{"id":2015,"date":"2021-09-13T09:38:24","date_gmt":"2021-09-13T07:38:24","guid":{"rendered":"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/?p=2015"},"modified":"2021-09-13T11:38:17","modified_gmt":"2021-09-13T09:38:17","slug":"11-september-2021","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/?p=2015","title":{"rendered":"11. September 2021"},"content":{"rendered":"<p>Ich beginne meinen Tag mit Zeitung lesen &#8230;<\/p>\n<p>https:\/\/projekte.sueddeutsche.de\/artikel\/politik\/schily-und-fischer-zu-9-11-unausloeschliche-erinnerung-e109126\/<\/p>\n<p>https:\/\/projekte.sueddeutsche.de\/artikel\/politik\/ex-guant-namo-haeftling-im-interview-e338447\/<\/p>\n<p>https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/amerika\/usa-newyork-9-11-rettung-101.html<\/p>\n<p>Vor dem Haus h\u00e4ngen zwei Plakate der Nullen-Pisser-Deppen.<\/p>\n<p>Liebschers sind in Ferien gefahren. Ich darf den eingesperrten Hasen ein paar M\u00f6hren bringen.<\/p>\n<p>Was ist es eigentlich, was die Welt beinahe aus den Angeln hebt? Was l\u00e4sst eigentlich jegliche Vernunft der Menschen auf der Strecke bleiben? Wir stehen vor einer Wahl. Eine Wahl, die nichts bedeutet. Es sind Affen, die sich dort zur Wahl stellen. Und \u00c4ffinnen.<\/p>\n<p>Und wie war das bei mir? Vor 20 Jahren. Ich will doch immerhin auch mal meine Erinnerung durchkramen.<\/p>\n<p>Ich bin an diesem Tag &#8222;zur Arbeit&#8220; gefahren. Ich war bei einem Kunden in der Basler Stra\u00dfe selbst\u00e4ndig angestellt. Es war zu dieser Zeit mein gr\u00f6\u00dfter Kunde. Ich sa\u00df dort im Gro\u00dfraumb\u00fcro mit dem Vertrieb zusammen und habe Werbemittel produziert. Produktkataloge in vielen Sprachen, Internetzeugs, Anzeigen geschaltet. Ich war Teil einer Familie, die, wie Familie eben so ist, mal homogen, mal heterogen, mal harmonisch und mal nicht so harmonisch ist. Ich habe mich dort einigerma\u00dfen wohl gef\u00fchlt. Ich war ja selbst\u00e4ndig und bin dort freiwillig hin gegangen. Ich war dort akzeptiert, hatte mein Arbeitsfeld und mehr noch, ich hatte dort auch Freunde. Ich hatte sogar einen gesicherten Umsatz. Das alles f\u00fchrte dazu, dass ich im Fr\u00fchjahr 2001 beschloss mein Leben umzubauen. Ich wollte nicht mehr als Single leben. Ich suchte eine neue Bleibe. Und Menschen, die mit mir bleiben wollten. Im Sommer fand ich dann das Haus in der Baumgartnerstra\u00dfe. \u00dcber einen Makler. Es schien mir f\u00fcr meine Wohn- und Lebenszwecke gut geeignet zu sein. Mein damaliger Banker fand das auch eine gute Idee und stellte die Finanzierung daf\u00fcr auf die Beine. 660.000 Mark. Aus dem hohlen Bauch raus. Unvorstellbar viel Geld f\u00fcr mich. Das Kaufdatum war dann schon recht fr\u00fch auf Mitte September festgelegt. Ich wusste wirklich noch gar nicht, auf was ich mich da eingelassen habe. Nach der Kaufentscheidung und dem notariellen Kaufvertrag bin ich auch nicht mehr hin gegangen. Es war ja auch noch bewohnt, so konnte ich auch nicht einfach so Besichtigungen mit Interessenten machen. Zumindest waren wir schon zu dritt. Zwei Mitwohn hatte ich schon gefunden.<\/p>\n<p>So fuhr ich also auch am 11. September mit dem Fahrrad von Haagen durchs Gr\u00fctt in die Basler Stra\u00dfe, um dort irgendwelchen Kram zu machen. Bis &#8211; ja &#8230; der Chef kam ins B\u00fcro. Sichtlich ersch\u00fcttert. Ein Flugzeug &#8230; WTC. Von diesem Moment an waren wir mit in die Geschichte einbezogen. Jeder auf seine Weise. Der eine mehr ersch\u00fcttert, der andere weniger. Ich wei\u00df noch genau: ich war weniger ersch\u00fcttert. F\u00fcr mich war es nicht wirklich unfassbar, dass eine Nation, die der Welt ihre wirtschaftliche Brutalit\u00e4t aufzwingt nicht unangreifbar ist. Das hat mich nicht mehr losgelassen. Dass die anderen Menschen ersch\u00fcttert dar\u00fcber