{"id":2,"date":"2014-07-25T17:52:12","date_gmt":"2014-07-25T17:52:12","guid":{"rendered":"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/?page_id=2"},"modified":"2014-08-15T19:57:09","modified_gmt":"2014-08-15T17:57:09","slug":"beispiel-seite","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/tressowblog.dtp-net.de\/?page_id=2","title":{"rendered":"Vorgeschichte"},"content":{"rendered":"<p>Eine der h\u00e4ufigsten Fragen ist &#8222;wie seid ihr darauf gekommen?&#8220; &#8211; und darauf will ich mal versuchen eine Antwort zu schreiben, denn urspr\u00fcnglich wollten wir ja eigentlich etwas ganz anderes. Einen Gutshof oder ein Schloss &#8211; mit anderen Menschen, Familien, Kindern. &#8211; Aber jetzt der Reihe nach. Wir wohnen hier in der Stadt &#8211; gar nicht so schlecht, in einem netten H\u00e4uschen, fast ohne Garten. Recht zentral gelegen. Vor dem Haus ist eine Spielstra\u00dfe, die f\u00fchrt in einen Park. Mit den anderen Hausbewohnern kommen wir meist gut aus und wir haben Arbeitsstellen, da sind viele Menschen schon fast neidisch. &#8222;Und so etwas gebt ihr einfach auf?&#8220; &#8211; h\u00f6ren wir manche Frage. Dies hier, das m\u00fcssen wir immer wieder feststellen, ist nicht wirklich unsere Welt. In den letzten f\u00fcnf Jahren waren wir einmal im Kino. Das war aber was ganz besonderes. Stummfilm mit Livemusik &#8211; das bekommt man nicht alle Tage. Wir waren einmal ausw\u00e4rts Pizza essen. Das war ein Arbeitsessen. Shopping? Eher im Internet. Einrichtungen wie Fitnessstudios, Kletterhallen, Discos und andere Konsumtempel sehen wir nur von au\u00dfen. Veranstaltungen, wie beispielsweise der weltweiten Massenhysterie im Juni\/Juli diesen Jahres sind uns eher fremd, obwohl auch eingefleischte \u00d6kos bei solchen Anl\u00e4ssen den Verbrauch an Trinkwasser, Lebensraum anderer Menschen, CO2 und anderer wichtiger Ressourcen gerne ignorieren. Wohl f\u00fchlen wir uns in einer urspr\u00fcnglichen, naturnahen, einfachen Umgebung. So sind wir dann auf die Suche gegangen. Denn was liegt n\u00e4her, als das Leben zu ver\u00e4ndern, wenn einem die Jacke nicht wirklich passt. Wirklich weit weg wollten wir nicht unbedingt. Eine Idee war dann, dass wir ein Jahr Woofen gehen. Bei n\u00e4herer Betrachtung stellte sich diese Idee dann aber als doch eher schwierig in der Durchf\u00fchrung dar, weshalb wir davon Abstand genommen haben. Das war so etwa Fr\u00fchjahr 2013. Wir haben uns dann so mehr oder weniger damit abgefunden, dass wir &#8222;irgendwann&#8220; schon was passendes finden werden.<\/p>\n<p>Dennoch &#8211; im Sommer wollten wir mal Urlaub machen. So richtig mit wegfahren und so. Da hatten wir zwar gar nicht so viel Zeit. Vom Jahresende in der Kinderkrippe bis zum n\u00e4chsten wichtigen Termin waren es knapp zwei Wochen. Auch hier wieder: Pauschalferien wollten wir nicht und Konsumferien auch nicht. Einfach nur eine Ferienwohnung mieten? Irgendwie konnten wir uns dazu nicht \u00fcberwinden. Aber da war doch noch &#8230; &#8211; genau. Von den Woof\u00fcberlegungen und Recherchen hatten wir noch ein paar Adressen von interessanten Orten und Menschen. Auch mit Ferienangebot. Und wenn schon Urlaub, dann wollten wir doch auch das Meer sehen. Unsere erste Urlaubsreise f\u00fchrte uns zum Biohof Iria nach Mecklenburg-Vorpommern. Ein idyllisches \u00d6rtchen mit lieben Menschen, einer wunderbaren Landschaft, mit Tieren, einem gro\u00dfen Gem\u00fcsegarten. Wir haben die ersten Tage dort sehr genossen, auch wenn die Kinder schon auf der Hinreise gefragt haben &#8222;wann fahren wir wieder nachhause?&#8220;. Wir haben Drachen gebaut, in der Ostsee geplanscht, am Strand im Sand gespielt, das Kaninchen gef\u00fcttert und ein paar andere interessante Orte in der Umgebung besucht. Unter anderem waren wir in Medewege und auf dem Olgashof. Das waren inspirierende Besuche, aber nicht unsere Lebensorte.