich gerade eine positive, freundliche, aussagekr\u00e4ftige Nachricht erhalten habe, sortiere ich schneller und leichter aus, es landen also weniger Profile im T\u00f6pfchen. Das Problem ist, dass es wirklich viele Faktoren gibt, die \u00fcber Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Da ist einerseits das eigene Profil &#8211; mit den d\u00fcrftigen Bildern &#8230; und dem selbst gebastelten Text. Ich wei\u00df, dass ich eine recht gute Selbsteinsch\u00e4tzung habe, ich wei\u00df, dass ich keine schlechten Texte verfasse. Nur: das hier ist echte Profiarbeit. Ich wei\u00df relativ wenig, wie meine Texte in der Wirklichkeit wirken. Eine Lektorin habe ich schon gebeten da mal dr\u00fcber zu schauen. Ob sie es aber tats\u00e4chlich macht steht eher in den Sternen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als n\u00e4chster Faktor kommt meine Selektion. Dass Frauen von sich aus aktiv werden ist ausgesprochen selten. Und wenn sie es werden, kann ich das Profil eigentlich schon weg klicken. Ich stehe wirklich nicht auf spirituelle Omis um die 70. Ich f\u00fchle mich zwar geehrt. Aber eine Perspektive sieht dann doch anders aus. Dann gibt es verschiedenste weitere Faktoren. Spielt die Tageszeit eine Rolle, wann ich ein Profil anschreibe? Und dann &#8230; ja &#8230; der Anschreibetext. Er soll individuell sein, er soll leicht sein, er soll einen Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr eine Antwort enthalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Immerhin bin ich Web-Entwickler, das verschafft mir kleine Vorteile. Zum einen wei\u00df ich wie man einen Browser bedient. Es gibt das Portal auch auf dem H\u00e4ndi. Da ist es quasi unbedienbar. Und ich wei\u00df, wie man ein Textfeld \u00fcberredet Text aus der Zwischenablage zu \u00fcbernehmen, obwohl es das eigentlich nicht soll. Das ist praktisch, da ich so den Text in Openoffice in Ruhe formulieren kann. Also das ist echte Arbeit. Und diese Arbeit findet auf einem Felde statt, in dem ich mich nicht besonders wohl f\u00fchle. Mich selbst zu pr\u00e4sentieren ist sicher nicht mein erster Skill.<\/p>\n\n\n\n<p>Immerhin werde ich heute belohnt mit einem neuen Kontakt. Moni ist Lehrerin in einer F\u00f6rderschule. Normalerweise geh\u00f6ren Lehrerinnen nicht zu meiner Zielgruppe. Sie schreibt: &#8222;Erz\u00e4hl doch mal: Was gef\u00e4llt dir besonders an der Gegend rund um den Tressower See?&#8220; Und ja &#8230; ich antworte mit einer l\u00e4ngeren Geschichte, mit einer Erz\u00e4hlung.<\/p>\n\n\n\n<p>Irene schreibt mir einen bewegenden Text, den ich so nicht erwartet h\u00e4tte. Ich bin ber\u00fchrt &#8211; das schreibe ich ihr zur\u00fcck. Leider liegen zwischen uns doch einige Kilometer. Zu Anfang unserer Konversation wollte sie schon aussteigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Skills sind dann eher in der K\u00fcche. Einer hat ja schon gegessen. Kochen tue ich trotzdem. Zum einen f\u00fcr den anderen. Zum anderen f\u00fcr die Gewohnheit. Und auch f\u00fcr mich. St\u00e4ndig mit der Frage Nr. 1 im Kopf, die mir leider nicht ganz so leicht aus dem Kopf geht. Nennen wir sie jetzt einfach mal Frage Nr. 1, um zumindest die Begriffe und die Formulierung zu vermeiden. Ich mache eine Umfrage. Beide sagen, dass sie nur wenig Hunger haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich setze Reis auf, 300 g mit 450 ml Wasser. Ich habe herausgefunden, dass ich mit der 1,5fachen Wassermenge und geschlossenem Topfdeckel das beste Ergebnis erziele (Hausfrauentipp!). Ich schneide zwei Zucchini klein. Sie werden nacheinander in einer Bratpfanne braun gebraten. Also erst ein Zucchini, dann der andere. Dann werden Wienerlescheiben gebraten. Parallel wird Gorgonzola in Sahne geschmolzen. \u00dcber die Wienerle wird etwas Mehl gest\u00e4ubt, die Zucchini dazu gef\u00fcgt und mit etwas Sahne abgel\u00f6scht. Das macht schonmal einen vern\u00fcnftigen Eindruck. Ich sch\u00fctte dann noch einen Schluck Milch dazu. Das wars dann eigentlich auch schon. Also drei T\u00f6pfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir unterhalten uns \u00fcber Kuriosit\u00e4ten aus dem Alltag. \u00dcber einen AfD-gl\u00e4ubigen Sch\u00fcler und sein Verhalten. \u00dcber die morgen anstehende Theoriepr\u00fcfung f\u00fcr den Volleyball Schiedsrichterschein. \u00dcber den morgigen Tag. \u00dcber unsere Erlebnisse (aus Gr\u00fcnden nur Teilweise &#8230; &#8211; Frage Nr. 1). \u00dcber die kluge Frau, die vom Adlerschiff gesprungen ist und zum Wal schwimmen wollte. Es ist immer lustig, aber auch interessant, wenn wir unsere Erkenntnisse zusammen tragen. (Frage Nr. 1). Zu meiner Freude und zu meinem Erstaunen wird dann fast alles leer gefuttert. Ich bekomme sogar ein &#8222;es hat sehr gut geschmeckt!&#8220; von dem, der schon gegessen hat. (Frage Nr. 1).<\/p>\n\n\n\n<p>Danach spielt einer Klavier. Und ich staune. Ehrlich. Ich staune, welche Begeisterung das Klavier wieder weckt und was beide sich auf dem Klavier beibringen. Ich wiederhole: sie werden keine Klaviervirtuosen. Aber es tritt das ein, was ich in einer E-Mail am 24. Februar 2017 an die Musikschule des Landkreises geschrieben habe &#8230;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8230; Die Kinder haben schon eine Klavierschule und \u00fcben daraus was ihnen Spa\u00df macht. &#8222;Alle V\u00f6gel sind schon da&#8220; und &#8222;Oh Du Fr\u00f6hliche&#8220; sind schon im Repertoir. Ich bin weit davon entfernt zu behaupten, dass unsere Kinder eine besondere Begabung haben und gef\u00f6rdert werden m\u00fcssen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Sie spielen Klavier aus Freude (wie ich). Und diese Freude soll auch beim Unterricht erhalten bleiben &#8230;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>(Frage Nr. 1)<\/p>\n\n\n\n<p>Nun brennt das Feuer noch im Ofen. Es ist schon wieder Zeit Feierabend zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der eine Junge bleibt heute zu Hause. Der andere geht in die Schule und wird vom Fahrdienst gebracht. Er hat auch in Wismar gegessen. Mein Tag war eingeschr\u00e4nkt produktiv. Also nicht so wahnsinnig doll. 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