waren, dass &#8222;die USA&#8220; angegriffen wurden, das hat mich ersch\u00fcttert. Es ging nicht um die Brutalit\u00e4t, nicht das vieltausendfache menschliche Leid, welches die Anschl\u00e4ge ausgel\u00f6st haben. Die Ersch\u00fctterung bezog sich mehr auf das Symbol WTC und das unangreifbare Amerika. W\u00e4re das gleiche Ereignis in Mumbai geschehen, es w\u00e4re wohl nur eine Notiz in der Tagesschau geworden. Mir war schnell klar, dass die Welt danach nicht mehr dieselbe Welt sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Mitte September 2001. Das Kaufdatum r\u00fcckte n\u00e4her. Alle Geldfl\u00fcsse wurden gestoppt. Wir k\u00fcnftigen Bewohner trafen uns abends im Roten Hahn. Wir waren uns \u00fcber die Tragweite des Anschlages uneinig. Es gab eine Stimme, die meinte, das w\u00e4re alles nicht so schlimm. Vielleicht war es der Beginn der Uneinigkeit im Haus? Zumindest war da schon sehr klar: wir waren sehr unterschiedlich. So unterschiedlich, dass die zwei anderen nach einem Jahr auch wieder weg waren. Dennoch haben sie einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass das Projekt starten konnte, vielleicht haben sie auch den Grundstein zur Vielfalt gelegt. Man wei\u00df es nicht. Sie haben dazu beigetragen, sie haben sich darauf eingelassen.<\/p>\n<p>Also ihr m\u00fcsst euch das so vorstellen: bei mir gab es in diesen Tagen zwei verschiedene gro\u00dfe Ereignisstr\u00e4nge. Das eine waren die Weltereignisse rund um den 11. September, das andere war der Hauskauf und der Umzug. Der Neuanfang. Es war unklar, ob das Geld flie\u00dfen kann. Am 14. sollte Zahltag sein. Noch am Abend des 14. rief mich die Vorbesitzerin an: das Geld w\u00e4re noch nicht auf dem Konto. Sie wollte aber eigentlich los nach Portugal. Ob sie nun fahren solle oder nicht. Ich sagte ihr, dass das Geld bei mir abgebucht wurde, sie k\u00f6nne sich gerne bei der Bank erkundigen. Am 15., es war ein Samstag, trafen wir uns dann im Haus zum provisorischen Fr\u00fchst\u00fcck und zu ersten Renovierungsarbeiten. &#8211; Das Abenteuer konnte beginnen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mit diesen Zeilen nur meine Erinnerung festhalten. Sie ist unvollst\u00e4ndig. Ich kann mich nur noch erinnern, dass viele Freunde kamen. Bei der Malerei halfen oder etwas zu essen machten oder einfach nur neugierig waren was denn jetzt da so passiert. Wir haben abends noch eine Flasche Wein getrunken &#8211; eine besondere Flasche Wein, die mir Martin schon lange zuvor geschenkt hat &#8222;f\u00fcr ein besonderes Ereignis&#8220;. Dass dies eine Z\u00e4sur in meinem Leben darstellt, eine Wende, ein neuer Abschnitt begann. Mit vielen Hochs und Tiefs und Aufs und Abs. Nat\u00fcrlich ist das Zusammentreffen dieser zwei Ereignisse vollkommen zuf\u00e4llig. Es werden t\u00e4glich hunderte und tausende Kaufvertr\u00e4ge f\u00fcr H\u00e4user geschlossen und bedeutende Termine gemacht. Da ist es unumg\u00e4nglich, dass ein Termin mit einem Weltereignis quasi zusammentrifft, zumal ja auch eine gewisse Unsch\u00e4rfe in den Terminen liegt. Daher m\u00f6chte ich das keinesfalls als schicksalhaftes astrologisches oder esoterisches, karmisches, \u00fcbersinnliches Ereignis verstanden wissen. In meiner Biografie treffen eben zwei bedeutende Ereignisse zusammen und bestimmen in gewisser Weise damit auch meine Erinnerung.