<\/p>\n<p>Es war schon die zweite Urlaubswoche, da kam dann Gomin auf uns zu und sagte &#8222;dort unten ist ein Haus zu verkaufen &#8211; wenn ihr Geld \u00fcbrig habt &#8230;&#8220;. Nun, Geld hatten wir nicht \u00fcbrig, aber das Haus wollten wir sehen. Wir haben schlie\u00dflich einen Besichtigungstermin bekommen &#8211; das war der 3. September. Lange waren wir nicht drin, aber es hat uns gut gefallen. Von einem gro\u00dfen Grundst\u00fcck umgeben, direkt am Tressower See gelegen. Es hat einerseits so ganz und gar nicht unseren Vorstellungen entsprochen. Denn eine zweite Familie kann dort kaum wohnen &#8211; oder nur nach einem gr\u00f6\u00dferen Umbau. Das Haus hat keinen Keller &#8211; wo sollten wir unsere Marmelade und andere Vorr\u00e4te lagern? Aber die Gegend, die Urlaubsstimmung, das Haus, die Menschen &#8230; &#8211; wir sind nachhause gefahren und dann war klar: wir wollen &#8230; Bis wir uns mit dem Verk\u00e4ufer dann einig wurden vergingen noch bange Wochen und Monate. Es mussten doch noch einige Sachen gekl\u00e4rt werden, unter anderem die Finanzierung und die Abwicklung. Am 7. Februar 2014 war es dann so weit: ich konnte morgens ins Flugzeug nach Hamburg steigen, von dort weiter mit dem Zug nach Neustadt in Holstein fahren. Dort hatte ich den lange ersehnten Notartermin. Anschlie\u00dfend den gleichen Weg wieder zur\u00fcck. Abends war ich dann wieder in L\u00f6rrach, der Vertrag war unterschrieben.<\/p>\n<p>So ungef\u00e4hr, grob zusammengefasst, kam alles zustande. Es gibt noch viele viele weitere Aspekte dazu, die doch auch immerhin Erw\u00e4hnung finden sollen. Wir haben hier eine wunderbare Umgebung, die Kinder k\u00f6nnen im Haus spielen und toben. Und doch hat sich in den letzten Jahren gezeigt: Kleingruppe in Gruppe bew\u00e4hrt sich nicht nur ausschlie\u00dflich gut. Das ist jetzt ein wenig schwer zu erkl\u00e4ren. Wir machen hier weniger als die H\u00e4lfte der Bewohner aus, sorgen aber ungef\u00e4hr gef\u00fchlte achzig Prozent f\u00fcr den Umtrieb. Das ist auf die Dauer anstrengend. Nicht nur f\u00fcr uns, auch f\u00fcr die Mitbewohner, die einfach weniger Raum f\u00fcr ihre pers\u00f6nliche Entfaltung und die Sozialarbeit in Anspruch nehmen. Mit M\u00fche versuchen wir seit Jahren den Plastikm\u00fcll aus dem K\u00fchlschrank raus zu bekommen und manchmal kommen wir uns ganz sch\u00f6n einsam auf weiter Flur vor. Garten, putzen, einkaufen, organisieren &#8230; nein, nat\u00fcrlich beteiligen sich alle in der ein oder anderen Art und Weise. Aber die Bed\u00fcrfnisse der Familie sind eben doch deutlich unterschiedlich von den Bed\u00fcrfnissen der Einzelpersonen. Das zeigt sich im Alltag.<\/p>\n<p>Die Kinder lernen in der Stadt, dass die Stra\u00dfe voller M\u00fcll liegt und spielen Kehrmaschine und wollen den M\u00fcll wegr\u00e4umen. Uns bleibt dann nicht mehr viel \u00fcbrig als ihnen beizubringen, dass sie nicht allen M\u00fcll von der Stra\u00dfe wegr\u00e4umen k\u00f6nnen. Ist das die Pr\u00e4gung, die man einer Kinderseele w\u00fcnscht? Etwas wehm\u00fctig machen auch solche Erlebnisse, dass es Mitbewohner gibt, die sich jahrelang in Passivit\u00e4t \u00fcben, auf freundliche Ansprache gereizt reagieren, sich der christlichen N\u00e4chstenliebe verschrieben haben, die die Sanit\u00e4r- und Gemeinschaftsr\u00e4ume zwar nutzen, diese aber gerne von anderen Menschen putzen lassen &#8211; ohne jedes Dankesch\u00f6n. Das sind Dinge, die uns den Abschied leichter machen. Aber es gibt auch andere.<\/p>\n<p>Da sind gef\u00fchlte tausend Freunde und Bekannte, Nachbarinnen, Arbeitskollegen und \u00fcberhaupt halb L\u00f6rrach. Da sind die Marktfrauen, zu denen sich in den Jahren eine pers\u00f6nliche Beziehung aufgebaut hat, die uns heruntergefallenes Obst schenken, da sind die fr\u00fcheren Mitbewohnerinnen und Mitbewohner, da ist der Zahnarzt, zu dem man seit vielen Jahren das Vertrauen aufgebaut hat, Silke, Alrun, das Museum, der Kindergarten und und und. Das wird dann &#8222;ganz sch\u00f6n weit weg&#8220; sein &#8211; wie man so sch\u00f6n sagt. Und doch &#8211; wir haben, je n\u00e4her der Umzugstermin heranr\u00fcckt, doch immer mehr den Eindruck: es ist richtig. Denn, wir schaffen auch neuen Raum. Eine wunderbare Umgebung, die nur auf Besuche, G\u00e4ste und Urlauber wartet &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine der h\u00e4ufigsten Fragen ist &#8222;wie seid ihr darauf gekommen?&#8220; &#8211; und darauf will ich mal versuchen eine Antwort zu schreiben, denn urspr\u00fcnglich wollten wir ja eigentlich etwas ganz anderes. 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