<\/p>\n<p>Es gibt aber doch ein paar Gemeinsamkeiten. &#8222;Gemeinsam mitten im Leben&#8220; &#8211; so schrieb Kristoff Meller im Fr\u00fchjahr 2014 \u00fcber uns. Und, um dann nochmal kleine und gro\u00dfe Weltereignisse zu verbinden &#8230; ist es nicht so, dass wenn wir uns im Kleinen treffen und versuchen Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander zu entwickeln, dass gro\u00dfe Konflikte dann unwahrscheinlicher werden? Nat\u00fcrlich sind die Taliban sehr weit weg. Aber sind es nicht auch Menschen? Ist es unm\u00f6glich, sich in seinen Wertevorstellungen, in seinen Zielen und Idealen n\u00e4her zu kommen, wenn wir guten Willens sind? Ich wei\u00df genug davon zu jammern wie schwierig es ist mit Menschen zu sprechen, die einem starren, festen Weltbild verhaftet sind. Ich wei\u00df aber auch, dass wenn wir uns weniger abgrenzen, wenn wir offener und ehrlicher werden, wenn wir den eigenen Gott einfach mal Gott sein lassen und eine andere Welt, eine andere \u00dcberzeugung auch mal als wahr denken k\u00f6nnen, dann wird die Welt bunter, mehrdimensionaler, interessanter, lebendiger. Wenn wir eine eigene Ideologie \u00fcber Bord werfen, werden wir freier.<\/p>\n<p>Kinder k\u00f6nnen uns viel lehren. Sie haben keinen Gott. Sie haben Fragen. Viele Fragen k\u00f6nnen wir nicht beantworten. Wir sollten uns h\u00fcten, die Fragen der Kinder mit einem Gott zu beantworten. Damit nehmen wir unseren Kindern ihre Unbefangenheit. Und ihre Fragen! Die Fragen werden sie brauchen, um die Zukunft, die wir ihnen vermasselt haben, zu gestalten. Es gibt keine einfachen Antworten auf die Frage, was Menschen dazu treibt Terroristen zu werden. Sie sagen, dass sie im Auftrag ihres Gottes handeln. Das darf man in Frage stellen.<\/p>\n<p>Kein Beitrag ohne Bilder.<\/p>\n<p>Am 7. September um 13.40 Uhr mache ich ein Bild von einer Wurzel, die ich zuvor ausgegraben habe.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2204.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2024\" src=\"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2204.jpg\" alt=\"DSC_2204\" width=\"1280\" height=\"852\" srcset=\"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2204.jpg 1280w, http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2204-300x200.jpg 300w, http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2204-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2204-624x415.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Am 7. September fliegt um 18.19 Uhr ein Tischtennisball \u00fcber das Netz.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2217.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2023\" src=\"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2217.jpg\" alt=\"DSC_2217\" width=\"1280\" height=\"852\" srcset=\"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2217.jpg 1280w, http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2217-300x200.jpg 300w, http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2217-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2217-624x415.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Am 12. September um 15.05 Uhr passiere ich\u00a0an Bord der WOW die Tonne 37.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2226.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2020\" src=\"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2226.jpg\" alt=\"DSC_2226\" width=\"1280\" height=\"852\" srcset=\"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2226.jpg 1280w, http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2226-300x200.jpg 300w, http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2226-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_2226-624x415.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich beginne meinen Tag mit Zeitung lesen &#8230; https:\/\/projekte.sueddeutsche.de\/artikel\/politik\/schily-und-fischer-zu-9-11-unausloeschliche-erinnerung-e109126\/ https:\/\/projekte.sueddeutsche.de\/artikel\/politik\/ex-guant-namo-haeftling-im-interview-e338447\/ https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/amerika\/usa-newyork-9-11-rettung-101.html Vor dem Haus h\u00e4ngen zwei Plakate der Nullen-Pisser-Deppen. 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